Letztes Update am Fr, 07.12.2018 14:07

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Handelsstreit

Empörung in China: USA versuchen, Huawei „zu unterdrücken“

Es sei „zweifelsohne wahr und bewiesen“, dass die USA alles versuchten, um Huaweis Expansion in der Welt einzudämmen. Washington habe geholfen, politisches Vertrauen zu untergraben.

© AFPDie japanische Regierung will Insidern zufolge keine Lieferverträge mehr mit Huawei und ZTE abschließen.



Peking – Chinesische Staatsmedien haben mit scharfer Kritik an den USA auf die Festnahme der Huawei-Finanzchefin Meng Wanzhou reagiert. Es sei „zweifelsohne wahr und bewiesen“, dass die USA alles versuchten, um Huaweis Expansion in der Welt einzudämmen, heißt es in der englischsprachigen China Daily am Freitag.

„Für die Entwicklung der chinesisch-amerikanischen Beziehungen ist politisches Vertrauen dringend nötig. Doch Washington hat geholfen, dieses politische Vertrauen zu untergraben, indem es seine Verbündeten überredet und gedrängt hat, einer Zusammenarbeit mit Huawei aus dem Weg zu gehen.“

Meng Wanzhou, die Tochter des Huawei-Gründers, war am 1. Dezember nach Aufforderung der US-Behörden im kanadischen Vancouver in Gewahrsam genommen worden.
- AFP

Die einflussreiche Global Times wirft den USA vor, auf „einen verabscheuungswürdigen Schurkenansatz“ zurückzugreifen, da sie Huaweis 5G-Marktvorstoß nicht aufhalten könnten. Über ein juristisches Verfahren versuchten die USA, den chinesischen Netzwerkausrüster „zu unterdrücken“. Der Vorfall zeige, dass sich China in einem „komplizierten Wettbewerb“ mit den USA befinde. „Peking benötigt Entschlossenheit und Weisheit, um seine eigenen Interessen zu schützen.“

Verstöße gegen Iran-Sanktionen als Ursache?

Beide Zeitungen betonten, es sei nicht klar, warum Meng festgenommen worden sei. Insidern zufolge sollen unter anderem mutmaßliche Verstöße gegen Iran-Sanktionen der USA ein Grund sein. Es werde ermittelt, ob der chinesische Telekomkonzern das britische Geldhaus HSBC für illegale Transaktionen mit dem Iran genutzt habe, sagten mit der Angelegenheit vertraute Personen. Huawei und HSBC lehnten eine Stellungnahme ab.

Die kanadische Regierung nahm nach Angaben von Ministerpräsident Justin Trudeau keinen Einfluss auf die Entscheidung zur Festnahme der Managerin.
- AFP

Die Tochter des Huawei-Gründers war am 1. Dezember nach Aufforderung der US-Behörden im kanadischen Vancouver in Gewahrsam genommen worden, dem selben Tag, an dem US-Präsident Donald Trump und der chinesische Staatschef Xi Jinping beim G20-Gipfel in Buenos Aires miteinander speisten. Zwei US-Regierungsvertretern zufolge wusste Trump nichts von den Plänen, Meng festzunehmen. Die kanadische Regierung nahm nach Angaben von Ministerpräsident Justin Trudeau keinen Einfluss auf die Entscheidung zur Festnahme der Managerin. Seine Regierung sei von den Behörden einige Tage im Voraus informiert worden. Näher wollte sich Trudeau nicht äußern und verwies zur Begründung auf eine für Freitag geplante Anhörung Mengs.

Japan verbietet Regierungsaufträge

Die japanische Regierung will Insidern zufolge keine Lieferverträge mehr mit Huawei und ZTE abschließen. Ein entsprechendes Verbot für Regierungsbehörden sei geplant. In den westlichen Industriestaaten steht Huawei schon länger am Pranger: Dort werden eine Einflussnahme durch die Regierung in Peking, Spionage und Störung der nationalen Netze befürchtet.

Mengs Festnahme entfachte neue Sorgen vor einer Eskalation des US-Handelsstreits mit China und belastete die Börsen. „Schwer vorstellbar, dass diese Entwicklung zu einer Deeskalation im Zollstreit zwischen den USA und China beiträgt“, sagte Analyst Gregor Kuhn von Emden Research.

Liang Hua kommissarischer Finanzchef

Nach der Festnahme der Finanzchefin Meng Wanzhou in Kanada hat der weltgrößte Netzwerkausrüster Huawei den Chairman zum kommissarischen Nachfolger bestimmt. Dies geht aus einem internen Schreiben des chinesischen Großkonzerns am Freitag an seine Mitarbeiter hervor. Huawei war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Meng muss nach ihrer Festnahme mit einer Auslieferung in die USA rechnen. Die Tochter des Huawei-Gründers war am Samstag auf Ersuchen der US-Behörden festgenommen worden. Am Freitag wird die 46-Jährige in Vancouver vor Gericht für eine Kautionsanhörung erwartet. Insidern zufolge erfolgte ihre Festnahme im Zusammenhang mit US-Ermittlungen wegen des Verdachts auf Verwicklung von Banken in Verstöße gegen Iran-Sanktionen. Der Schritt schürte weltweit Sorgen vor einer erneuten Eskalation des Handelsstreits zwischen den USA und China. (APA/Reuters)

Chinesischer Technologie-Riese unter Verdacht

Der chinesische Technologiekonzern Huawei ist durch die Festnahme seiner Finanzchefin erneut in die Schlagzeilen geraten. Die Bedeutung Huaweis für China lässt wieder Sorgen um eine Eskalation des Handelskonflikts mit den USA aufkeimen.

Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Wer ist Huawei?

Huawei ist der weltgrößte Netzwerkausrüster und der zweitgrößte Produzent von Smartphones. Der Konzern hat rund 180.000 Mitarbeiter und fuhr zuletzt einen Jahresumsatz von etwa 92 Mrd. Dollar (81 Mrd. Euro) ein. Mit der Rolle als Nummer Zwei im Markt für Smartphones geben sich die Chinesen nicht zufrieden - 2019 wollen sie den Konkurrenten Samsung Electronics hier vom Thron stoßen.

Huawei wurde 1987 vom ehemaligen Militär Ren Zhengfei gegründet. Der Patriarch ist weiter an Bord, die in Kanada festgenommene Meng Wanzhou ist seine Tochter. Huawei befindet sich nach eigenen Angaben in privaten Händen, doch die genaue Eignerstruktur bleibt unbekannt.

Wie gelang der rasante Aufstieg?

Huawei war einer der ersten chinesischen Anbieter von Telekommunikationstechnik in einer Zeit, in der die Volksrepublik stark in den Ausbau ihrer Netze investierte. International betrat das Unternehmen in den 90er-Jahren die Bühne und wurde dadurch bekannt, dass es Wettbewerber drastisch unterbot. Konkurrenten warfen den Chinesen vor, abgekupferte Technik billig auf den Markt zu werfen, unter anderem Cisco zitierte Huawei vor Gericht. Doch Huawei investierte massiv in die Forschung und hat sich nun eine führende Stellung in wichtigen Telekommunikationsmärkten erobert.

Wie könnte es nun weitergehen?

Auf Drängen der USA überprüfen einige Industrieländer schon länger, ob sie Huawei überhaupt am Aufbau der Netze für den neuen Mobilfunkstandard 5G teilhaben lassen. Verdichten sich die Sicherheitsbedenken, könnte dies langfristig das Wachstum bremsen. Huawei dürfte aber als Vorzeigeunternehmen der chinesischen Hightech-Industrie im Wettlauf mit den USA weiter eine Rolle spielen.