Letztes Update am Mi, 06.06.2018 13:43

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Streit um Strafzölle

EU-Kommission will ab Juli Zölle auf US-Produkte verhängen

Nachdem die USA Strafzölle auf Aluminium und Stahl auch gegen die EU verhängte, reagiert die Union. Ab Juli sollen Gegenmaßnahmen gelten.

© AFPDer Sitz der EU-Kommission.



Brüssel/Washington – Als Antwort auf die von den USA verhängten Zölle auf Einfuhren von Stahl und Aluminium plant die EU-Kommission, ab Juli Gegenzölle zu erheben. Bis Ende Juni soll eine Einigung mit den Mitgliedstaaten erzielt werden, „so dass die neuen Zölle ab Juli gelten“, sagte Kommissionsvizepräsident Maros Sefcovic am Mittwoch in Brüssel.

Die EU hatte zu diesem Zweck bereits vor Wochen eine Liste mit US-Waren erstellt.

„Die Anwendung der Ausgleichszölle steht voll im Einklang mit den WTO-Regeln“, betonte Sefcovic. Es handle sich um eine „maßvolle und sinnvolle Antwort auf die unilaterale und illegale Entscheidung der USA“.

Whisky. Erdnussbutter und Harley auf Liste

Die Liste von US-Waren umfasst neben Stahlprodukten auch Bourbon-Whiskey, Erdnussbutter, Harley-Davidson-Motorräder und Levi‘s-Jeans. Insgesamt wären Waren im Wert von 2,8 Mrd. Euro von den Ausgleichszöllen der EU betroffen.

Die USA erheben seit dem 1. Juni 25 Prozent Zoll auf Stahl- sowie zehn Prozent auf Aluminium-Importe. US-Präsident Donald Trump lässt zudem inzwischen auch Zölle auf europäische Autos und Autoteile offiziell prüfen. Dies würde vor allem deutsche Hersteller treffen. Sie haben 2017 fast eine halbe Million Fahrzeuge in die USA exportiert.

EU will keinen Handelskrieg

Aus Kreisen der EU-Kommission wird bekräftigt, dass man mit den angekündigten Gegenzöllen keinen Handelskrieg anstrebe, sondern lediglich die US-Maßnahmen ausgleichen wolle. Eskaliert der Streit und die USA würden etwa Zölle auf Autos einheben, würde das die österreichische Wirtschaft hart treffen und tausende Jobs in der Zulieferindustrie kosten, so EU-Vertreter am Mittwoch in Wien.

Gäbe es ein „TTIP light“ – die Gespräche zum ursprünglich geplanten US-EU-Freihandelsabkommen TTIP (Transatlantic Trade and Investment Partnership) liegen momentan auf Eis – wäre das Risiko für andere Wirtschaftszweige weit geringer. Für die Kommission wäre eine abgespeckte Version des Freihandelsabkommens TTIP deshalb jedenfalls wünschenswert, jedoch seien die USA momentan kein verlässlicher Verhandlungspartner.


Mehr Artikel aus dieser Kategorie

Löhne
Löhne

Metaller-KV: Keine Einigung, Gewerkschaft will Druck verstärken

Während die Gewerkschaft fünf Prozent mehr Lohn und Gehalt fordert, liege das Gegenangebot der Arbeitgeber für Lohn- und Gehaltserhöhungen bei mageren 2,02 P ...

Gipfel in Brüssel
Gipfel in Brüssel

EU-Asien-Gipfel als Zeichen gegen Trump und für „fairen Freihandel“

Die EU will gemeinsam mit China, Russland, Japan, Australien und weiteren asiatischen Staaten ein Gegengewicht zum Protektionismus der USA erhalten. Höhepunk ...

Klage
Klage

Systematisch Verkäufer abgeworben: Ebay verklagt Amazon

Ab 2015 haben laut Anklageschrift Dutzende von Amazon-Vertretern Ebay-Konten eröffnet und versucht, über das E-Mail-System für Mitglieder des Internethandels ...

Soziale Netzwerke
Soziale Netzwerke

US-Staatsfonds fordern Ablösung von Zuckerberg als Aufsichtsratschef

Die Chefs der Investmentfonds der Bundesstaaten Illinois, New York, Pennsylvania und Rhode Island erklärten, durch die Einsetzung eines unabhängigen Aufsicht ...

Breakthrough Energy Europe
Breakthrough Energy Europe

Bill Gates und EU legen Fonds für erneuerbare Energien auf

Der Investitionstopf soll Umfang von 100 Millionen Euro haben. Der Fonds soll europäische Unternehmen dabei unterstützen, neue Technologien zu „entwickeln un ...

Weitere Artikel aus der Kategorie »