Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 24.07.2018


Exklusiv

ÖGB will Vier-Tage-Woche bei 12-Stunden-Tag

Tirols ÖGB-Chef Philip Wohlgemuth stellt sich auf eine harte Herbstlohnrunde ein. Im Sommer seien Aktionen geplant, am 18. September werden alle Kollektivvertragsverhandler auf den „heißen Herbst“ eingeschworen.

© APAAm 30. Juni hatte der ÖGB zu einer Demonstration gegen den 12-Stunden-Tag aufgerufen.Foto: APA/Punz



Von Verena Langegger

Innsbruck – Der österreichische Gewerkschaftsbund gibt sich kampfbereit. „Die Grauslichkeiten müssen bekämpft werden“, sagt Tirols Gewerkschaftsbund-Chef Philip Wohlgemuth. Er bleibt trotzdem realistisch. Der 12-Stunden-Tag sei beschlossen, „wir sind aber trotzdem weiterhin dagegen“. Jetzt müsse politisch gedacht werden, bekämpft werden müsse nun die 60-Stunden-Woche. Die Forderungen des ÖGB sind klar: „Wir wollen eine 36-Stunden-Woche, also eine 4-Tage-Woche oder eine sechste Urlaubswoche.“ ÖGB-Chef Wolfgang Katzian fordert „Spielregeln“, die eingehalten werden. Das neue Arbeitszeitgesetz erlaube Unternehmern 12-Stunden-Tage ohne Mitsprache der Belegschaften zu verhängen, Betriebsvereinbarungen seien nicht mehr nötig, jeder Arbeitgeber könne tun, wie es gerade passe.

Das Gesetz garantiere den Arbeitnehmern zwar die freie Wahl, ob sie für Überstunden Geld oder Freizeit wollen. „Das heißt aber nicht, dass die Leute die Freizeit dann nehmen können, wann sie wollen: Von einem Selbstbestimmungsrecht ist im Gesetz keine Rede“, so der ÖGB-Chef. Erst wenn es dieses gäbe, wäre das eine positive Flexibilisierung, die sich die Menschen wünschten.

Für den 18. September ist daher eine österreichweite Veranstaltung geplant, es soll eine Konferenz aller Kollektivvertragsverhandler aller Gewerkschaften geben. Bei dieser Konferenz werde die gemeinsame Linie in den Kollektivvertragsverhandlungen festgelegt. „Das Ziel sind jedenfalls gute Lohnabschlüsse“, sagt Wohlgemuth. Er spricht sich zudem für eine Rückkehr an den Verhandlungstisch aus. „Wir wollen mit den Bestellern dieses Gesetzes (Anm.: den Unternehmern) über unsere Bedenken reden.“ Die Sozialpartnerschaft habe jahrzehntelang durch Gespräche für sozialen Frieden gesorgt, Wohlgemuth setzt auch weiterhin auf die Verhandlungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern.

Kritik an der Sozialpartnerschaft, etwa von der Industriellenvereinigung (IV), sei für ihn nicht relevant. Kurz vor der Regierungsbildung im Herbst 2017 hatte der Präsident der Industriellenvereinigung, Georg Kapsch, seine Wünsche an die künftige Regierung kundgetan und davon gesprochen, dass die Sozialpartnerschaft sich überlebt hätte.

Dieser Meinung ist Wohlgemuth naturgemäß nicht. Zudem habe die IV ohnehin nie zur Sozialpartnerschaft gehört. „Die Sozialpartnerschaft hat weiterhin ihre Berechtigung“, sagt der Tiroler. In Tirol sei das Modell auch durchaus erfolgreich. Besonders im Oberland bringe der ÖGB Maßnahmen auf den Weg. So fordert der ÖGB eine aktive Arbeitsmarktpolitik und eine Erweiterung des Branchenmix, um zusätzliche Arbeitsplätze zu schaffen. Bis zum Herbst plant die Gewerkschaft jedenfalls „Nadelstiche“, welche Aktionen das sein sollen, will Wohlgemuth nicht verraten. „Ausgeschlossen wird aber nichts, von Gesprächen bis zum Arbeitskampf“, sagt er. Ein Gespräch mit Bundespräsident Alexander Van der Bellen sei jedenfalls fix eingeplant. Dieser hat den Gewerkschaften beim ÖGB-Bundeskongress bereits den Rücken gestärkt.


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