Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 21.02.2017


Exklusiv

Buwog-Deal: Neuer Eigner wirft erste Mieter raus

Befristete Mietverträge von Buwog-Wohnungen werden nicht mehr verlängert. Buwog und der neue Eigner schieben sich gegenseitig die Verantwortung zu.

Der Kaufpreis für das Tiroler Buwog-Portfolio soll mehr als 120 Mio. Euro betragen haben. <span class="TT11_Fotohinweis">Symbolfoto: APA</span>

© APA (Symbolbild)Der Kaufpreis für das Tiroler Buwog-Portfolio soll mehr als 120 Mio. Euro betragen haben. Symbolfoto: APA



Von Serdar Sahin

Innsbruck – Der in Luxemburg ansässige Immobilienfonds Jargonnant Partners (JP) hat ja – wie berichtet – 1146 Buwog-Wohnungen in Tirol für kolportierte 120 Mio. Euro gekauft. Mitte Dezember noch versicherten die Käufer, dass sich für die Mieter der Wohnungen nichts ändern solle. „Wir werden keine Mieten erhöhen und niemanden ausmieten“, hieß es damals.

Wie jetzt bekannt wurde, schickte etwa einen Monat später die Buwog bereits die ersten Kündigungen an Mieter mit befristeten Mietverträgen raus. „Nach Rücksprache mit dem neuen Eigentümer der Buwog-Wohnungen müssen wir Ihnen leider mit­teilen, dass Ihr Mietvertrag nicht verlängert wird“, heißt es in dem Kündigungsschreiben, das der Tiroler Tageszeitung vorliegt.

Der zuständige Buwog-Immobilienverwalter sei jedoch nicht erreichbar, beklagen die betroffenen Mieter. Mehrmalige Versuche der TT, ihn zu kontaktieren, blieben erfolglos. Darauf angesprochen, wehrte sich die Buwog damit, dass der genannte Ansprechpartner für die Mieter sehr wohl erreichbar sei.

Was denn nun mit den frei werdenden Wohnungen geschehen soll – ob sie verkauf­t oder vermietet werden –, will die Buwog auf TT-An­frage nicht sagen. Überhaupt scheinen sich die Buwog und der neue Eigentümer nicht einig zu sein, wem die Wohnungen derzeit überhaupt gehören. „Noch ist die Buwog Eigentümerin der Wohnungen, und daher ist auch die Buwog Ansprechpartnerin für die Mieter“, ließ die 2004 privatisierte Buwog über einen Pressesprecher wissen.

Doch der neue Eigner JP ist bereits seit Anfang Februar im Grundbuch eingetragen. Darauf angesprochen, verweist die Buwog dann doch an JP. Der Fonds wiederum geht in Deckung, schiebt den Schwarzen Peter der Buwog zu und sieht diese als Ansprechpartnerin. Der Grund: Der Eigentumsübergang hab­e noch nicht stattgefunden. Dieser soll aber bald folgen, wurde versichert.

Bei der AK Tirol hätten sich bisher nur vereinzelt Buwog-Mieter diesbezüglich gemeldet. „Vielleicht auch deshalb, weil die Rechtslage nicht unbedingt für die Mieter spricht. Der Vermieter ist nämlich nicht verpflichtet, einen auslaufenden Mietvertrag einfach zu verlängern“, erklärt die Arbeiterkammer. AK-Chef Erwin Zangerl vermutet, dass „der neue Eigner die Wohnungen so schnell wie möglich von Mietern befreien will, damit sie teuer weiterverkauft werden können“.




Kommentieren


Schlagworte