Letztes Update am Mi, 30.05.2018 11:50

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Konjunktur

Heimische Wirtschaft wächst: OECD hebt Prognose an

In diesem Jahr dürfte die heimische Wirtschaft um 2,7 Prozent wachsen, im November 2017 waren die Pariser Experten noch von einem 2,5-prozentigen Plus ausgegangen.

© boehm(Symbolfoto)



Wien, Paris – Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat ihre Wachstumsprognose für Österreich erneut angehoben. 2018 dürfte die heimische Wirtschaft um 2,7 Prozent wachsen, im November 2017 waren die Pariser Experten noch von einem 2,5-prozentigen Plus ausgegangen. Für 2019 sagt die OECD nun einen Anstieg von 2,0 (1,8) Prozent voraus.

Konjunkturzyklus erreichte Ende 2017 Höhepunkt

Im Jahr 2017 dürfte das österreichische Bruttoinlandsprodukt (BIP) überhaupt um 3,1 Prozent gewachsen sein. „Dank eines günstigen Zusammenspiels nationaler und internationaler Einflussfaktoren erreichte das Wachstum in Österreich ein so hohes Niveau wie es seit dem kräftigen Aufschwung im Anschluss an die weltweite Finanzkrise nicht mehr verzeichnet worden war“, erklärte die OECD in ihrer am Mittwoch veröffentlichten Frühjahrsprognose. Ende 2017 scheine der Konjunkturzyklus seinen Höhepunkt erreicht zu haben, „das strukturelle Wachstum bleibt jedoch robust“.

Das Wirtschaftswachstum werde von einer starken Nachfrage im In-und Ausland getragen. Heuer stützten nach Ansicht der OECD die robuste Beschäftigung und die Lohnzuwächse den privaten Konsum.

Zu wenig Kinderbetreuung am Land

Die ÖVP/FPÖ-Regierung wird von der OECD zu einem Ausbau der Ganztagsschul- und Kinderbetreuungsplätze am Land aufgerufen. Nach wie vor gebe es derer zu wenig, was die Erwerbstätigkeit von Frauen bremse. Generell steige die Erwerbsbeteiligung, insbesondere von Frauen und Älteren. Die Arbeitslosenquote dürfte 2018 auf 5,1 Prozent und 2019 weiter auf 4,9 Prozent zurückgehen, nach 5,5 Prozent 2017.

Die Kerninflation in Österreich ist nach wie vor höher als im Euroraum, was die OECD teils auf höhere Preise in Wirtschaftsbereichen zurückführt, die mit dem boomenden Tourismus in Zusammenhang stehen. Die Teuerung dürfte heuer und nächstes Jahr weiter anziehen. Für 2018 rechnet die OECD mit einer Kerninflation (Verbraucherpreise ohne Essen, Energie, Alkohol und Zigaretten) von 2,2 Prozent, 2019 werden 2,4 Prozent erwartet, nach 2,1 Prozent im Jahr 2017. Den harmonisierten Verbraucherpreisindex sieht die OECD 2017 bei 2,2 Prozent, 2018 bei 2,1 Prozent und 2019 bei 2,3 Prozent.

Regierung soll bei Verwaltung und Staatsfirmen sparen

Die Sparquote der privaten Haushalte dürfte sich nach Schwankungen infolge der 2016 in Kraft getretenen Steuerreform stabilisieren. Dieses Jahr dürften die Haushalte 6,6 Prozent ihres verfügbaren Einkommens zur Seite legen, kommendes Jahr 6,2 Prozent, nach 6,4 Prozent im Vorjahr.

Das Staatsdefizit sinkt weniger stark als angesichts des kräftigen Wirtschaftswachstums zu erwarten wäre, bemerkt die OECD. Die Regierung solle ihre öffentlichen Ausgaben eindämmen, insbesondere soll die Verwaltung effizienter werden und bei Staatsfirmen soll weniger ausgegeben werden. Auch „Spending Reviews“, also Analysen, die zeigen, welche Aus- und Aufgaben noch zeitgemäß und nötig sind, sollen wie angekündigt stärker genutzt werden, so die OECD.

Diese Einsparungen sollten dazu dienen, die Auswirkungen der geplanten Steuerentlastungen auf das strukturelle Haushaltssaldo auszugleichen.

Die Staatsschuldenquote dürfte dank der Konjunkturbelebung und der Abwicklung der Aktiva von Bad Banks rascher sinken als die Fiskalregeln vorsehen. Die Schuldenquote nach Maastricht-Kriterien wird für 2017 bei 78,2 Prozent des BIP, für 2018 bei 76,3 Prozent und für 2019 bei 74,1 Prozent gesehen. Nach den Maastricht-Vorgaben sind maximal 60 Prozent des BIP erlaubt.

Digitale Infrastruktur soll aufgerüstet werden

Wenn die öffentlichen Ausgaben effizienter gestaltet sind, sollten die freiwerdenden Mittel in den Ausbau von Kinderbetreuungsplätzen und Ganztagsschulen gesteckt werden, so die OECD. Weiters soll die Regierung die Einführung digitaler Technologien in Unternehmen und privaten Haushalten fördern – durch die Subventionierung von Programmen für lebenslanges Lernen. Auch solle die digitale Infrastruktur aufgerüstet werden. „Durch eine rasche Umsetzung der ‚Digital Roadmap‘ Österreichs mit zeitlichen und quantitativen Zielvorgaben könnte die Akkumulation von Wissenskapital beschleunigt werden“, meint die OECD.

Weiters soll die Regierung nach Meinung der OECD Wagniskapital und andere Formen der Beteiligungsfinanzierung stärker fördern. Besonders kleine und mittlere Unternehmen (KMU) seien derzeit in erster Linie auf Bankkredite angewiesen.

Die heimische Wirtschaftstätigkeit dürfte insgesamt dynamisch bleiben. „Die Einkommen der privaten Haushalte werden weiterhin von einem robusten Beschäftigungsaufbau profitieren und das Reallohnwachstum wird ein positives Vorzeichen erhalten.“ Eine Steigerung der Exportmarktanteile würde der Investitionstätigkeit und dem Wachstum Auftrieb geben. Umgekehrt könnte die Konkurrenz aus Osteuropa die heimische Exportleistung schmälern. „Sollten die Reformanstrengungen nachlassen, könnte das Wachstum enttäuschen, dagegen könnten die Investitionstätigkeit und der Verbrauch bei anhaltend gutem Konsum und Geschäftsklima kräftiger als erwartet ausfallen.“ (APA)