Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 06.08.2018


Wirtschaftspolitik

Wenig Freude mit US-Soja- und -Gas

US-Gensoja-Sorten, teilweise ohne Zulassung für den EU-Markt — Umweltschützer fürchten steigenden Druck auf strenge Gentechnik-Richtlinie der EU. Die EU will flüssiges Erdgas aus den USA importieren. Dieses ist nicht nur teurer als russisches Gas, sondern auch besonders umweltschädlich, sagen Kritiker.

© iStockphotoSojabohnen erfreuen sich als Tofu wachsender Beliebtheit.



Von Stefan Eckerieder

Wien — Die Einigung der EU mit den USA im Handelsstreit vor rund einer Woche wird auf beiden Seiten als Erfolg gefeiert. Die vereinbarten Importe von US-Sojaprodukten sorgen weiter großteils für Verwunderung, bei Umweltschützern für Ärger.

In den USA wird zu 94 Prozent gentechnisch verändertes Soja hergestellt. Bislang ist aber noch unklar, ob die US-Sojasorten eine Zulassung für die EU haben. „Jede Sorte braucht eine eigene Zulassung. Diese Zulassungen kann man ja nicht willkürlich ausbauen", sagt Heidemarie Porstner, Landwirtschafts-Expertin von der Umweltschutzorganisation Global 2000. Die Zulassungsverfahren sind teils langwierig, wenngleich Futtermittel, für die Soja überwiegend verwendet wird, rascher eine Genehmigung erhalten als Lebensmittel.

Die Umweltschützerin befürchtet, dass bei einer Wiederaufnahme der Verhandlungen um ein Freihandelsabkommen mit den USA der Druck größer wird, die strengen Gentechnikverordnungen der EU zu lockern. Was auch Auswirkungen auf das strenge österreichische Gentechnikgesetz samt Anbau- und Verkaufsverbot haben könnte. In den USA wird der Anbau von gentechnisch veränderten Lebensmitteln lockerer gehandhabt als in der EU.

Der Gastransport per Pipeline gilt als umweltschonender.
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Die Zunahme von Gensoja-Importen würde laut Porstner zudem dem EU-weiten Trend zu gentechnikfreien Produkten widersprechen. „Österreich ist mit seinem Gentechnik-frei-Label Vorreiter. Andere Länder haben mittlerweile auch solche Labels eingeführt", sagt Porstner. Der Sojaanbau in der EU wächst. Österreich ist bereits fünftgrößter Sojabohnenproduzent der EU, und das ausschließlich frei von Gentechnik. Dennoch wird auch gentechnikfreier Soja zugekauft, hauptsächlich aus Brasilien. Die Befürchtung ist, dass eine Veränderung der Handelsströme auch auf Kosten der gentechnikfreien Importe gehen könnte.

Doch bislang wird in der EU weiter Soja in Südamerika eingekauft. „Eine Veränderung der Handelsströme liegt an den Lieferanten und nicht an der EU", heißt es aus der Landwirtschaftskammer. Und die Lieferanten würden bei ihren Einkäufen nach dem Preis gehen. Zumindest eine Konkurrenz für österreichischen Soja sei US-Soja wegen der steigenden Nachfrage nach gentechnikfreiem Soja nicht.

Im Alleingang hatte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker (er sprach später von einer „Eingebung") mit US-Präsident Donald Trump vereinbart, den USA Soja abzunehmen. Nach Strafzöllen gegen China hat das kommunistische Land unter anderem US-Soja mit Zöllen belegt, woraufhin US-Bauern auf Soja im Wert von Milliarden Dollar sitzen blieben.

Warnung vor Erdgas-Importplänen der EU

Eine Kooperation zwischen der EU und den USA soll den Amerikanern zusätzliche Gasexporte nach Europa ermöglichen. Doch Europa ist gut mit Erdgas versorgt. Und als Treibstoff für Schiffe und Lkw hat sich verflüssigtes Erdgas noch nicht durchgesetzt. US-Gas ist nicht nur viel zu teuer im Vergleich zum russischen Erdgas, das in die EU eingeführt wird, sondern auch „die Gasform mit den höchsten Umweltschäden", warnt Johannes Wahlmüller, Energieexperte von Global 2000.

Zwischen den USA und der EU geht es um LNG (Liquefied Natural Gas). Das ist Erdgas, das bei Temperaturen von minus 162 Grad Celsius verflüssigt wird und damit einen Großteil seines Volumens verliert. Es kann dann mit Spezialtankern transportiert und am Zielort wieder in den gasförmigen Zustand umgewandelt oder direkt als Treibstoff und Energieträger eingesetzt werden.

Es gehe wohl hauptsächlich um Schiefergasimporte, sagt Wahlmüller. Dieses werde unter Inkaufnahme von großen Umweltschäden gefördert. Dazu komme noch der Transport mittels Frachtschiffen, der zusätzlich eine Belastung für das Klima darstelle. „Der Schiffsverkehr ist klimaschädlicher als manchmal dargestellt. Diese fahren mit Schweröl und verursachen große Umweltschäden an den Schiffsrouten", betont der Umweltschützer. Der Import von flüssigem Erdgas aus den USA „widerspricht ganz klar den Klimazielen der EU", ergänzt Wahlmüller, der stattdessen anregt, das Geld, das für den Bau der Infrastruktur für Erdgashäfen eingesetzt werde, in den Ausbau erneuerbarer Energien und Energieeffizienz zu investieren. „Die klügere Strategie wäre es, Energie etwa durch das Dämmen von älteren Gebäuden einzusparen. Zudem sind die Potenziale an erneuerbaren Energien in Europa hoch."

Doch LNG-Gas wird auch als potenzieller Verbesserer der Klimabilanz von Schiffen gesehen. LNG kann auch direkt als Kraftstoff für Schiffe und schwere Lkw eingesetzt werden. Zumindest neue Kreuzfahrtschiffe können mit LNG fahren, auch einige Fähren. Und die ersten Containerriesen mit LNG-Antrieb sind in Auftrag gegeben. Auch die Abhängigkeit von russischem Gas wird immer wieder als Argument für US-Gas angeführt.

OMV-Chef Rainer Seele hält offensichtlich wenig davon, dass Europa künftig mehr amerikanisches Flüssig-Erdgas (LNG) kaufen soll. „Welches Gas gekauft wird, entscheidet letztendlich der Markt und nicht die Politik", sagte Seele kürzlich bei der Präsentation der OMV-Halbjahreszahlen. „Die Verbraucher sind nicht gewillt, einen höheren Preis zu zahlen, weil das Gas mit einem Schiff über den Atlantik gefahren wird", so Seele.




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