Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 06.07.2018


Wirtschaftspolitik

EU-Kommission will 100 Mrd. Euro für Forschung und Innovation

Jean-Eric Paquet, Generaldirektor für Forschung und Innovation in der EU-Kommission, präsentierte gestern in Innsbruck das neue EU-Förderprogramm „Horizon Europe“.

© Jakob KathreinEin Fokus von Horizon Europe ist Forschung rund um gesellschaftliche Probleme wie Krebserkrankungen. Foto: APA



Von Hugo Müllner

Innsbruck – Während sich das EU-Förderprogramm „Horizon 2020“ auf der Zielgeraden befindet, laufen derzeit die Vorbereitungen für das neue Programm „Horizon Europe“ auf Hochtouren. Im Zuge der österreichischen Ratspräsidentschaft präsentierte der in der EU-Kommission für Forschung und Innovation zuständige Generaldirektor Jean-Eric Paquet gestern in Innsbruck die zentralen Eckpunkte des Förderprogramms, das nach den Plänen der EU-Kommission auf 100 Mrd. Euro aufgestockt werden soll. Dieses soll während der österreichischen Ratspräsidentschaft in den nächsten sechs Monaten wesentlich verhandelt werden.

Horizon Europe gliedert sich in drei Säulen: offene Wissenschaft, globale Herausforderungen und industrielle Wettbewerbsfähigkeit sowie offene Innovation. Die erste Säule umfasst die stärkere Finanzierung von Grundlagenforschung und Zuschüssen für Forschungsmobilität und -infrastruktur. Die zweite Säule gruppiert Forschung in fünf Cluster: Gesundheit; sichere Gesellschaft; Digitalisierung und Industrie; Klima, Energie und Mobilität; natürliche Ressourcen. Die dritte Säule soll die Innovationsleistung Europas steigern. „Dazu müssen aber der EU-Haushalt flexibler, die Teilnahme an EU-Förderprogrammen einfacher und der Verwaltungsaufwand für Behörden und Fördernehmer deutlich verringert werden“, nennt Paquet ein weiteres Ziel von Horizon Europe. Aber auch die Vorschriften über staatliche Beihilfen sollen vereinfacht werden, damit Instrumente aus dem EU-Haushalt und nationale Fördermittel leichter kombiniert werden können, so Paquet.

Der Grundgedanke auf dem „Horizon Europe“ fußt, ist, die globale Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. Denn aktuell entfallen auf Europa, das sieben Prozent der Weltbevölkerung ausmacht, 20 Prozent der globalen Ausgaben für Forschung und Innovation und ein Drittel der weltweiten wissenschaftlichen Publikationen. Trotzdem laufe Europa Gefahr, von Ländern wie den USA oder China bei der Entwicklung marktfähiger Produkte und Dienstleistungen abgehängt zu werden. Um dies zu ändern hat Horizon Europe auch den Grundsatz einer „offenen Wissenschaft“ als „Modus Operandi“ definiert. Das bedeutet, Forschungsergebnisse geförderter Projekte sollen verstärkt der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, um so zusätzlich Produktentwicklungen anzustoßen. Eine Fördervoraussetzung, die unter anderem in Tirol bereits im Regierungsprogramm vorgesehen ist. Dazu schrieb die Kommission in einer Aussendung, dass jeder in „Horizon Europe“ investierte Euro über 25 Jahre potenziell eine Rendite von bis zu elf Euro innerhalb des Bruttoinlandsproduktes (BIP) erzielen könne. Zudem erwartet die Kommission, dass durch die Investitionen in Forschung und Innovation innerhalb der Laufzeit von Horizon Europe bis zu 100.000 zusätzliche Arbeitsplätze generiert werden.

Insgesamt soll laut EU-Kommission besonders die Förderung für Regionen gestärkt werden. Hier ist in Tirol die Standortagentur bereits jetzt involviert und bereitet sich im Auftrag des Landes Tirol auf Horizon Europe vor. Neben Beratung zu landeseigenen Förderprogrammen soll die Standortagentur Tirol Unternehmen dabei verstärkt unterstützen, EU-, aber auch Bundesförderungen zu erlangen. Aus dem laufenden Forschungsförderprogramm „Horizon 2020“ der EU haben Tiroler Unternehmen seit 2014 rund 40 Mio. Euro an Förderungen abgeholt. Damit rangiert Tirol im Bundesländervergleich auf Platz fünf. „Tirol hat hier sicher noch Luft nach oben“, betont Tirols Wirtschaftslandesrätin Patrizia Zoller-Frischauf (ÖVP).

Auf Landesebene sollen daher eine Reihe von Maßnahmen getroffen werden. Als ein Ziel nennt die Wirtschaftslandesrätin – neben der mit 150 Mio. Euro dotierten „Digitalisierungsoffensive, die unter anderem die Chancengleichheit bei der wirtschaftlichen Entwicklung der Regionen sicherstellen soll –, dass über die vom Land kofinanzierte Initiative „Startup.Tirol“ bis 2022 mindesten 35 Unternehmensgründungen aus dem Hochschulbereich hervorgehen und Entrepreneurship-Lehrgänge an den Hochschulen implementiert werden.

Fördergelder allein würden aber noch keine Produkte und Arbeitsplätze bringen. „Wir müssen künftig mehr aus diesem Geld herausholen, also schneller und mehr Produkte auf den internationalen Markt bringen“, betont Zoller-Frischauf. Zudem müssen regionale, nationale und EU-Initiativen zur Stärkung von Innovationsarbeit besser aufeinander abgestimmt werden.