Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 17.01.2019


Wirtschaftspolitik

Umstellung der Lohnverrechnung: Unbürokratisch zum Pensionskonto

Die Lohnverrechnung ist seit Jahresanfang vereinfacht. Von der Entbürokratisierung sollen auch die Dienstnehmer etwas haben.

Die neue Beitragsmeldung gilt als Modernisierungsprojekt der Sozialversicherung – und vereinfacht Lohnverrechnung sowie Pensionsbescheide.

© APADie neue Beitragsmeldung gilt als Modernisierungsprojekt der Sozialversicherung – und vereinfacht Lohnverrechnung sowie Pensionsbescheide.



Wien – In der Verwaltung zu sparen, ist eine Forderung, die regelmäßig kommt. Gestern präsentierte der Hauptverband der Sozialversicherungsträger sein Projekt der vereinfachten Lohnverrechnung für Unternehmen. Damit habe man einen „tatsächlich Bürokratiereform-Wurf geschafft, von dem so viele immer reden“, sagte Alexander Biach, der Vorsitzende des Hauptverbands. Ein Satz, der durchaus als Seitenhieb verstanden werden kann: Denn der Spargedanke wurde von der Regierung auch bei der umstrittenen Zusammenlegung von 21 auf fünf Krankenkassen betont.

Die „größte Umstellung der Lohnverrechnung seit den 1950er-Jahren“ (Biach) wird erreicht durch die Reduktion von drei Meldeprozessen auf einen – die neue „monatliche Beitragsgrundlagenmeldung“. Diese ersetzt „alte Doppelgleisigkeiten und Produktivitätskiller“, heißt es aus dem Hauptverband. Auch die Anmeldung neuer Mitarbeiter wurde für die Unternehmen vereinfacht. Und das System erkenne über ein elektronisches Clearingsystem Fehler automatisch, die damit sofort – ohne monatelange Kontrollen und Nachverrechnungen – korrigiert werden können. Alle Betriebe haben seit 1. Jänner die neue Software, eine Alternative gibt es nicht mehr.

Der wirkliche Härtetest kommt im Februar, wenn die Betriebe die Mitarbeiter-Abrechnungen für den Jänner machen. Die Probeläufe stimmen positiv: Das System wurde nach dreijähriger Entwicklungs- und Vorbereitungszeit bereits ein Jahr lang getestet. Die Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft BDO hat für Jänner 2019 bereits 170 Dienstnehmer mit dem neuen System abgerechnet. „Wir können grünes Licht geben, das System funktioniert“, sagte BDO-Direktor Thomas Neumann. Laut Berechnungen des Finanzministeriums werden sich die Betriebe dadurch rund 300 Millionen Euro jährlich ersparen, sagte der für das Projekt zuständige stellvertretende Generaldirektor Volker Schörghofer. Die Sozialversicherung soll sich jährlich 7,6 Mio. Euro ersparen, womit die Investitionskosten schon nach zwei Jahren amortisiert sein sollen.

Vom Weniger an Bürokratie sollen aber nicht nur die 360.000 Dienstgeber, sondern auch die 3,8 Millionen Dienstnehmer profitieren. Arbeitslosengeld, Kranken- und Wochengeld oder die Rezeptgebührenbefreiung können schneller berechnet werden. Auch Pensionsbescheide können rascher erstellt werden, das Pensionskonto, das derzeit noch auf dem Stand von 2017 ist, wird nun wesentlich aktueller sein.

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.

Versichert wird von der Hauptverbands-Spitze, dass sich am Lohnzettel nichts ändern wird, die Beiträge bleiben unverändert. (APA, ritz)