Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 23.07.2018


Wirtschaftspolitik

Brüssel prüft Strafzölle von 255 Mrd. Euro

Die EU hat Maßnahmen in der Schublade, sollte US-Präsident Trump den Handelsstreit mit Strafzöllen auf Autos verschärfen.

© X00458Auch US-Handys könnten Ziel von Gegenzöllen sein.Foto: Reuters



Brüssel – Die EU könnte mit zusätzlichen Zöllen unter anderem auf Soja, Mandeln, Erdnüsse, Wein, Parfüm, Holz­pellets oder Telefone aus den USA antworten, sollte US-Präsident Donald Trump seine Drohung von Strafzöllen auf Autos wahrmachen. Das berichtete die Bild am Sonntag. Die Liste möglicher Produkte ist demnach 50 Seiten lang. Insgesamt gehe es um Importe im Umfang von 300 Milliarden Dollar (255 Mrd. Euro).

Allerdings gibt es vor dem USA-Besuch von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und Handelskommissarin Cecilia Malmström an diesem Mittwoch noch Hoffnung auf Lösungen am Verhandlungstisch. Die EU verfolgt dabei der Zeitung zufolge eine Doppelstrategie: Sie will in Washington anbieten, dass beide Seiten bestehende Zölle auf bestimmte Waren senken. Sollte Trump den Handelskonflikt aber eskalieren, werde es harte Vergeltungsmaßnahmen geben. Welche US-Waren tatsächlich betroffen sein könnten, werde derzeit unter den EU-Mitgliedsländern abgestimmt.

US-Finanzminister Steve Mnuchin hatte beim Treffen der G20-Finanzminister in Buenos Aires in Argentinien Verhandlungsbereitschaft signalisiert. „Wir würden ein Handelsabkommen akzeptieren, frei, ohne Zölle“, betonte er. „Unser Ziel ist ein freier, offener und ausgeglichener Handel.“ Mit Blick auf die US-Reise von Juncker und Malmström sagte Mnuchin: „Wir freuen uns auf ein Angebot.“

Ohne Aufhebung der US-Einfuhrzölle auf Aluminium und Stahl kann es laut dem französischen Finanzminister Bruno Le Maire aber kein­e Verhandlungen mit der EU über ein Handelsabkommen geben. Darin seien sich Frankreich und Deutschland einig, sagte Le Maire.

Tatsächlich zeigt eine Analyse des Internationalen Währungsfonds (IWF), dass ausgerechnet die US-Wirtschaft wegen drohender Strafzölle in zahlreichen Ländern der größt­e Verlierer im Handelsstreit sein könnte. Letztlich würde aber die ganze Welt unter einem Zoll-Wettrüsten leiden. Im schlechtesten Fall könnte die weltweite Wirtschaftsleistung im Jahr 2020 um 0,5 % oder 430 Mrd. US-Dollar (368,47 Mrd. Euro) niedriger liegen als bisher erwartet, schätzt der IWF. (dpa, Reuters


Mehr Artikel aus dieser Kategorie

Löhne
Löhne

Metaller-KV: Keine Einigung, Gewerkschaft will Druck verstärken

Während die Gewerkschaft fünf Prozent mehr Lohn und Gehalt fordert, liege das Gegenangebot der Arbeitgeber für Lohn- und Gehaltserhöhungen bei mageren 2,02 P ...

Gipfel in Brüssel
Gipfel in Brüssel

EU-Asien-Gipfel als Zeichen gegen Trump und für „fairen Freihandel“

Die EU will gemeinsam mit China, Russland, Japan, Australien und weiteren asiatischen Staaten ein Gegengewicht zum Protektionismus der USA erhalten. Höhepunk ...

Klage
Klage

Systematisch Verkäufer abgeworben: Ebay verklagt Amazon

Ab 2015 haben laut Anklageschrift Dutzende von Amazon-Vertretern Ebay-Konten eröffnet und versucht, über das E-Mail-System für Mitglieder des Internethandels ...

Soziale Netzwerke
Soziale Netzwerke

US-Staatsfonds fordern Ablösung von Zuckerberg als Aufsichtsratschef

Die Chefs der Investmentfonds der Bundesstaaten Illinois, New York, Pennsylvania und Rhode Island erklärten, durch die Einsetzung eines unabhängigen Aufsicht ...

Breakthrough Energy Europe
Breakthrough Energy Europe

Bill Gates und EU legen Fonds für erneuerbare Energien auf

Der Investitionstopf soll Umfang von 100 Millionen Euro haben. Der Fonds soll europäische Unternehmen dabei unterstützen, neue Technologien zu „entwickeln un ...

Weitere Artikel aus der Kategorie »