Letztes Update am Mo, 19.11.2018 12:08

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Metaller-KV

Metaller-Abschluss auch als Ausgleich für den 12-Stunden-Tag

Am Sonntagabend kam es zur hart erkämpften KV-Einigung bei den Metallern, die Löhne werden um 3,0 bis 4,3 Prozent erhöht. Im Rahmenrecht wurde ein Ausgleich zum neuen Arbeitszeitgesetz vereinbart. Die Arbeitnehmervertreter sind zufrieden, am „oberen Limit“ ist das Ergebnis für die Arbeitgeberseite.

© APAPRO-GE-Chef Rainer Wimmer (r.) und der Chef der GPA-djp Karl Dürtscher (l.) sind mit dem Verhandlungsergebnis zufrieden.



Wien – Die Metalltechnische Industrie (FMTI) hat mit einer starken Lohnerhöhung die Latte für die anderen Branchen in der herbstlichen Lohnrunde hoch gelegt. Im Schnitt knapp 3,5 Prozent, für die untersten Gehälter 4,3 Prozent und für Lehrlinge bis zu zehn Prozent Gehaltsplus sowie 100 Prozent Zuschläge für die 11. und 12. Arbeitsstunde kamen nach 64 Verhandlungsstunden heraus.

Dass der Chefverhandler der Gewerkschaft PRO-GE, Rainer Wimmer, das Ergebnis eine „tolle Geschichte“ nennt, ist wenig überraschend. Aber auch auf der Arbeitgeberseite spricht der Fachverbandsobmann der FMTI, Christian Knill, im ORF-Morgenjournal von einem „verdient hohen Abschluss“. Laut Knill seien auch im Rahmenrecht Verbesserungen nötig gewesen, „das haben wir mit den Gewerkschaften jetzt ausverhandelt“. Auch wenn das von der Gewerkschaft so kritisierte Arbeitszeitgesetz die FMTI-Betriebe wenig betreffe. Knill sagte, das Ergebnis sei „am oberen Limit“.

Wimmer sieht Warnstreiks als essenziell

Während Knill sagt, dass die Warnstreiks nur Geld gekostet hätten und für die Verhandlung unwichtig gewesen seien, glaubt Wimmer, „nur so, mit diesem Druck, mit diesen Warnstreiks, mit diesen vielen Versammlungen, ist es wirklich erst gelungen hier Bewegung hineinzubekommen“. Besonders wichtig seien die Zuschläge von 100 Prozent ab der 11. Stunde, „weil, wenn wir schon gezwungen werden länger zu arbeiten, elfte und zwölfte Stunde, dann wollen wir auch ein ordentliches Geld haben“.

Wimmer sieht sich als „Schneepflug“ für andere Branchen und das wird auch die spannende Frage bei anderen KV-Verhandlungen in den nächsten Wochen. Traditionell haben seit der Auftrennung der verschiedenen Bereiche der Metaller in getrennte KV-Verhandlungen alle Fachverbände praktisch mit dem gleichen Ergebnis abgeschlossen.

Arbeitnehmervertreter anderer Branchen ermutigt

Aber auch andere Branchen dürften sich das FMTI-Ergebnis genau anschauen – auch wenn vermutlich kein ganz so hoher Abschluss herauskommen wird. Roman Hebenstreit, Vorsitzender der Gewerkschaft vida, gratulierte den Metallern gleich einmal, auch er hat in den Bahn-KV-Verhandlungen, die diese Woche in die achte Runde gehen, wie die Metaller ursprünglich 5 Prozent mehr Lohn und Verbesserungen in den Rahmenbedingungen gefordert.

PRO-GE-Chef Rainer Wimmer (l.) und Veit Schmid-Schmidsfelden, Verhandler auf Arbeitgeberseite.
- APA

Hofer erwartet jedenfalls nicht, dass Branchen wie der Handel ebenfalls eine Lohnerhöhung von 3,5 Prozent aushandeln können, denn dort schlagen Lohnerhöhungen viel stärker auf die Kosten durch, als in der kapitalintensiven Metallbranche. Sollte es in den anderen Branchen zu Abschlüssen von zwei bis drei Prozent kommen, dann sei auch kein Druck auf die Inflation zu erwarten. Nur wenn es gesamtwirtschaftlich zu 3,5 Prozent Lohnerhöhung käme, könnte das zu Preisdruck führen.

Alle KV-Abschlüsse betreffen immer den Bruttolohn. Netto bringe dieser Abschluss einem Arbeiter mit Durchschnittslohn nur 2,8 Prozent mehr am Lohnzettel, kritisiert die Agenda Austria auf Basis eigener Berechnungen. Die Abgaben und Steuern würden dagegen um 4,2 Prozent steigen. „Hauptgewinner ist also der Staat“, so der Schluss der Agenda Austria.

