Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 10.09.2018


Interview

Digitalisierung Thema beim Wirtschaftsforum

Zum Thema Clouds, aber auch zum Facebook-Datenskandal spricht Fabasoft-Chef Helmut Fallmann beim Tiroler Wirtschaftsforum.

© iStockphotoDie Digitalisierung ist nicht mehr aufzuhalten. Mit der Datenschutzgrundverordnung sollen Daten im Internet sicherer sein.Foto: iStock



Digitalisierung ist ein Thema unserer Zeit. Fabasoft liefert Internetdienstleistungen. Überrascht Sie das Datenleck bei Facebook?

Helmut Fallmann: Nein. Wenn es eine unabhängige Instanz gegeben hätte, die solche Praktiken unterbindet, wären Vorfälle im Ausmaß des Facebook-Skandals gar nicht denkbar gewesen. Der Fall zeigt aber klar die Überlegenheit des europäischen Wertesystems mit einem strengen und unnachgiebigen Datenschutz-Regime, wie wir es mit der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) etabliert haben.

Was tun, wenn sich Facebook nicht an diese Verordnung hält?

Fallmann: Ich fordere bei unlauterem Verhalten großer, allseits bekannter Wiederholungstäter wie eben Facebook, dass die Datenschutzbehörde mit aller Strenge vorgeht.

Lassen sich diese Internet-Riesen überhaupt noch regulieren?

Fallmann: Europa ist einen langen Weg gegangen für eine wirksame Rechtsgrundlage. Die heuer am 25. Mai in Kraft getretene DSGVO markiert einen Meilenstein im europäischen Datenschutz, weil jetzt alle Anbieter am digitalen Binnenmarkt, so auch die US-Internet-Riesen, den gleichen Verpflichtungen unterliegen. Parallel dazu liegt ebenfalls seit vergangenem Mai die voll inhaltlich ausgearbeitete Endversion eines EU Cloud Code of Conduct vor, zu dem sich europäische Cloud-Anbieter freiwillig verpflichten können und damit einen Wettbewerbsvorteil haben, da sie eine Versicherung zum Schutz von Kundendaten in der Cloud vorweisen können.

Der strengere Datenschutz trifft auch KMUs. Sie stöhnen unter der Regulierungswut. Wie sehen Sie das?

Fallmann: Der strenge europäische Datenschutz ist ein echter Wettbewerbsvorteil, und ich habe öffentlich mehrmals prognostiziert, dass er noch zu einem echten Exportschlager werden wird. Da die Vorbereitungszeit nicht zu kurz und die geförderte Beratung für KMUs für die Umstellung großzügig waren, fehlt mir das Verständnis, wenn nun die Regulierungswut beklagt wird. Allerdings unterstütze ich eine Verwaltungspraxis, wonach KMUs bei Verstößen zunächst ermahnt und nicht gleich bestraft werden.

Sie sind Verfechter eines digitalen EU-Binnenmarktes und schlagen in Ihrem Buch eine sichere elektronische Identität (eID) für jeden EU-Bürger vor. Ist das nicht eine Utopie?

Fallmann: Der ganz große Wurf einer einheitlichen europäischen eID ist es nicht geworden. Das hat aber gute Gründe. So wie Österreich mit der Bürgerkarte und der Handy-Signatur seit Jahren bestens bewährte Systeme im Einsatz hat, haben auch die anderen Mitgliedsländer hochentwickelte Verfahren in Betrieb, die teils auf anderen Technologien basieren. Deshalb hat man sich 2014 mit der Verabschiedung von eIDAS auf einen sowohl technologischen als auch administrativen Clearing-Prozess geeinigt, mit dem der Einsatz von nationalen eIDs in anderen Mitgliedsländern ermöglicht werden soll.

Eine solche elektronische ID gibt es in Österreich schon: die Handy-Signatur. Soll es eine EU-weite Handy-Signatur geben?

Fallmann: Österreich hat mit der Erlassung eines Bundesgesetzes über elektronische Signaturen und Vertrauensdienste für elektronische Transaktionen und mit der Novellierung des E-Government-Gesetzes die rechtlichen Voraussetzungen für eIDAS geschaffen. Und laut Zeitplan der EU-Verordnung sollte mit 29. September 2018 der notifizierte deutsche elektronische Personalausweis verpflichtend in Österreich anzuerkennen sein. Sie sehen also, es geht voran mit der Utopie.

Tiroler Wirtschaftsforum

Das Tiroler Wirtschaftsforum: Beim 28. Tiroler Wirtschaftsforum am 7. November 2018 im Congress Innsbruck werden auch heuer spannende Persönlichkeiten über aktuelle Themen der Wirtschaft und ihre Erfolgsrezepte sprechen. Mit dabei Helmut Fallmann von Fabasoft, einem Unternehmen für Softwareprodukte und Cloud-Dienstleistungen. Ebenfalls dabei ist der ehemalige Präsident Südafrikas und Nobelpreisträger Frederik Willem de Klerk.

Information und Anmeldung: MCI Management Center Innsbruck telefonisch unter 0512/2070-1710, Fax: 0512/2070-1799, E-Mail: wirtschaftsforum@mci.edu, Infos unter: www.tirolerwirtschaftsforum.at


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