Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 09.11.2018


Wirtschaftspolitik

Schwarze Schafe beim grünen Strom

Von den heimischen Stromangeboten sind nicht alle so „öko“ wie behauptet, sagen WWF und Global 2000.

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Von Cornelia Ritzer

Wien – Kunden, die einen Beitrag zur Energiewende leisten wollen und sich deshalb für „grünen“ Strom aus erneuerbaren Quellen entscheiden, haben eine große Auswahl an Anbietern. Das ist das positive Resümee aus dem Strom­anbieter-Check 2018 der Umweltschutzorganisationen Global 2000 und WWF. Der Report enthält jedoch auch eine „bittere Bilanz“, hieß es bei der Pressekonferenz.

„Die wenigsten Grünstrom-Anbieter sind so sauber, wie behauptet wird“, sagte Hanna Simons, Leiterin Naturschutz beim WWF Österreich. Und auch wenn manche Anbieter in Österreich naturverträglichen Strom liefern, gebe es „immer noch viel zu viele, die hinterherhinken oder auf fossile Quellen setzen“, ergänzte Reinhard Uhrig, Energiesprecher von Global 2000. Auf gutem Kurs für die Erfüllung der Pariser Klimaschutzziele sei demnach nur ein Prozent des heimischen Strommarkts. Und noch immer würden 24 Prozent des erzeugten Stroms in Österreich aus fossilen Energieträgern stammen.

Und schließlich werde mit einem Anteil von 36 Prozent mehr als ein Drittel des in Österreich verkauften Stroms mit zugekauften Zertifikaten „umetikettiert“ und damit „grüngewaschen“. Das geht ebenfalls aus dem Anbieter-Check hervor, an dem 31 der österreichweit 158 für Haushalte relevante Versorger online teilgenommen haben. Diese decken 73 Prozent des österreichischen Endverbrauchs an Strom ab.

Insgesamt erreichten nur zwei der näher untersuchten Stromanbieter die Top-Bewertung „Treiber der Stromzukunft“, nämlich das Windenergie-Unternehmen W.E.B und der Ökostrom-Pionier AAE. Sie stellen aber nur 0,2 Prozent des Strommarkts. Gerade Anbieter, die mehrheitlich oder gänzlich in öffentlicher Hand seien, stünden in der Pflicht, ihr Engagement für eine nachhaltige Energiewende zu verstärken, sagen Global 2000 und WWF. So rangieren in ihrer Wertung etwa Verbund, Wien Energie und Energie Steiermark im untersten Drittel, unter den „Stromanbietern mit großen Herausforderungen“ mit 39 Prozent Marktanteil.

In dieser Gruppe findet sich auch der landeseigene Energieversorger Tiwag. Diesem attestierten die NGOs, den Ausbau der Wasserkraft „nicht naturverträglich“ voranzutreiben. Ein „problematischer“ Eingriff in die Natur sei vor allem der Ausbauplan im Kaunertal. Eine Stellungnahme der Tiwag lag bis Redaktionsschluss nicht vor.