Letztes Update am Do, 08.02.2018 13:30

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Insolvenzen

Neue Regeln: Privatpleiten in Österreich sprunghaft gestiegen

Die Insolvenzanträge von Ex-Unternehmern haben im Vorjahr überproportional zugenommen. Mit einer Novelle wurden im wesentlichen die Mindest-Entschuldungsdauer auf fünf Jahre verkürzt und die Mindestquote von 10 Prozent gestrichen.

© Erwin WodickaSymbolfoto.



Wien – Nicht nur prominente Unternehmen wie Forstinger oder Svoboda sind im Jänner vermehrt in die Pleite geschlittert – auch die Privatinsolvenzen schnellten zum Jahresauftakt in die Höhe. Mit einem Plus von knapp 67 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat gab es einen „noch nie da gewesenen Anstieg der Privatinsolvenzen“, heißt es am Donnerstag vom Gläubigerschutzverband AKV Europa.

Laut der aktuellen Insolvenzstatistik des AKV wurden im vergangenen Monat 889 Schuldenregulierungsverfahren eröffnet. Auch die Zahl der eröffneten Firmeninsolvenzen ist im Jänner österreichweit um 18,14 Prozent gestiegen. „Der Jänner war ein Ausnahmemonat“, so Franz Blantz vom AKV zur APA.

Allerdings hätten viele wegen der neuen Privatinsolvenzregeln per 1. November 2017 zugewartet, daher gebe es einen Rückstau. Mit der Novelle wurden im wesentlichen die Mindest-Entschuldungsdauer auf fünf Jahre verkürzt und die Mindestquote von 10 Prozent gestrichen. 2017 kam es deshalb zunächst zu einem Rückgang und dann zu einem starken Zuwachs. Insgesamt gab es bei den eröffneten Privatkonkursen im Vorjahr ein Minus von 14,8 Prozent, so der AKV.

Plus bei Anträgen ehemaliger Unternehmer

Besonders zugenommen haben im Jänner laut AKV die Insolvenzanträge von ehemaligen Unternehmern, die teilweise mit mehreren Millionen Euro in der Kreide stehen. „Für diese Personengruppe war der Entfall der 10-prozentigen Mindestquote Anlass für die Antragstellungen“, meint der AKV. Sie würden nun meist 1 bis 2 Prozent anbieten.

Dadurch belaufen sich die Gesamtverbindlichkeiten der im Jänner 2018 eröffneten Privatkonkurse auf 109,4 Mio. Euro - 2016 betrugen sie im Schnitt 85 Mio. Euro pro Monat.

Die meisten eröffneten Privatkonkursverfahren gab es im Jänner in Wien mit 319 (plus 50 Prozent), gefolgt von Niederösterreich mit 122 (plus 44 Prozent). In Oberösterreich stiegen sie um 55 Prozent auf 121 Verfahren. Die größten Zuwächse gab es im Burgenland, dort legten die Privatkonkurse um 370 Prozent auf 33 Verfahren zu.

Blantz rechnet damit, dass es mit dem „Run“ auf Privatinsolvenzen noch bis einschließlich April weitergehen wird, danach werde es sich wieder normalisieren. Die Rückflussquote werde sich durch die neue Regelung aber von durchschnittlich 20 Prozent auf zehn bis 15 Prozent verringern, glaubt Blantz. (APA)


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