Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 06.11.2017


Wirtschaftspolitik

Metaller-KV: „Stehen bei weniger als null“

Die Gewerkschaft droht mit Streik, wenn es heute zu keiner Annäherung mit den Arbeitgebern kommt.

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Wien, Innsbruck – Vor der heutigen fünften Verhandlungsrunde der Sozialpartner der Metalltechnischen Industrie für den künftigen Kollektivvertrag (KV) sind die Fronten verhärtet. Die Gewerkschaft droht Kampfmaßnahmen an, sollten heute die Weichen nicht Richtung Einigung gestellt werden. Die Arbeitgebervertreter zeigen sich „verärgert über das Verhalten der Gewerkschaftsfunktionäre“.

Die Gewerkschaft fordert unter anderem vier Prozent mehr Lohn, höhere Zulagen bei Schichtarbeit, eine Anhebung der Lehrlingsentschädigung, Freizeitoption und rahmenrechtliche Verbesserungen bei der Anrechnung von Elternkarenz bei Beschäftigung im Ausland sowie Rechtsanspruch auf Altersteilzeit.

Sie rechtfertigt die Forderungen unter anderem mit der österreichischen Inflationsrate von 1,8 Prozent und einem vom Wirtschaftsforschungsinstitut Wifo prognostizierten Wirtschaftswachstum von 2,8 Prozent.

Doch bislang konnten sich die Verhandlungspartner noch nicht einmal auf eine Inflationsrate als Varhandlungsbasis einigen. Die Arbeitgeber wollen die durchschnittliche Inflationsrate der vergangenen zwölf Monate inklusive einer Berücksichtigung der Inflationsrate in den Kern-Exportmärkten, die rund ein halbes Prozent unter der österreichischen liegt, als „Basis für eine faire Entgelterhöhung“ heranziehen. „Wir verhandeln aber für die Arbeitnehmer in Österreich“, sagt Arbeitnehmer-Verhandler Robert Koschin, Landessekretär der Produktionsgewerkschaft Pro-Ge.

Koschin ortet eine Blockadehaltung der Arbeitgeber: „Wir stehen derzeit bei den Verhandlungen bei weniger als null. Es hat kein Angebot von den Arbeitgebern gegeben. Im Gegenteil: Sie fordern Verschlechterungen bei der Arbeitszeit, der Pausenregelung und eine Kürzung des Taggeldes.“ Sollte es heute zu keiner Annäherung kommen, werde man bei den 186.000 Arbeitnehmern fragen, ob es zum Streik kommen soll. „Die Wertschätzung der Mitarbeiter durch die Arbeitgeber ist nicht mehr da. Fordern wir mehr Geld für Schichtarbeiter, drohen sie mit einer Produktionsverlagerung ins Ausland“, sagt Koschin.

Naturgemäß anders sehen das die Arbeitgebervertreter. „Es geht um die Arbeitskosten. Die Forderungen der Gewerkschaft schwächen unsere Wettbewerbsfähigkeit. Alle Forderungen zusammen bedeuten eine Lohnerhöhung von sechs Prozent“, heißt es auf TT-Anfrage aus dem Fachverband FMTI. Verärgert zeigen sich die Arbeitgeber auch über den Stil der Gewerkschaft. Die Arbeitnehmervertreter müssten aus einem „inszenierten Konfliktmodus herauskommen“, dann sei ein „Abschluss im Sinne der Beschäftigten und es Standorts“ erreichbar.

Der KV-Abschluss der Metaller gilt als Vorbild für weitere Abschlüsse. (ecke, APA)