Letztes Update am Mo, 05.11.2018 16:07

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Geldpolitik

Kopf-an-Kopf-Rennen um Posten des obersten EZB-Bankenwächters

Erwartungsgemäß entscheidet die Europäische Zentralbank (EZB) die Personalie diesen Mittwoch. Die Ernennung muss dann noch vom EU-Parlament bestätigt und von den Regierungschefs genehmigt werden. Neben der irischen Notenbank-Vizegouverneurin Donnery wurde als Top-Kandidat auch der italienische EBA-Chef Enria genannt.

© AFPDie Europäische Zentralbank in Frankfurt.



Frankfurt – Bei der Neubesetzung des Spitzenjobs in der EZB-Bankenaufsicht zeichnet sich informierten Kreisen zufolge ein Kopf an Kopf Rennen ab. Wahrscheinlich werden die südeuropäischen Länder dem italienischen Kandidaten den Rücken stärken, wie vier mit dem Vorgang vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters sagten.

Irin und Italiener gelten als Favoriten

Zuletzt galt die irische Notenbank-Vizegouverneurin Sharon Donnery als die aussichtsreichste Kandidatin für den Posten. Doch der Chef der EU-Bankenbehörde EBA – der Italiener Andrea Enria – habe in den vergangenen Wochen viel Unterstützung für seine Kandidatur erhalten.

Die EZB wollte sich nicht zu dem Rennen äußern.

Die Französin Daniele Nouy scheidet Ende Dezember als oberste Bankenwächterin der EZB nach fünf Jahren aus dem Amt. Eine Verlängerung ist nicht möglich. Das EU-Parlament hat bei der Auswahl ein Mitspracherecht. Es wird erwartet, dass die Europäische Zentralbank (EZB) die Personalie an diesem Mittwoch entscheidet. Die Ernennung muss dann noch vom EU-Parlament bestätigt und von den Regierungschefs genehmigt werden.

Enria leitet seit 2011 die EBA. Donnery steht bei der EZB der wichtigsten Arbeitsgruppe vor, die sich mit Problemkrediten beschäftigt. Noch immer schleppen die Banken im Euroraum davon ein Volumen von 657 Mrd. Euro mit sich herum. Stark betroffen sind südeuropäische Länder, vor allem Italien.

Manche Staaten aus dem Süden seien gegen Donnery wegen ihrer harten Haltung zu faulen Krediten, so die Insider. Länder aus dem Norden der Eurozone könnten hingegen mit beiden Bewerbern gut leben. Zudem werde Enria als hinreichend unabhängig von der aktuellen italienischen Politik angesehen. Auch sei es kein Stolperstein, dass mit einer Entscheidung zugunsten von Enria dann für einige Monate zwei Italiener auf sehr einflussreichen Posten in der Notenbank stünden. EZB-Präsident Mario Draghi scheidet Ende Oktober 2019 nach acht Jahren aus dem Amt. (APA/Reuters)