Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 28.02.2016


Exklusiv

Milchpreis unter 30 Cent: Massives Bauernsterben in Tirol befürchtet

Hiobsbotschaft für die TirolMilch-Bauern: Eigentümer Berglandmilch senkt den Milchpreis ab 1. März auf 29,2 Cent/netto. Bauernkammer-Chef Hechenberger schlägt Alarm.

Die Tirol Milch knüpft ihr Pachtangebot an die Sennereigenossenschaft Zillertal-Mitte an die Bedingung, dass künftig ihre Frächter die Milchabholung übernehmen. Das wollen viele der Bauern nicht.

© Symbolfoto: BöhmDie Tirol Milch knüpft ihr Pachtangebot an die Sennereigenossenschaft Zillertal-Mitte an die Bedingung, dass künftig ihre Frächter die Milchabholung übernehmen. Das wollen viele der Bauern nicht.



Innsbruck – 3200 Lieferanten hat die TirolMilch, die zur größten österreichischen Molkerei, der Berglandmilch, gehört. Gab es zuletzt Anzeichen einer Stabilisierung auf dem europäischen Milchmarkt, so erhalten die konventionell produzierenden Milchbauern jetzt einen argen Dämpfer. Für ihr­e gentechnikfreie Milch senkt die Berglandmilch das Milchgeld ab 1. März um 1,8 Cent auf 29,2 Cent. Das betrifft rund 1600 Lieferanten, die anderen liefern bereits spezielle Milch wie Bio- oder Heumilch. Hier gibt es Zuschläge, die Situation schaut für sie deutlich besser aus. Nicht nur das: Die Preisschere zwischen konventionell erzeugter Milch und anderen Milchsorten geht immer weiter auseinander.

Für Tirols Bauernkammerpräsident Josef Hechenberger ist deshalb jetzt der Tiefpunkt erreicht, „vor allem für die großen Bauern in der Inntal­furche wird es langsam, aber sicher sehr eng“. Hechenberger befürchtet ein massives Bauernsterben, wenn nicht rasch entgegengesteuert wird. „Die Zeit des Zauderns und der Versprechungen ist vorbei, es müssen endlich alle an eine­m Strang ziehen. Das gilt für die Politik, den Handel und die milchverarbeitenden Betriebe.“ Besonders harsche Kritik übt er an der EU-Agrarpolitik. „Auch hier gibt es eine massive Krise.“ Hechenberger will nicht mehr länger zuschauen, „es braucht einen Milchgipfel“.

Agrarreferent und VP-Bauernbundobmann LHStv. Josef Geisler (VP) sieht mehrere Ursachen in der für die Landwirte höchst unbefriedigenden Situation. Seit mehr als einem Jahr ist der Preis im Keller. Zum einen findet ein massiver Verdrängungswettbewerb im Handel statt, andererseits stagnierten die Viehab­sätze, was zu einer Überproduktion von fast fünf Prozent bei der Milch in Tirol geführt hat. „Wenn man sich zudem vor Augen hält, dass in Neuseeland für die Milch ein Erzeugerpreis von 18 Cent gezahlt wird, weiß man, wie schwierig es derzeit ist“, betont Geisler. Obwohl immer mehr Bauern auf Bio und silofreie Milchproduktion umsteigen würden, gehe es bei den Vollerwerbsbauern mittlerweile an die Substan­z. Der Umstieg mache sich außerdem nicht sofort bezahlt, sondern erst nach Jahren. Letztlich hofft Geisler, dass sich die Preissituation im Lauf des Jahres doch noch verbessert. (pn)