Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 10.08.2018


Wirtschaftspolitik

Autohandel blitzt bei Regierung ab

Weil neue Abgastests die NoVA und damit Autos verteuern könnten, rufen Händler nach dem Staat. Bund winkt ab: Vorschlag „sonderbar“.

© APADie Abgastests nach dem neuen Verfahren dürften die NoVA verteuern. In welcher Höhe konkret, lässt sich noch nicht genau sagen.Foto: APA/Fohringer



Wien, Innsbruck – Ab 1. September werden Abgastests bei Neuwagen nach einem neuen Testverfahren gemessen. Das ist eine Folge des Abgasskandals, denn der neue Test soll realistischere Werte darstellen. In der Regel ergibt das neue Verfahren einen um rund ein Fünftel höheren CO2-Wert. Dadurch würde sich auch die beim Neuwagenkauf fällige Normverbrauchsabgabe ­(NoVA) drastisch erhöhen, weil diese nach dem CO2-Ausstoß berechnet wird. Allerdings: Bis Ende 2019 werden die Ergebnisse des neuen Abgastests für die Berechnung der ­NoVA noch auf das alte Testsystem „zurückgerechnet“. Damit sollte die NoVA-Teuerung nicht sofort in vollem Umfang durchschlagen.

Ohne Rückrechnung auf das alte Verfahren würde die NoVA im Schnitt um 10 bis 15 % steigen, rechnet Tirols Autohandels-Obmann Dieter Unterberger vor. Mit der Rückrechnung ist es aber noch unklar, in welcher Höhe die ­NoVA ab 1. September tatsächlich wächst. „Man kann lediglich sagen, dass die NoVA im Schnitt steigen wird, und bei einigen Modellen massiv. Es gibt aber keine fundierten Werte, weil der neue Testzyklus die Hersteller vor massive Probleme stellt“, sagt er. Und zwar deshalb, weil Autobauer beispielsweise für jede Sonderausstattung einen neuen Abgaswert darstellen müssen – und das wiederum in allen Motorvarianten. „Für Kunden bedeutet das auch, dass die Hersteller viele Modelle gar nicht mehr auf Markt bringen können“, so Unterberger.

Wiens Autohandels-Obmann Burkhard Ernst hat gestern Kompensationszahlungen vom Staat gefordert, weil Abgastests zu einem Anstieg der NoVA und zu höheren Autopreisen führen würden. Konkret sollten Autokäufer einen staatlich geförderten Bonus in der Höhe von 1500 Euro bekommen, wenn sie ein neues Fahrzeug kaufen und einen alten Pkw mit schlechterer Abgasnorm zurückgeben. Im Finanzministerium kann man dem Vorschlag nichts abgewinnen. „Dass ausgerechnet die Branche, die Kunden strukturiert in die Irre geführt und zulasten der Umwelt gewirtschaftet hat, jetzt an den Staat appelliert, ist sonderbar“, hieß es in einer Stellungnahme.

Tirols Gremialobmann Unterberger unterstütze eine Staatsprämie „zu 100 Prozent“. Unterberger: „Die Argumente dagegen sind mir schon klar. Doch schaut man nach hinten und bestraft oder schaut man nach vorne und sagt: Es gibt Personen, die auf Individualverkehr angewiesen sind, immer noch mit alten Euro-3-Autos fahren und sich kein neues Autos leisten können.“

Bis Ende 2019 werde das NoVA-Gesetz dann ohnehin neu verhandelt werden müssen. Unterberger: „Das wird spannend. Denn das Thema NoVA muss neu angegangen werden.“ (mas, APA)


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