Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 28.11.2018


Wintersaison

Tourismus optimistisch, aber 9000 Mitarbeiter fehlen

Schneefälle und gute Lage der Weihnachtsfeiertage sorgen für gute Buchungslage. Branche schuf seit 2009 rund 40.000 zusätzliche Stellen.

© MühlangerDie ersten Schneefälle lassen die Buchungen im heimischen Tourismus steigen. Der späte Ostertermin bereitet den Betrieben Sorgen.



Wien – Das lang anhaltende warme Herbstwetter hat den Winterbuchungen in den Tourismusbetrieben im Vergleich zum schneereichen Vorjahr keinen Abbruch getan. „Wir haben den gleichen Buchungsstand wie im Vorjahr bzw. ein leichtes Plus von zwei Prozent“, sagte WKÖ-Tourismusspartenobfrau Petra Nocker-Schwarzenbacher gestern im Klub der Wirtschaftspublizisten. „Das ist bemerkenswert“, so die Branchensprecherin. Denn bisher blieben Schneefälle weitgehend aus. „Wir sind mit der Buchungslage zufrieden, aber es gibt Luft nach oben“, meinte Nocker-Schwarzenbacher, die selbst ein Hotel in St. Johann im Pongau führt.

Dass nun Schneefälle eingesetzt haben und die Weihnachtsfeiertage günstig fallen, „hilft uns enorm“, sagte die Touristikerin. Die ersten Skigebiete hätten bereits aufgesperrt. Erschwerend für die heurige Saison sei hingegen der späte Ostertermin.

Die abgelaufene Wintersaison 2017/18 legte die Messlatte freilich hoch. Österreichweit gab es ein Nächtigungsplus von rund 5 Prozent.

Keine Entspannung gebe es auf dem Arbeitsmarkt. Die Touristiker suchen weiter händeringend nach Mitarbeitern. „9000 Stellen sind unbesetzt, davon 1650 Lehrstellen. Von der Dunkelziffer möchte ich erst gar nicht sprechen. Viele Betriebe melden offene Stellen erst gar nicht mehr dem AMS“, sagt die Branchenvertreterin. Mittlerweile sei die Personalknappheit so stark, dass Betriebe zusätzliche Ruhetage einführen müssten.

Dass so viele Stellen offen bleiben, liege vor allem daran, dass der Bedarf gestiegen sei. „Seit 2009 haben wir 40.000 Arbeitsplätze geschaffen.“ Mittlerweile habe die Zahl der offenen Stellen bei Köchen im Vergleich zu den arbeitssuchenden Köchen österreichweit die Schwelle erreicht, um auf die Mangelberufsliste aufgenommen zu werden. Nocker-Schwarzenbacher rechnet damit, dass dies bereits im Dezember geschehen werde. Mitarbeiter würden auch bei Skiverleihen und im Wellnessbereich gesucht.

Die Tourismus- und Freizeitwirtschaft (inklusive Sport-, Gesundheits-, Kino- und Kulturbetrieben sowie Reisebüros, Reiseveranstaltern und Verkehrsbetrieben) trägt mit einer Wertschöpfung von 58,8 Mrd. Euro 15,9 Prozent zum heimischen Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei. Die 15.942 Hotels und 48.381 Gastronomiebetriebe stellen etwa 9 Prozent des BIP dar. Dort sind in Summe 168.900 Menschen in Vollzeit beschäftigt.

Auf der Wunschliste der Touristiker an die Regierung stehen ganz weit oben, neben der Erhöhung der Saisonnierskontingente, eine Erleichterung bei der Betriebsübergabe an die nächste Generation und eine Verkürzung der Abschreibungsdauer auf Gebäude von derzeit 40 auf 25 Jahre. (ecke)