Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 13.01.2016


Wirtschaftspolitik

„PC kann für Kassenpflicht ausreichen“

Dass die Registrierkassenpflicht jeden Betrieb Tausende Euro koste, sei Panikmache, meint ein Tiroler IT-Experte. Oft reiche eine Software für den bestehenden PC aus.

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Von Max Strozzi

Innsbruck – Seit dem Jahreswechsel müssen Betriebe, die einen Jahresumsatz von 15.000 Euro erzielen, und davon Barumsätze von mehr als 7500 Euro, eine elektronische Registrierkasse oder ein sonstiges elektronisches Aufzeichnungssystem verwenden. Bis Ende März gilt eine „Gnadenfrist“: Wer bis dahin mit der Umrüstung nicht fertig ist, wird nicht bestraft. Mit einer „guten Ausrede“ wird Straffreiheit bis Ende Juni gewährt. Viele Unternehmen seien noch nicht darauf vorbereitet, warnt Markus Reitshammer vom Tiroler IT-Spezialisten re-systems. „Viele Unternehmer glauben immer noch nicht, dass sie die Registrierkasse benötigen.“

Markus Reitshammer vom Tiroler IT-Spezialisten re-systems.
- re-systems

Dass jeder Betrieb Tausende Euro in eine neue Registrierkasse investieren muss – was zuletzt als Grund für die Schließung viele Heuriger in Wien ins Treffen geführt wurde –, stellt Reitshammer in Abrede. „Es wurde um die Registrierkasse wahnsinnig viel Panikmache betrieben“, sagt der Experte. Eine Software für ein paar hundert Euro, die am bestehenden PC installiert wird, sei für viele Betriebe nämlich ausreichend. „Mit einer Software kann ich am normalen PC die Regstrierkasse abbilden, das wird von der Finanz akzeptiert“, so Reitshammer. Entscheidende Vorgabe sei das notwendige Datenerfassungsprotokoll (DEP), das auch mittels Software installiert werden könne, ohne eine neue Kasse anschaffen zu müssen. Jede Buchung, jeder Beleg müsse lückenlos im Protokoll elektronisch erfasst sein, ein vorgegebenes Format und mehrere Verschlüsselungen aufweisen, erklärt der IT-Spezialist. Er glaubt nicht, dass das neue System leicht manipulierbar sei. „Die Verschlüsselung ist jeweils vom vorangegangenen Buchungsbetrag abhängig. Wenn man etwas herumbastelt, fällt das auf.“ Ab 2017 werde dieser Schlüssel noch einmal verschärft. Die Finanzpolizei könne bei Kontrollen eine Kopie des Protokolls verlangen, die Betriebe etwa mittels USB-Stick aushändigen müssten, erklärt Reitshammer. Dass theoretisch aber überall, wo Software im Spiel ist, mittels einer anderen Software manipuliert werden könnte, lasse sich auch nicht zu 100 Prozent ausschließen.