Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 09.09.2018


Wirtschaftspolitik

„Grundstückspreise schnellen wie bei Auktionen nach oben“

Alexander Wolf, Zima-Geschäftsführer in Tirol, ist gegen überzogene Zwangsmaßnahmen zur Baulandmobilisierung.

© TT/Julia HammerleAlexander Wolf, Geschäftsführer der Zima in Tirol, glaubt, dass das Angebot den Preis regelt.Foto: Hammerle



Wie hat sich der Projektentwickler Zima in Tirol seit dem Jahr 2014 entwickelt?

Alexander Wolf: Damals haben wir uns entschie-den, in Tirol breiter aufzustellen — nicht nur Projekte in Innsbruck und Umgebung zu verwirklichen, sondern auch stärker in die Bezirke zu gehen. Inzwischen haben wir im Unterland und auch im Oberland wieder verstärkt akquiriert.

Was war der Grund dafür?

Wolf: Der Markt in Innsbruck ist sehr heiß geworden. Grundstücke sind in und um die Landeshauptstadt äußerst knapp.

Wo liegen die Grundstückspreise in Innsbruck?

Wolf: Unter 1500 Euro/m² ist kein Grundstück mehr zu kriegen. Wenn es sich um ein gewidmetes handelt und ein Bebauungsplan dafür vorliegt, dann geht der Quadratmeterpreis wie vor Kurzem sogar Richtung 5000 Euro.

Was hat das für Konsequenzen für einen Bauträger wie die Zima?

Wolf: Wir müssen dieses Geld verdienen beziehungsweise die Grundstückskosten durchreichen. Unsere Marge ist im Verhältnis zum Projektvolumen die gleiche wie vor 15 Jahren. Der Anstieg der Grundkosten spiegelt sich daher in den Wohnungspreisen und in weiterer Folge in den Mieten wider.

Wer kann sich das noch leisten?

Wolf: Im Jahr 2014 lag der Durchschnittsquadratmeterpreis bei 4200 Euro für Wohnungen in Innsbruck. Mittlerweile sind wir bei 5500 bis 6000 Euro angelangt. Doch wenn wir mit solchen Preisen kalkulieren, dann tun wir uns trotzdem sehr schwer, überhaupt ein Grundstück zu bekommen. Es gibt Marktbegleiter, die noch höhere Preise einkalkulieren. Das heizt den Markt spürbar an. Hinzu kommt eine Schwemme von neuen Bauträgern, auch Rechtsanwälte und Architekten drängen in das Geschäft. Jeder glaubt, in der Immobilienbranche ist das große Geld zu holen. Es bemühen sich um den stagnierenden Grundstückskuchen immer mehr. Daher schnellen die Grundstückspreise wie bei Auktionen nach oben.

Das kann ja nicht ewig so weitergehen. Wird es Regeln brauchen, um Wohnen für die breite Bevölkerung leistbar zu halten beziehungsweise zu machen?

Wolf: Ja, zum richtigen Zeitpunkt und mit Augenmaß. In Innsbruck scheint das aber nicht möglich zu sein. Ich sage seit Jahren, Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis. Mit einem entsprechenden Angebot kann ich den Preis kontrollieren. Wie das geht, zeigen uns die Scheichs jeden Tag an der Tankstelle. Mit den von Politikern vorgeschlagenen und überzogenen Zwangsmaßnahmen wird nur noch mehr Druck aufgebaut, aber am Ende des Tages kein Bauland mobilisiert.

Man kann die Versäumnisse der Vergangenheit nicht aufholen. In den begehrten Landgemeinden haben wir schon gezeigt, wie es gehen könnte: Es wird ein ausgewogener Anteil sozialer Wohnbau vereinbart, besonders geförderter Eigentumswohnbau. Die geförderten Wohnungen können wir mit freifinanziertem Wohnbau finanzieren und der Grundbesitzer bekommt noch einen angemessenen Preis, damit ein Grundstück dann überhaupt auf den Markt kommt. Positiver Nebeneffekt ist eine soziale Durchmischung und keine Abgrenzung. Ich rate, nicht immer nur schwarz oder weiß zu denken. Es muss und es kann nachgewiesenerweise beides funktionieren. Weiters frage ich mich: Muss es jedermann ermöglicht werden, in Innsbruck zu wohnen? Der öffentliche Verkehr erschließt die Inntalfurche ausgezeichnet und im Unterland oder Oberland sind die Wohnungen noch um bis zu 50 Prozent günstiger als in Innsbruck. Und noch eine Bitte an die Politik: Vergessen Sie bitte nicht die notwendigen Gewerbegrundstücke für unsere Unternehmen! Es müssen die Leute auch beschäftigt werden, damit Steuern in die Kassen kommen.


Mehr Artikel aus dieser Kategorie

Wirtschaftskammer Tirol
Wirtschaftskammer Tirol

Lobeshymnen und Auszeichnungen zum Abschied Bodenseers

Jürgen Bodenseer wurde mit allen Ehren als Tiroler Wirtschaftskammerpräsident verabschiedet. Christoph Walser tritt die Nachfolge mit „viel Elan“ an.

KV-Verhandlungen
KV-Verhandlungen

Metaller-Protestaktionen finden in Tirol wie geplant statt

Am Donnerstag werden die Kollektivvertragsverhandlungen der Metaller fortgesetzt. Die für Mittwoch angesetzten Protestmaßnahmen in Tirol finden statt.

Umweltpolitik
Umweltpolitik

Lkw-Bauer in Aufruhr: Sorge vor CO2-Plänen der EU

Klimaschutz oder Arbeitsplätze? Die EU-Pläne für den CO2-Ausstoß von Lastwagen sind ehrgeizig. Ein Spiel mit dem Schicksal Zehntausender Arbeitnehmer, sagen ...

Exklusiv
Exklusiv

Kammer-Musik mit neuem Dirigenten: Walser und Bodenseer im Interview

Jürgen Bodenseer (71) verlässt heute nach 30 Jahren die wirtschaftspolitische Bühne im Land und möchte künftig kein Zwischenrufer in der Alltagspolitik sein. ...

Statistik Austria
Statistik Austria

Österreicher im EU-Vergleich sehr zufrieden

Die Lebenszufriedenheit bleibt in Österreich konstant hoch, knappe 38 Prozent der Bevölkerung bezeichnen sich als sehr zufrieden. Der EU-Wert liegt bei 21,6 ...

Weitere Artikel aus der Kategorie »