Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 05.05.2018


Wirtschaftspolitik

Streit um Mauthöhe, Ruf nach Öffi-Ausbau

WWF fordert baldiges Aus für fossile Antriebe. Frächter beklagen hohe Lkw-Maut. LH Platter sieht Provokation.

© TT/Böhm(Symbolfoto)



Wien, Innsbruck — Um den Klimawandel zumindest zu bremsen, brauche es eine „echte Mobilitätswende" in Österreich, forderte gestern WWF-Klimasprecher Karl Schellmann bei einer Pressekonferenz. Die Umweltorganisation sieht im Verkehrsbereich das größte Potenzial zur Einsparung von Treibhausgasen.

„Die Neuzulassung von fossil betriebenen Pkw und Klein-Lkw sollte ab dem Jahr 2025 gestoppt werden", sagte Schellmann. Weitere Forderungen des WWF sind unter anderem eine ökosoziale Steuerreform inklusve der Abschaffung des Dieselprivilegs, der Ausbau von Rad- und Gehwegen sowie eine Verbesserung des Angebots im öffentlichen Verkehr. Auch eine stärkere Verlagerung des Transits auf die Schiene wird gefordert.

Die Sparte Transport und Verkehr der Wirtschaftskammer sowie der Fachverband Güterbeförderung kritisieren derweil aber noch die Höhe der Maut in Österreich. Geht es nach ihren Berechnungen, dann müssen die Tarife um 25 Prozent sinken. Von 2008 bis 2016 hätten die Lkw- und Busbetreiber um 836 Mio. Euro zu viel bezahlt. Sie kritisieren vor allem, dass die Asfinag-Einnahmen nicht zur Gänze in die Infrastruktur fließen würden, sondern auch dem Staat eine Dividende von zuletzt 100 Mio. Euro im Jahr bezahlt werde. Die Branchenvertreter drohen mit dem Gang zum Europäischen Gerichtshof.

Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) sieht in der Forderung eine Provokation — vor allem im Hinblick auf die negativen Auswirkungen des Transitverkehrs auf Tirol. „Eine Senkung der Lkw-Mautpreise zu fordern, ist paradox", meinte Platter gestern. Eine Mautreduktion sei definitiv der falsche Weg, denn die Mautkosten entlang des Brennerkorridors seien nicht nur im Vergleich zur Schiene, sondern auch im Vergleich zu anderen Alpenkorridoren viel zu niedrig. „Eine Senkung würde weiteren Umweg-Transit anziehen", so der Landeshauptmann. Auch er fordert die Verlagerung des Transits auf die Schiene. Auch der Autobahnbetreiber Asfinag verteidigte seine Mautberechnung als „rechtlich korrekt".

Indes forderte der Städtebund gestern 160 Mio. Euro jährlich mehr von der Bundesregierung für den Ausbau des öffentlichen Verkehrs. Dieser sei für die Städte alleine nicht finanzierbar. (ecke, APA)




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