Letztes Update am Mi, 05.09.2018 15:36

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Projekt Seidenstraße

Spediteure kritisieren BBT, Platter sieht „Affront“

Laut Zentralverband Spedition & Logistik fehlt ein Konzept für das weltweit größte Infrastrukturprojekt – die Seidenstraße. Tirols Landeshauptmann Platter ortet einen „Affront“.

© BBTSymbolfoto.



Wien, Berlin – Der Zentralverband Spedition & Logistik fordert von der österreichischen Regierung und der EU mehr Initiative bei der Seidenstraße, die gerade zwischen China und Osteuropa errichtet wird und ihren Endpunkt in Ostösterreich haben könnte. Es fehle ein Konzept für das weltweit größte Infrastrukturprojekt.

Dabei koste die Seidenstraße Österreich weit weniger als der im Bau befindliche Brenner-Basistunnel, der nach der Fertigstellung keine Wertschöpfung für das Land bringe, da es ein reines Transitprojekt sei, so Verbandsobmann Wolfram Senger-Weiss. Das Projekt Seidenstraße ist eine „Jahrhundertchance für Österreich“, sagte das Vorstandsmitglied des Vorarlberger Großspediteurs Gebrüder Weiss heute vor Journalisten.

Ein weiteres, dringendes Anliegen des Verbandes ist die Stärkung Österreichs als E-Commerce-Standort, wo das Land europaweit hinterherhinken würde. Eine Warnung, die seit längerem auch Post-Chef Georg Pölzl trommelt. Dem Vernehmen nach soll die posteigene Onlineplattform „Shöpping“ aber bisher mäßig erfolgreich sein.

Senger-Weiss fordert, dass Konsumenten den Zusteller bei Bestellungen im Internet selber wählen können. „Heute bieten Online-Händler preisgünstige Produkte an und holen sich die verlorene Marge über Aufschläge auf den Transportpreis zurück“, so der Verbandsobmann, der heute den „Masterplan für den Logistikstandort Österreich“ vorstellte.

Zu der Frage eines harten Brexit meinte Senger-Weiss, er betrachte dies zwiespältig, da das Zollgeschäft eines ist, mit dem man früher gut verdient habe. Für das Projekt Europa sei der Ausstieg der Briten aus der EU hingegen „sehr traurig“.

Der Spediteur ging heute auch auf die Kontrollen und die Blockabfertigung am Brenner ein. Diese seien aus vielen Gründen kontraproduktiv, zum Beispiel weil es dadurch immer wieder vorkomme, dass die Lkw ihren gebuchten Platz auf der Rollenden Landstraße versäumen. „Es kann nicht sein, dass wir die Grenze sperren und die Züge dann leer fahren“, kritisierte er.

Kritik an BBT für Platter „Affront“

Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) hat heftige Kritik an den Aussagen des Zentralverbandes Spedition & Logistik an dem im Bau befindlichen Brennerbasistunnel geübt. „Davon zu sprechen, dass der Brennerbasistunnel ein reines Transitprojekt sei, ist ein Affront gegen Tirol und seine verkehrsgeplagten Bürgerinnen und Bürger“, sagte Platter der APA.

Es zeuge außerdem von „fehlendem Fachwissen und einer gravierenden Fehleinschätzung der Transitsituation in Tirol durch die Frächter-Lobby“, so Platter. Der Brenner sei die mit Abstand wichtigste Nord-Südverbindung für den gesamten europäischen Markt, 40 Prozent des gesamten Güterverkehrs würden darüber rollen. „Die Verkehrsverlagerung auf die Schiene ist kein Wunschdenken, sondern alternativlos“, meinte der Landeshauptmann.

Sauer stießen Platter auch Aussagen des Zentralverbandes zu den in Tirol durchgeführten Blockabfertigungen auf. Zum einen sei es „schlichtweg falsch“ zu behaupten, dass am Brenner solche Blockabfertigungen stattfinden, so der Landeschef. Bei den Blockabfertigungen am Grenzübergang Kiefersfelden wiederum handle es sich um eine Notmaßnahme, um die Verkehrs- und Versorgungssicherheit der Tiroler Bevölkerung zu gewährleisten.

Äußerungen, dass die Blockabfertigungen schuld am Effizienzverlust der Rollenden Landstraße sind, seien lediglich ein „vorgeschobener Vorwand“, um von den eigentlichen Problemen abzulenken. „Was es braucht, sind gemeinsame Lösungsvorschläge zur Bewältigung des Transitaufkommens, und nicht unqualifizierte Äußerungen“, kritisierte Platter. (APA)


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