Kurz und Strache begrüßen Einigung

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und Vizekanzler Heinz Christian Strache (FPÖ) begrüßten die Metaller-Einigung in einer gemeinsamen Stellungnahme am Montag. „Der Lohnabschluss zeigt, dass es mit Verantwortung und Dialogbereitschaft immer gelingen kann, eine Lösung am Verhandlungstisch zu erzielen“, so Kurz, damit würden Interessen der Arbeitnehmer und der Arbeitgeber gewahrt. Strache schreibt: „Es ist wichtig und richtig, dass alle vom Aufschwung gleich fair profitieren. Das ist der bewährte österreichische Weg, der die letzten Jahre leider zu oft verlassen wurde.“

Sprecher der Arbeitgebervertreter, Christian Knill (m.), die Verhandler auf Arbeitgeberseite Veit Schmid-Schmidsfelden (l.) und Stefan Ehrlich-Adam (r.).
- APA

WKÖ-Präsident Harald Mahrer nannte den Abschluss ein „tragfähiges Gesamtpaket“. Die Lohn- und Gehaltserhöhung halte die Belastungen für Unternehmen „noch in Grenzen“ und gebe den Betrieben „weiterhin Spielraum für zukünftige Entwicklungen“. Das Ergebnis sei für beide Seiten vernünftig und habe „die Kompromissfähigkeit der Sozialpartner unter Beweis gestellt“.

Schellhorn: Kalte Progression „große Katastrophe“

Der Tourismusunternehmer und NEOS-Abgeordnete Sepp Schellhorn kritisierte ebenfalls, dass wegen der hohen Steuerbelastung nur ein geringer Teil des nun vereinbarten Mehraufwandes für die Unternehmer auch bei den Arbeitnehmern ankommen werde. Die kalte Progression sei eine „große Katastrophe“, sagte Schellhorn. Auf die Tourismusbranche umgelegt wäre ein Abschluss in dieser Höhe eine „dramatische Entwicklung“.

„Ich gratuliere den Sozialpartnern zur Einigung beim Metaller-KV“, reagierte SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner am Sonntagabend in einem schriftlichen Statement. Sie sieht eine fairen Ausgleich: „Die Wirtschaft wächst und daher haben sich die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer das Lohnplus verdient. Der Einsatz der Gewerkschaft wurde belohnt. Das Gehaltsplus kurbelt den Konsum an und fließt somit wieder in die Wirtschaft zurück.“ (TT.com, APA)

Details aus der Einigung

LÖHNE UND GEHÄLTER: Je nach Beschäftigungsgruppe steigen die Entgelte zwischen 3,0 und 4,3 Prozent. Durchschnittlich gibt es ein Plus von 3,46 Prozent. Die Mindesterhöhung beträgt 80 Euro (das sind die 4,3 Prozent; in den Lohn-/Gehaltsgruppen darüber steigen die Entgelte um 3,0 bis 3,6 Prozent).

LEHRLINGE:

Die Lehrlingsentschädigungen für die rund 6.600 Lehrlinge der Metalltechnischen Industrie werden kräftig angehoben: Im ersten Lehrjahr um 100 Euro auf 719 Euro, im zweiten auf 920 Euro (bisher 830 Euro) im dritten auf 1.204 (bisher 1.124) und im vierten Lehrjahr auf 1.590 Euro (bisher 1.520). Das ist in den ersten Lehrjahren etwas mehr und in den späteren Lehrjahren etwas weniger, als es die Gewerkschaft ursprünglich forderte.

ÜBERSTUNDENZUSCHLÄGE AB 1. JULI 2019:

Zu den 100 Prozent für die elfte und zwölfte Stunde am Tag bzw. ab der 51. Stunde in der Woche. Dies soll ab 1. Juli 2019 gelten. Die Zuschläge können auch in mehr Freizeit gewandelt werden. Auch die Nachtzulagen im Schichtbetrieb steigen.

BEZAHLTE PAUSEN:

Bei Tagesarbeitszeiten von mehr als zehn Stunden eine bezahlte Pause von mindestens zehn Minuten im Kollektivvertrag vereinbart.

SONN- UND FEIERTAGSARBEIT:

Der bisher befristete 150-Prozent-Zuschlag für die viermal im Jahr mögliche Sonn- und Feiertagsarbeit wird dauerhaft im Kollektivvertrag verankert. Auch die dafür geltende Wahlfreiheit der Arbeitnehmer, sich zwischen Zeit und Geld zu entscheiden, bleibt.

GLEITZEIT:

Die Überstundenzuschläge gelten auch hier. Zudem können Zeitguthaben auch in Form von ganzen Tagen (maximal 3 Tage pro Halbjahr bzw. 6 pro Jahr) verbraucht werden; ausgenommen davon sind All-In-Verträge und Überstundenpauschalen.

ZEITKONTENMODELL:

Das schon länger vorhandene Flexibilitätsmodell in der Metalltechnischen Industrie geht unbefristet in den KV ein.