Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 17.11.2018


Wirtschaftspolitik

Aufseher warnt Banken vor laxer Kreditvergabe

Finanzaufsicht sieht Banken stärker als vor der Krise. Manche Großbank in Europa wäre im Notfall aber nur schwer abzuwickeln. Druck auf Italien wichtig.

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© MCI-Koller



Von A. Vahrner, M. Strozzi

Innsbruck – Eine Immobilienblase sehe er in Österreich zwar nicht. Klaus Kumpfmüller, Vorstand der Finanzmarktaufsicht (FMA), warnt aber Banken vor einer zu freizügigen Kreditvergabe. Die FMA ging zuletzt auch dagegen vor. „Wir haben gesehen, dass die Wohnkreditvergabe laxer wurde, beispielsweise bei Kreditvergaben trotz geringer Eigenmittel oder durch Laufzeiten von bis zu 40 Jahren“, schilderte Kumpfmüller bei seinem Besuch in Innsbruck. „Hier greifen wir ein, damit wir nicht mehr in eine Situation geraten, die zu einer Immobilienblase führt.“ In den letzten zehn Jahren seien die Immobilienpreise in Österreich schließlich sehr stark gestiegen, alleine im vergangenen Jahr um sieben Prozent. „Im europaweiten Vergleich sind die Immobilienpreise in Österreich allerdings auf niedrigem Niveau. Man muss aber wachsam sein, dass die Preise nicht weiter stark wachsen.“

Angesichts der niedrigen Zinsen habe es zuletzt einen starken Zuwachs bei Fixzinskrediten gegeben. Mittlerweile sei jeder zweite Neukredit ein Fixzinskredit, so Kumpfmüller. Stark gewachsen seien unterdessen die Konsumkredite, die sich im Bereich von jeweils 1000 Euro bis 60.000 Euro abspielen. Das Wachstum sei die Folge der Digitalisierung, die den Zugang zu Konsumkrediten erleichtere. Das Gesamtvolumen sei hier aber noch recht niedrig, allerdings werde die FMA auch schauen „ob hier Handlungsbedarf besteht“.

Österreichs Banken seien im Vergleich zum Vorkrisenniveau deutlich sicherer, die Kapitalquoten hätten sich seither von knapp unter 8 % auf rund 15 % in etwa verdoppelt. „Die Banken würden heute eine Lehman-Pleite verkraften“, ist Kumpfmüller überzeugt. Zudem sei die Europäische Bankenunion entwickelt worden, unter anderem mit einer zentralen Aufsicht von europäischen Großbanken oder einem europäischen Abwicklungsfonds für den Fall einer Bankenpleite.

Dennoch räumt Kumpfmüller ein, dass sich manche europäische Bank im Notfall als zu groß entpuppen könnte. „Es gibt sicher große Banken in Europa, wo ich mir die Frage stelle, ob sie überhaupt abgewickelt werden könnten“, sagt Kumpfmüller. Dass die französiche Societé Générale und die italienische UniCredit eine Fusion zu einem Bankengiganten prüfen sollen, sehe er daher kritisch. „Da hätte ich kein gutes Gefühl.“

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Sorge bereite auch das Handeln der Regierung aus der Fünf-Sterne-Bewegung und der rechtspopulistischen Lega, die Italiens bereits hohen Schuldenstand noch weiter in die Höhe treiben will, um Wahlversprechen einhalten zu können. „Hier sehe ich natürlich eine Gefahr“ sagt Kumpfmüller. „Es gibt in Italien einen engen Zusammenhang zwischen der Staatsfinanzierung und den italienischen Banken. Das bedeutet: Wenn der Staat ein Problem hat, kriegen auch die Banken ein Problem.“ Daher sei es „richtig, dass die EU hier Druck macht“.

Für Österreichs Wirtschaft dagegen sei es nötig, den Kapitalmarkt weiterzuentwickeln, etwa durch einen leichteren Zugang zur Börse für die KMU. Denn die Unternehmen seien derzeit stark durch Banken finanziert. 2019 will die Wiener Börse ein neues Marktsegment starten, das sich an KMU und Jungunternehmen richtet.

Dringenden Handlungsbedarf sieht Kumpfmüller bei sogenannten Krypto-Währungen wie etwa Bitcoin. „Virtuelle Währungen sind völlig unreguliert“, so der FMA-Vorstand. Dabei werden enorme Summen gewälzt. Ein Unternehmen habe jüngst über die Ausgabe von Kryptowährungs-Einheiten umgerechnet 800 Mio. Dollar eingesammelt. „Das entspricht einem großen Börsengang“, so Kumpfmüller. Künftig sollen Kryptowährungen ähnlich wie Aktien reguliert werden. Diesbezüglich werde im nächsten Jahr „sicher was kommen“.