Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 05.02.2019


Exklusiv

„Keine Zwergen-Reform“, KöSt unter 20 Prozent

Wirtschaftskammerpräsident Harald Mahrer lehnt neue Feiertage und einen fixen Papamonat ab. Auch der Spitzensteuersatz solle sinken.

Harald Mahrer, Präsident der Wirtschaftskammer Österreich.

© APAHarald Mahrer, Präsident der Wirtschaftskammer Österreich.



Von Alois Vahrner

Innsbruck – Er wolle rasch alle 80 österreichischen Wirtschaftskammer-Außenstellen besuchen, mit Landeck, Imst, Innsbruck und Innsbruck-Land fehlt ihm nach seinen Besuchen im Unterland und Osttirol nur noch Reutte. Der Kontakt vor Ort sei wichtig, gerade auch für Gründer und Ausbildung. Zusammenlegungen (eine solche war einmal für Landeck und Imst ins Spiel gebracht worden) werde es nicht geben, versicherten Mahrer und auch Tirols WK-Präsident Christoph Walser sowie Wirtschaftsbund-Chef Franz Hörl.

Die Stimmung in der Wirtschaft sei gut, auch wenn sich das Wachstum heuer auf zwei Prozent abschwächen dürfte, so Mahrer. Die Erwartungen an die türkis-blaue Bundesregierung seien groß. „Es darf keine Micky-Maus- oder Zwergen-Reform geben. Es muss eine doppelte Entlastung geben – weg mit sinnloser Bürokratie – sowie eine spürbare Steuerentlastung.“

Für alle, die etwas leisten, müsse „mehr Netto vom Brutto“ übrigbleiben. Das gelte für alle Einkommensklassen und inkludiere auch eine Senkung des in Österreich extrem hohen Spitzensteuersatzes, sagt Mahrer. Hier wollte er keinen konkreten Prozentsatz nennen, genauer wurde er bei der Körperschaftsteuer, bei der Österreich mit seinen 25 Prozent als Standort vor allem einen gravierenden Nachteil gegenüber angrenzenden östlichen Nachbarländern und auch gegenüber Skandinavien habe. „Bei der KöSt muss künftig, auch als Signal für internationale Investoren, ein Einser vorne stehen.“ Bei Immobilien brauche es „realistische“ Abschreibungsfristen. Es brauche auch neue Pauschalierungen, für Käufe von Smartphones usw. sollte die Grenze für eine einjährige Abschreibung von 400 auf 1500 Euro steigen. Herunter müssten auch die Lohnnebenkosten, aus Unfallversicherung und Insolvenzfonds seien zusammen 600 Mio. Euro Entlastung möglich.

Für den Standort Österreich seien die seit September geltende Arbeitszeitflexibilisierung, weiters Verfahrensbeschleunigungen, das Standortgesetz und jetzt auch der neue Standort-Beirat für Großprojekte sehr wichtig. Österreich habe die Chance, in Rankings wieder weit nach vorne zu kommen und Unternehmen mit vielen Top-Arbeitsplätzen neu anzusiedeln. Allein über den raschen 5G-Ausbau und Hochgeschwindigkeitsnetze bis in die Täler hinein seien über zehn Jahre bis zu 40.000 neue Jobs und eine zusätzliche Wertschöpfung von 30 bis 40 Mrd. Euro möglich, betont Mahrer. Ein klares Nein kommt vom Kammer-Chef indes für einen zusätzlichen Feiertag („13 Feiertage sind genug, wir brauchen eine rasche Lösung in der Karfreitags-Frage“) sowie für den von der FPÖ ins Spiel gebrachten Rechtsanspruch auf einen Papamonat.

Das akut vielleicht größte Problem der Wirtschaft sei der Fachkräftemangel. Die Wirtschaftskammern wollen ihre Bildungsausgaben von 370 auf über 500 Mio. Euro im Jahr hochfahren, die Zahl der Geschulten soll von 900.000 auf über eine Million steigen. Geht es nach der Wirtschaft, wird die Berufsausbildung von der Lehre beginnend absolut gleichwertig mit dem schulisch-akademischen System. „Wir wollen auch eine Art Netflix für die digitale Bildung“, fordert Mahrer eine offene Plattform für diese Ausbildungen. Hier wolle man eine gemeinsame Lösung mit Deutschland und der Schweiz erreichen. Der Wettlauf um Fachkräfte werde immer härter. Oberösterreich werbe etwa mit Veranstaltungen in Wien, ganz generell zeige die Einkommenskurve für Facharbeiter klar nach oben.