Letztes Update am So, 02.12.2018 12:20

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Österreich

Bahn-KV: Einigung nach 16 Stunden Verhandlungen

Zehn Verhandlungsrunden hat es gedauert: Nun steigen die Gehälter für die rund 40.000 Beschäftigten rückwirkend ab 1. Juli 2018 um 3,4 Prozent.

© APA/Neubauervida-Chef Roman Hebenstreit (re.) und Arbeitgeber-Chefverhandler Thomas Scheiber kamen zu einer Einigung.



Wien – In der zehnten Verhandlungsrunde für einen neuen Bahn-Kollektivvertrag haben Arbeitgeber und Gewerkschaft nach 16 Stunden eine Einigung erzielt. Die Gehälter für die rund 40.000 Beschäftigten steigen rückwirkend ab 1. Juli 2018 um 3,4 Prozent. Das gab die Arbeitgeberseite heute (Sonntag) früh bekannt. Bei der Erhöhung seien die bereits seit 1. Oktober ausbezahlten 3 Prozent zu berücksichtigen.

Die vereinbarte Erhöhung der Mindest- und der Istgehälter um 3,4 Prozent gelte für eine Laufzeit von zwölf Monaten, sagte Arbeitgeber-Chefverhandler Thomas Scheiber zur APA. Auch die Nebenbezüge würden um diesen Satz erhöht. Bei den Lehrlingsentschädigungen liegen die Anhebungen zwischen 4 und 10 Prozent.

Darüber hinaus wurde auch eine Anhebung der Einstiegsgehälter bei eisenbahnspezifischen Berufen wie Lokführern, Verschiebern oder Wagenmeistern vereinbart. Diese Erhöhung werde mehr als 100 Euro ausmachen, sagte Scheiber. „In den Bereichen, wo wir in den nächsten Jahren sehr viele Nachwuchskräfte suchen, wollen wir uns als attraktiver Arbeitgeber besser positionieren können.“

Auch die Nachtarbeit war bei den Verhandlungen ein Thema. „Wer vorwiegend in der Nacht arbeitet, soll mit zusätzlicher Freizeit belohnt werden, und zwar mit maximal sieben Tagen im Jahr.“ Daneben soll es mehr Flexibilität beim Zeitausgleich geben und eine 38,5-Stunden-Woche soll in Betriebsvereinbarungen möglich sein.

Gewerkschaft: „Besondere Kraftanstrengung“ war notwendig

Nach dem Verhandlungsmarathon hat sich die Gewerkschaft mit dem Abschluss zufrieden gezeigt. „Bei diesen Verhandlungen war eine besondere Kraftanstrengung der Bahnbeschäftigten über alle Bahnunternehmen hinweg notwendig, um einen fairen Anteil am wirtschaftlichen Erfolg des Bahnlands Nummer eins zu erreichen“, so vida-Vorsitzender Roman Hebenstreit.

Neben der rückwirkenden Erhöhung der IST- und KV-Gehälter und der valorisierbaren Nebengebühren für alle Eisenbahn-Kollektivverträge ab 1. Juli 2018 um 3,4 Prozent wurden einige Verbesserungen im Rahmenrecht ausverhandelt. Künftig gibt es Anspruch auf einen Tag Sonderurlaub für ehrenamtliches Engagement bei der Feuerwehr oder Rettung, teilte die für die Eisenbahner zuständige Gewerkschaft vida Sonntag früh in einer Aussendung mit. Auch habe man ab Anfang 2020 mehr Selbstbestimmungsrecht beim Verbrauch von Zeitausgleich vereinbart.

Die ÖBB suchen derzeit dringend Personal. Benötigt werden 1500 Verschub-Mitarbeiter, 1300 Lokführer, 850 Fahrdienstleiter, 600 Zugbegleiter und 230 Wagenmeister sowie 2300 Postbus-Lenker, erklärte die Bahn kürzlich gegenüber dem Kurier. Man „arbeite heute schon gut und eng mit dem AMS zusammen“, sagte Lechner. „Wichtig ist jedenfalls ein starker Auftritt als Arbeitgeber. Für weitere gute Kooperationen sind wir immer offen.“

Zur Bekämpfung des Personalmangels bei den österreichischen Bahnunternehmen gebe es für Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger im neuen Kollektivvertrag ein durchschnittliches Plus von 8,5 Prozent bei den Einstiegsgehältern für die eisenbahnspezifischen Berufe, erklärte Günter Blumthaler, Vorsitzender des vida-Fachbereichs Eisenbahn. Laut Gewerkschaft fallen heuer im Bahnsektor rund 7 Millionen Überstunden an. Für die rund 1600 Lehrlinge in Österreichs Eisenbahnunternehmen wird ab 1. März 2019 die Lehrlingsentschädigung um durchschnittlich 6,5 Prozent angehoben.

ÖBB begrüßen Einigung: Abschluss macht Branche attraktiver

Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) begrüßen die Einigung zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaft. Der Abschluss macht die Eisenbahnbranche ein Stück attraktiver am Arbeitsmarkt, wäre aber auch ohne die Eskalation und den Warnstreik erreichbar gewesen“, sagte ÖBB-Sprecher Robert Lechner zur APA.

Vergangenen Montag war es zu einem zweistündigen Warnstreik in Österreich gekommen, mehr als 100.000 Fahrgäste waren betroffen. Die Bahnwirtschaft umfasst in Österreich rund 60 Bahnunternehmen mit 40.000 Beschäftigten. Der größte Player ist die staatliche ÖBB. Andere größere Betriebe sind die Graz-Köflacher Bahn und die mehrheitlich private Westbahn von Hans Peter Haselsteiner.

Auch Verkehrsminister Norbert Hofer (FPÖ) zeigte sich über den positiven Ausgang der Eisenbahner-KV-Verhandlungen erfreut: „Ich bin erleichtert darüber, dass man heute Nacht zu einer Einigung bei der Erhöhung der Kollektivverträge gekommen ist“, so Hofer am Sonntag in einer Aussendung. 3,4 Prozent rückwirkend ab 1. Juli plus höhere Einstiegsgehälter sowie mehr Zeitausgleich für jene, die hauptsächlich in der Nacht arbeiten, sei „ein fairer Ausgang und macht die ÖBB und alle anderen Bahnunternehmen weiterhin zu attraktiven Arbeitgebern im Land“.

Hofer verwies darauf, dass diese KV- und IST-Erhöhung bei den Eisenbahnern die höchste seit mehr als zehn Jahren sei und nur minimal unter jener der Metaller liege. „Dieser Anstieg der Löhne zeigt die Wertschätzung, die der Arbeit der Eisenbahnerinnen und Eisenbahner von Seiten der ÖBB-Führung und den anderen Bahnunternehmen entgegengebracht wird“, so Hofer. Dies sei „für beide Seiten ein sehr gutes Ergebnis“.

(APA)