Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 01.06.2018


Wirtschaftspolitik

Verein Issba sieht Standorte durch Kürzungen gefährdet

Der für Imst und Reutte zuständige Issba-Geschäftsführer Thomas Jascha sieht durch die Mindereinnahmen das ganze System in Frage gestellt.

© Agnes DornZahlreiche Solidaritätsbekundungen haben Verkaufsleiterin Ingrid Nothdurfter (l.), Marianne Starjakob von der sozialpädagogischen Beratung und Geschäftsführer Thomas Jascha bereits erhalten. Foto: Dorn



Von Agnes Dorn

Imst, Reutte – Dass ein großer Brocken der 1,5 Millionen Euro an Einsparungen für das kommende Jahr, die das AMS bei den gemeinnützigen Beschäftigungsprojekten und den sozialökonomischen Betrieben in Tirol vornehmen wird, auch den Verein Issba betrifft, schockt die Verantwortlichen sichtlich: „Das ist keine kleine Einsparung, bei der man den Mitarbeitern sagen kann: ,Das schaffen wir!‘ Da geht’s ans Eingemachte. Da geht’s um die Struktur“, zeigt sich Geschäftsführer von Issba Imst und Reutte, Thomas Jascha, besorgt über die Entwicklungen der letzten Wochen. Ihm sei bereits mitgeteilt worden, dass die auf fünf Standorte verteilten Issba-Beschäftigungsbetriebe im Außerfern und Imst mit 32 Prozent weniger AMS-Mitteln für 2019 zu rechnen haben. 344.000 Euro, die bei einem Gesamtbudget von 3,18 Millionen Euro massiv ins Gewicht fallen werden, wie Jascha befürchtet.

„Unser Ziel kann es nicht sein, zum Profitunternehmen zu werden“, sträubt er sich gegen Überlegungen der Rationalisierung. Die größten Brocken seien nun einmal die Personalkosten, die derzeit 82 Beschäftigten (53 Imst, 29 Reutte) zugutekommen. 49 dieser Stellen haben dabei als Transitarbeitsplätze, als Lehrstellen oder als geschützte Arbeitsplätze einen sozialen Hintergrund. Dass nun 30 dieser Arbeitsplätze in Imst und Reutte sowie in anderen Tiroler Betrieben weitere 78 durch die Kürzungen der AMS-Förderung akut bedroht sind, hat zu einem Aufschrei der Verantwortlichen im Verband der sozialen Unternehmen in Tirol geführt. „Die Frage ist: Wollen wir in Zukunft Menschen, die am so genannten ersten Arbeitsmarkt nicht mithalten können, etwas anbieten? Die Antwort ist eindeutig ‚Nein‘“, skizziert Jascha die politische Grundstimmung, die seiner Ansicht nach derzeit auch gesellschaftlich gut ankomme. Man vergesse, welchen ökonomischen Mehrwert Betriebe wie Issba oder die in Lienz ansässigen und ebenfalls betroffenen Vereine Sofa (dort wird komplett gestrichen) und Ospa für die Gesellschaft hätten: Immerhin würde von den Förderungen ein großer Teil als Steuermittel zurück an den Staat fließen, in Form von Lohn- und Mehrwertsteuer. Von der derzeit positiven Konjunktur würden gerade diese Menschen dagegen nicht profitieren, Einsparungen in diesem Bereich seien daher so nicht zu rechtfertigen. Durch den Transitarbeitsplatz hätten sie dagegen in diesem einen Jahr ihrer Anstellung die Möglichkeit, ihren durch die Arbeitslosigkeit geschwächten Selbstwert wieder aufzubauen und aktiv die Abwärtsspirale zu stoppen. Dass dies nachweislich funktioniere, belegen Zahlen, die Jascha vorlegt: „2017 konnten mehr als die Hälfte der vorher bei uns Beschäftigten wieder in den ersten Arbeitsmarkt vermittelt werden.“

Wenn die Einsparungen wirklich in voller Höhe zum Tragen kommen, sieht der Geschäftsführer des auf mehreren Standbeinen fußenden Vereins rot: „Die Teile agieren ja nicht alleine. Der Secondhand-Laden ist zum Beispiel vom Fuhrpark abhängig. Eingesparte Strukturen wieder neu aufzubauen, wird irrsinnig schwer werden. Und die Verbindlichkeiten, die zum Beispiel der Becherverleih das Jahr über hat, müssen punktgenau erfüllt werden.“ Wie berichtet, hofft Landesrätin Beate Palfrader zur Kompensation der AMS-Kürzungen auf mehr Landesmittel. Ob diese ausreichend sein werden, ist niemandem klar.




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