Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 02.02.2018


Exklusiv

„Österreich wieder vor Deutschland“

Die Regierung habe dank Konjunktur „einen Traumstart“, sagt Bank-Austria-Chefökonom Stefan Bruckbauer.

© RottensteinerBank-Austria-Chefökonom Stefan Bruckbauer.



Von Alois Vahrner

Innsbruck – Hochkonjunktur, sinkende Arbeitslosigkeit und eine ausgezeichnete Stimmung sowohl bei Konsumenten als auch den Unternehmern: Bei solch hervorragenden Rahmenbedingungen werde normalerweise kein Regierungschef abgewählt, sagt Bruckbauer mit Hinweis auf den erfolgten Machtwechsel von SPÖ-Chef Christian Kern zu ÖVP-Chef Sebastian Kurz gegenüber der TT. Das Wählervotum habe spezielle Gründe gehabt, etwa der Ärger über die Blockaden und Streitereien der rot-schwarzen Koalition, die „nicht einmal ihren unbestritten größten Erfolg, die Steuerreform, verkaufen konnte“.

Die neue schwarz-blaue Regierung habe mit Blick auf die sehr gute Stimmung und sprudelnde Steuereinnahmen jedenfalls „einen Traumstart“. Das angepeilte Nulldefizit und die Erreichung der Staatsschuldenquote von 70 Prozent würden nahezu automatisch kommen. Für Bruckbauer ist noch unklar, wie massiv die Regierung tatsächlich reformieren wird – zumal dann beide Seiten Wählergruppen treffen und enttäuschen müssten.

Österreichs Wirtschaft brumme und wachse wieder stärker als Deutschland, so Bruckbauer. Den in den letzten Jahren erfolgten Rückfall Österreichs in Rankings sieht Bruckbauer allein der bis vor einiger Zeit schlechten Stimmung geschuldet. Österreich liege in vielem besser als Deutschland, etwa beim Wohlstand, dessen Verteilung (durch Umverteilung und eben die hohe Abgabenquote) und jetzt auch bei der Investitionsfreude der Wirtschaft. „Da geht nach einem Rückstau jetzt echt die Post ab.“ Auch Österreichs Infrastruktur sei vielfach besser intakt. Österreich habe heute um 8 Prozent mehr Jobs als vor der Krise, Deutschland nur 3 Prozent. Gesundheitswesen oder Bildung seien etwa im Gegensatz zu England in Ordnung. Das Schwierige sei, den Standard als eines der zehn reichsten Länder weltweit zu halten. „Das geht nicht als einer, der bei Entwicklungen nachschwimmt, sondern da muss man ganz vorne dabei sein.

Die Bank Austria hat die Wirtschaft-Performance aller Bundeskanzler untersucht: „Schlag den Raab“ werde dabei für Kanzler Kurz kaum möglich sein. Julius Raab hält den in heutigen Zeiten nicht einzuholenden Rekord von im Schnitt 5,8 % jährlichem Wirtschaftswachstum; dieses betrug unter Kanzler Wolfgang Schüssel 2,3 %, unter Alfred Gusenbauer nur 0,3 %, Werner Faymann 0,9 % und Christian Kern 2,6 %. Bei der Aktien-Performance an der Wiener Börse führt bisher Fred Sinowatz mit jährlich 31 % plus vor Kern mit 29 %. Eine Hochrechnung der noch sehr kurzen Kurz-Ära aufs Gesamtjahr würde (unrealistische) 129 % plus heißen.