Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 05.10.2018


Wirtschaftspolitik

„Götze Geld“ oder eine nachhaltige Welt

Vertreter von Politik, Kirche und Banken diskutierten über eine nachhaltige Geldwirtschaft.

© iStockDer Klimawandel erfordert laut Experten massive Reformen.



Innsbruck – „Nicht der Unglaube, sondern der Glaube an den Götzen Geld ist das größte Problem. Aber Geld ist nicht Gott“, sagte Innsbrucks Bischof Hermann Glettler bei einer hochkarätig besetzten Diskussionsveranstaltung der Raiffeisen Landesbank Tirol. Für Glettler wurden aus der Finanzkrise noch nicht die richtigen Lehren gezogen. „Da wurden, statt eine neue nachhaltige Finanzwirtschaft zu schaffen, gewaltige Gelder zur Rettung des alten Systems hineingepumpt.“ Gier nach dem „Götzen Geld“ sei leider die Triebfeder für immer neue Finanzblasen. Die Bischofskonferenz habe für die Kirche genaue Richtlinien für verantwortungsvolle und nachhaltige Veranlagungen vorgegeben. Diese könnten auch Vorbild für Banken, Firmen und Private sein, hofft der Bischof, der sich klar gegen jegliche Privatisierung der Wasserversorgung aussprach. Wasser sei ein Menschenrecht für jeden, das dürfe nichts mit Profit zu tun haben.

Für Alfred Strigl vom Österreichischen Institut für Nachhaltige Entwicklung an der BOKU in Wien beute die Menschheit Ressourcen massiv aus, der Klimawandel sei noch dramatischer als viele annehmen würden. Es brauche viel massivere Maßnahmen als derzeit diskutiert, das Wirtschaftssystem müsse „enkeltauglich“ werden. Die Produktion eines Kaffees benötige 140 Liter Wasser, jene eines T-Shirts 2500 und eines Kilos Rindfleisch sogar 15.400 Liter.

Der heurige Sommer sei um 3,6 Grad zu warm gewesen, das Grönland-Eis schmelze fünf- bis siebenmal so rasch wie prophezeit. „Wenn das ganz abschmilzt, steigt der weltweite Meeresspiegel um bis zu acht Meter“, warnt Strigl. Die Volumen von der Finanzwirtschaft seien siebenmal so hoch wie der Realwirtschaft. Nachhaltige Veranlagungen müssten raus aus der Nische zum Standard für möglichst alle werden. Der verantwortungsvolle Umgang mit Geld sollte auch zum Schulfach werden.

Tirols LHStv. Ingrid Felipe sprach sich ebenfalls für einen mutigeren Politikwechsel hin zu Nachhaltigkeit aus. „Ich hätte bei der Verteilung der Kompetenzen in der Landesregierung auch gerne die Finanzen gehabt.“ RLB-Vorstandschef Johannes Ortner sieht auch die Finanzwirtschaft in der Pflicht, gerade weil von manchen noch immer nicht die Lehre aus der Finanzkrise gezogen wurde. Raiffeisen, geprägt vom Genossenschaftsgedanken, werde in Zukunft verstärkt auf diese Themen setzen. (va)