Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 07.12.2017


Exklusiv

Suche nach neuem Chef für Finanzpolizei

Nach der Unvereinbarkeitsdebatte und der Karenzierung des Tiroler Finanzpolizeichefs übernimmt Österreichs FinPol-Chef Lehner interimistisch die Leitung der Region West.

© Thomas BöhmDie Finanzpolizei erhält einen neuen Chef, Thomas Wörgötter macht privatwirtschaftliche Pause.



Wien, Innsbruck – Zuletzt ging es dann plötzlich doch schnell. Der Nebenjob des Tiroler Finanzpolizeichefs Thomas Wörgötter als Prokurist in einer Firma der Tiroler Unternehmensgruppe Pletzer sowie seine Eintragung als Unternehmensberater hatten massive Zweifel an der Vereinbarkeit geweckt – die TT berichtete. Ein kolportierter Wellness-Tag für einen Teil der Finanzpolizei-Mitarbeiter in einem Pletzer-Hotel hatte die Frage der Unvereinbarkeit weiter entfacht. Hinzu gesellte sich zuletzt eine Mobbing-Anzeige eines Mitarbeiters der Finanzpolizei West. Vorgestern zog das Finanzministerium schließlich die Reißleine und karenzierte den Tiroler Top-Beamten ohne Bezüge für zwei Jahre.

Die Darstellung des Ministeriums, dass die Karenzierung bereits seit Längerem geplant gewesen und auf Wunsch Wörgötters erfolgt sei, stößt allerdings auf Skepsis. Schließlich hatte der Beamte zuvor stets betont, er werde für seinen Zweitjob seine Freizeit opfern. Zum Nachfolger als Chef der Finanzpolizei für Tirol und Vorarlberg wurde zudem noch niemand erkoren. Vorerst wird daher Österreichs Finanzpolizeichef Wilfried Lehner auch die Leitung der Finanzpolizei West interimistisch übernehmen, teilt das Finanzministerium auf Anfrage mit. Gleichzeitig werde nun das Ausschreibungsverfahren für den Job des Regionalleiters der Finanzpolizei Tirol und Vorarlberg gestartet. Warum die Stelle nicht bereits ausgeschrieben wurde, wenn Wörgötters Karenzierung angeblich schon länger geplant gewesen sein soll? Dazu teilte das Ministerium mit, man könne das Ausschreibungsverfahren offiziell erst dann einleiten, wenn der Finanzpolizeichef in Karenz ist. (mas)