Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 30.06.2018


Wirtschaftspolitik

„L’amour-Hatscher statt Rock’n’Roll“ bei Wachstum

Die Wirtschaft könnte laut Wifo und IHS heuer noch stärker wachsen als im vergangenen Jahr. 2019 soll sich die Konjunktur etwas abkühlen.

© APA/HELMUT FOHRINGER



Wien — Die österreichische Konjunktur wechselt gerade „vom Rock'n'Roll zum L'amour-Hatscher", erklärte IHS-Chef Martin Kocher gestern die bevorstehende Abschwächung des heimischen Wirtschaftswachstums etwas blumig. Derzeit läuft die Konjunktur jedenfalls noch „hervorragend", sagte Kocher. Die Wirtschaftsforscher des IHS gehen heuer von einem Wirtschaftswachstum von 2,9 Prozent aus. Optimistischer sind Ökonomen des Wifo. Sie erwarten für heuer ein Wachstum von 3,2 Prozent, nach 3,0 Prozent im Jahr 2017. Beide Institute gehen jedoch bei der gemeinsamen Präsentation ihrer Konjunkturprognosen von einer Abkühlung der Konjunktur in der zweiten Jahreshälfte aus.

Das IHS erwartet für das kommende Jahr mit 1,7 Prozent ein deutlich geringeres Wachstum, das Wifo ist mit plus 2,2 Prozent auch hier positiver gestimmt. Das geringere Wachstum des Bruttoinlandsproduktes im Jahr 2019 sei jedoch ein Grund zur Beunruhigung. „Das Wachstum 2019 ist immer noch über dem Durchschnitt der vergangenen Jahre seit der Finanzkrise", sagte Kocher. Wifo-Chef Christoph Badelt glaubt „nicht, dass wir schon bei einem L'amour-Hatscher sind, der eher erst um vier Uhr in der Früh kommt. Einigen wir uns auf einen langsamen Walzer."

Getragen wird die Expansion von der Binnennachfrage und dem Außenhandel, auch wenn dieser etwas an Dynamik verliert — entsprechend der Wirtschaftsentwicklung in Eurozone und EU. „Handelspolitische Risiken belasten die Konjunktur zusätzlich", erklärte das IHS und nannte als „merklich abwärtsgerichtete Prognoserisiken" neben protektionistischen Tendenzen auch die Ausgestaltung des Brexit. Auch das Wifo sieht „erhöhte Unsicherheiten über die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen im Ausland" und dadurch mehr Abwärtsrisiken als noch im März.

Der Arbeitsmarkt dürfte sich laut den Prognosen der Wirtschaftsforscher weiter erholen. Die Arbeitslosenrate nach nationaler Definition sieht das Wifo von 8,5 Prozent 2017 auf heuer 7,6 und 2019 auf 7,2 Prozent sinken, das IHS erwartet für 2018/19 Rückgänge auf 7,7 bzw. 7,5 Prozent. Der verhaltene Rückgang der Arbeitslosigkeit sei auf den weiter starken Anstieg des Arbeitskräfteangebots zurückzuführen.

Beide Institute forderten die Regierung erneut auf, die gute Konjunktur für notwendige Reformen zu nutzen. (ecke)

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