Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 05.10.2018


Innsbruck

Menschenrechte, Freihandel und fehlende Fachkräfte

Mit einem bunten Themenmix wandten sich gestern die Teilnehmer am EU-Bürgerdialog im Innsbrucker Landhaus am EU-Kommissarin Cecilia Malmström, Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck und Tirols Wirtschaftskammerpräsident Jürgen Bodenseer.

© Foto TT / Rudy De Moor



Innsbruck – Es war ein bunter Themenmix, mit dem sich gestern die Teilnehmer am EU-Bürgerdialog im Innsbrucker Landhaus am EU-Kommissarin Cecilia Malmström, Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck und Tirols Wirtschaftskammerpräsident Jürgen Bodenseer wandten. Der emotionalste Appell kam von einer Italienerin, die einer jüdischen Gemeinschaft angehört und angesichts der Radikalisierung in vielen Staaten Europas ihre Sorgen formulierte. „Europa muss zuerst über die Menschenrechte sprechen, bevor sie über Wirtschaft und Freihandel spricht“, appellierte sie. Es gebe viele menschenfeindliche Bewegungen in Europa, entgegnete Malmström, weshalb die EU-Parlamentswahlen im Mai 2019 „ein Kampf der Werte“ sein würden.

Ansonsten drehte sich die Fragerunde hauptsächlich um das Thema Freihandel: Wie könne die EU einen fairen Handel mit Afrika garantieren, wo doch Europa hier die stärkere Position einnimmt, wollte ein MCI-Student wissen. Ein Tiroler Unternehmer fragte, wie die EU beim Thema US-Zölle und Co. weiter agieren will, ein Gymnasiast warf die CO2-Emissionen in die Runde, ein weiterer Teilnehmer forderte mehr Transparenz bei Freihandelsabkommen, ein Arbeitsnehmervertreter fordert­e bei solchen Abkommen für Arbeitnehmer rechtlich abgesicherte Standards anstatt unkonkreter Absichtserklärungen.

Ein anderer Student wiederum wollte wissen, warum es nicht gelingt, Arbeitslos­e aus anderen EU-Staaten von einem Job in Österreich zu überzeugen, wo doch so viele Fachkräfte fehlen würden. Ministerin Schramböck (ÖVP) kritisierte hier, dass es vor ihrem Antritt im – bis dahin ebenfalls ÖVP-geführten – Wirtschaftsministerium kein­e Abteilung gab, die sich mit dem Thema Fachkräfte beschäftigte. Ab 2019 soll so eine Abteilung starten, zudem verwies sie auf das Vorhaben, dass Außenstellen der Wirtschaftskammer künftig nicht nur Unternehmer im Ausland unterstützen, sondern dort auch um Arbeitskräfte werben sollen. Sie hinter­fragte diesbezüglich auch Kritik an bisherigen Aktionen der Wirtschaftskammer, die etwa in Spanien Arbeitskräfte anwarb – mit überschaubarem Erfolg, wie auch Bodenseer einräumt­e. Es bringe nichts, „nur punktuell etwas zu probieren, ohne eine Struktur dahinter zu haben“, so Schramböck. (mas)