Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 07.12.2018


Wirtschaftspolitik

Brüssel will mit dem Euro die Dollar-Macht brechen

Die EU will, dass Öl-, Gas- und andere Rohstoff-Deals öfter in Euro statt in Dollar erfolgen, und greift damit die Vormachtstellung der US-Währung an.

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Brüssel – Die EU-Kommission will die Rolle des Euro als globale Währung stärken. Der Euro ist nach dem US-Dollar bereits die zweitgrößte Leitwährung der Welt. Er wird im internationalen Zahlungsverkehr als Transaktions- und Reservewährung genutzt.

Doch vor allem im Energiebereich will Brüssel die internationale Bedeutung der europäischen Währung heben. Die EU-Kommission will daher herausfinden, inwieweit das Potenzial für auf Euro lautende Geschäfte bei Öl, Raffinerieprodukten und Gas verbreitert werden kann. Ebenso im Bereich von Rohmaterialien und landwirtschaftlich erzeugten Lebensmitteln sowie im Gütertransport. Auch sollen die Staats- und Regierungschefs am EU- und Euro-Gipfel im Dezember das Thema behandeln. EU-Energiekommissar Miguel Arias Canete verwies darauf, dass die EU der größte Importeur von Energie mit durchschnittlich 300 Mrd. Euro pro Jahr sei.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hatte in seiner Rede zur Lage der EU im September bemängelt, dass 80 Prozent der Energie-Importe in Europa in Dollar bezahlt würden. Der Euro müsse Gesicht und Werkzeug der neuen europäischen Souveränität werden. „Der Euro sollte das politische, wirtschaftliche und finanzielle Gewicht der Eurozone widerspiegeln“, sagte gestern EU-Währungskommissar Valdis Dombrovskis. Obwohl er lediglich 20 Jahre alt sei, sei der Euro die zweitwichtigste Währung der Welt. Die mit Abstand wichtigste und am weitesten genutzte Währung ist seit Jahrzehnten der US-Dollar. Die multilaterale Weltordnung werde zunehmend geschwächt, sagte Dombrovskis weiter. Die Antwort darauf müsse ein global stärkerer Euro sein.

Die EU-Kommission verwies auch darauf, dass mehr als 36 Prozent der internationalen Transaktionen 2017 in Euro verrechnet wurden. Der Euro verfüge über etwa 20 Prozent der internationalen Reserven von ausländischen Zentralbanken, was höher sei als der Anteil der Eurozone am weltweiten Bruttonationalprodukt. (APA, TT)