Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 05.12.2017


Wirtschaftspolitik

Gezerre um Rauchverbot in Lokalen

Nichtraucherverband warnt vor Aus für das beschlossene Rauchverbot in Lokalen. Studie zeigt: Jeder dritte Gast greift zum Glimmstängel.

© APA/HELMUT FOHRINGERDas Rauchverbot in Lokalen sorgt für heiße Diskussionen.Foto: APA



Wien – Ab Mai 2018 darf in Lokalen nicht mehr geraucht werden. Das wurde 2015 so beschlossen, derzeit gelten noch unterschiedliche Regeln. Die Schutzgemeinschaft für Nichtraucher hat gestern vor jeder Aufweichung des Nichtrauchergesetzes – und damit vor einer Rücknahme des Rauchverbots – durch eine neue Bundesregierung gewarnt. Eine Lockerung wäre „ein Stich ins Wespennest mit fatalen Folgen“, sagte Obmann Robert Rockenbauer gestern.

Schon das bisherige Tabakgesetz werde wegen fehlender Kontrollen von 70 bis 80 Prozent der Wirte nicht eingehalten, kritisierte Rockenbauer. Das generelle Rauchverbot dagegen sei leicht überprüfbar und schütze vor Passivrauchen, das „Krankheit, Invalidität und Tod“ verursache. „Vermeidbare Gesundheitsschäden vom Volk abzuwenden, ist Aufgabe des Staates und liegt nicht in der Verantwortung des Wirtes“, so Rockenbauer. Wenig Verständnis zeigte er für das „Gejammere der Wirte“ über Umsatzeinbußen. In Bayern habe sich laut Zahlen des deutschen Statistikamtes gezeigt, dass die Umsätze nach Einführung des Rauchverbotes gestiegen sind. Rockenbauer sah auch Nachteile für Wirte, die ihr Lokal bereits umgebaut haben. Eine Änderung des Gesetzes würde Schadenersatzforderungen nach sich ziehen.

Besonders kritisiert der Verein die FPÖ. Der Vorstoß zu einer Aufweichung des Nichtrauchergesetzes sei eine „menschenverachtende Einstellung und eine Schande“. Nutzen daraus würde lediglich die „Tabak-Nikotin-Drogen-Industrie“ ziehen. Der Obmann fragte sich, ob dafür „Zuwendungen“ fließen würden. „So einer Partei darf man keinesfalls das Gesundheitsministerium überlassen“, so Rockenbauer.

Dass viele Wirte kein Rauchverbot wollen, hat einen Grund: 38 % der Gäste und damit ein höherer Anteil als in der Bevölkerung sind Raucher, zeigt eine Erhebung des Beraters Kreutzer Fischer & Partner. Dies deshalb, weil Jüngere eher rauchen und ins Gasthaus gehen. (TT, APA)




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