Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 03.06.2017


Fachkräftemangel

Südtirol lockt Rückkehrer mit Zuckerl

Südtirol hat einen akuten Mangel an Fachkräften. Daher will LH Arno Kompatscher „Rückkehrwilligen den roten Teppich ausrollen“.

© Thomas Böhm / TTSüdtirols Landeshauptmann Arno Kompatscher.



Wien – Südtirols Wirtschaft brummt und ruft immer lauter nach Fachkräften. „Trotz Uni in Bozen studieren die meisten Südtiroler außerhalb des Landes und kommen nicht so leicht zurück“, stellte Kompatscher bei einer vom Club Tirol organisierten Podiumsdiskussion in Wien fest. Um für Start-ups, Forschung und Entwicklung Hochqualifizierte in die Heimat zu locken, wolle man spezielle Anreize schaffen. Im Vergleich zur Konkurrenz in Europa seien die Gehälter in Südtirol niedrig. Damit die Löhne attraktiver werden, will das Land nun mit einer befristeten Übernahme von Bruttolohn-Anteilen einspringen, kündigte Kompatscher an.

Eine weitere Hürde im Kampf um die besten Köpfe sei die Zweisprachigkeitsplicht in der öffentlichen Verwaltung. „Im Kampf gegen den europaweiten Ärztemangel ist die Zusatzqualifikation, Deutsch und Italienisch zu beherrschen, ein großes Handicap“, räumt Kompatscher ein. „Im Gesundheitssystem gilt es, Kirchtürme niederzureißen. Das fällt uns Tirolern ja besonders schwer.“

In der Diskussion ging es auch um einen Vergleich des eigenen Standorts mit Tirol bzw. von Italien und Österreich. „Für Unternehmer sind die Lohnkosten in beiden Ländern gleich hoch. Nur bleibt den Mitarbeitern in Italien wesentlich weniger übrig als in Österreich. Die Steuerlast in Südtirol sei „deutlich“ höher als in Tirol und Österreich, betont der Seniorchef der weltweit agierenden Unternehmensgruppe Durst Phototechnik, Christof Oberrauch.

Bei den Grundstücks- und Strompreisen biete Österreich ebenfalls eindeutig die besseren Konditionen, so Oberrauch. Als Unternehmer in Italien brauche man jedenfalls eine gute Portion „Heroismus“. Die Bürokratie sei hingegen in beiden Ländern gleich hoch. (TT)