Letztes Update am Di, 08.05.2018 14:14

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Barrierefreiheit

Einkaufsstraßen in Innsbruck am ehesten „barrierefrei“

Im Vergleich mit anderen österreichischen Städten schneidet Tirols Landeshauptstadt am besten ab, insgesamt gibt es aber noch viel Aufholbedarf.

© Thomas Boehm / TTInnsbruck schneidet im Vergleich zu anderen Städten am besten ab, es gibt aber noch viel Aufholbedarf, so der Österreichische Zivil-Invalidenverband (ÖZIV).



Wien — Seit dem Jahr 2016 müssen laut dem Behindertengleichstellungsgesetz alle öffentlich zugänglichen Geschäftslokale barrierefrei sein. Das bedeutet unter anderem einen stufenlosen Zugang. Eine aktuelle Studie des Österreichischen Zivil-Invalidenverbands (ÖZIV) zeigt jedoch, dass selbst nach zehn Jahren Übergangsfrist nur rund die Hälfte der Geschäfte in den untersuchten Städten diese Aufgabe erfüllt.

Das Gesamtergebnis zeigt, dass ziemlich genau die Hälfte der Geschäftseingänge (exakt 50,8 Prozent) stufenlos zugänglich ist. Die andere Hälfte der Geschäfte verfügt über zumindest eine Stufe, die höher als drei Zentimeter ist. Das bedeutet keinen barrierefreien Zugang, der gesetzlich jedoch vorgeschrieben wäre. Das teilte der Behindertenverein ÖZIV am Dienstag in einer Aussendung mit.

Innsbruck schneidet am besten ab, aber Aufholbedarf

Die Ergebnisse sind je nach Stadt sehr unterschiedlich. Am besten schneidet Innsbruck ab, wo 58 Prozent der Geschäfte stufenlos zugänglich sind. In Salzburg hingegen sind es nur 39,2 Prozent, womit die Stadt an der Salzach den letzten Platz bezüglich Barrierefreiheit einnimmt. St. Pölten mit 57,6 Prozent stufenlosen Eingängen und Hallein mit 54,8 Prozent bewegen sich dazwischen.

Im Branchenvergleich zeigt sich, dass Bank- und Postfilialen (66,7 Prozent stufenlos) und Trafiken (60,7 Prozent) vergleichsweise gut barrierefrei zugänglich sind. Die Gastronomie mit nur 45 Prozent stufenlosen Geschäftslokalen und die Branche Körperpflege, in der auch viele Friseure erfasst sind, schnitten hingegen am schlechtesten ab (48,3 Prozent).

„Barrierefreien Einkauf 'für alle' auch in den Stadtzentren zu ermöglichen, wäre durchaus auch aus touristischer Sicht sinnvoll bzw. in Konkurrenz zu Einkaufszentren, in denen der stufenlose Zugang bereits zu 100 % gegeben ist", ortet Nora Resch, Geschäftsführerin des ÖZIV Tirol, durchaus auch wirtschaftliche Vorteile für barrierefrei zugängliche Unternehmen.

Im Vergleich zu einer 2016 in Wien durchgeführten Studie ergaben sich ebenfalls einige Unterschiede. In Wien waren 44,5 Prozent der Geschäftslokale stufenlos zugänglich, der Durchschnittswert der Erhebungen in Hallein, Innsbruck, Salzburg und St. Pölten zeigte mit 50,8 Prozent eine höhere stufenlose Zugänglichkeit. Dafür gibt es aber deutlich mehr Geschäftslokale mit drei oder mehr Stufen (13,0 Prozent) als in Wien (3,4 Prozent).

Über 1000 Geschäfte untersucht

Erhoben wurden die Daten in der zweiten Jahreshälfte 2017 — die Bewertungen von 1138 Geschäftslokalen in den Städten Salzburg, Innsbruck, St. Pölten und Hallein wurden in der Studie, die vom ÖZIV Access beim ÖZIV Bundesverband koordiniert wurde, berücksichtigt.

Erhebungen in Innsbruck

In Tirols Landeshauptstadt wurden 460 Geschäftseingänge in folgenden zentral gelegenen Straßen begutachtet:

Anichstraße, Marktgraben, Hofgasse, Badgasse, Museumstraße, Kiebachgasse, Burggraben, Pfarrgasse, Maria-Theresien-Straße, Domplatz, Riesengasse, Seilergasse, Herzog-Friedrich-Straße, Schlossergasse, Stiftgasse.

Mit 58,0 % bzw. 267 stufenlos zugänglicher Geschäfte schneidet Innsbruck im Städtevergleich am besten ab.

Fazit der Studie ist, dass von vollständiger Barrierefreiheit in Einkaufsstraßen nach wie vor keine Rede sein kann, obwohl das Gesetz das vorsieht. In vielen Fällen wären stufenlose Eingänge — beispielsweise durch Rampen — leicht herstellbar, hieß es am Dienstag vom ÖZIV. (TT.com, APA)


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