Letztes Update am Mo, 28.01.2019 10:03

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


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Kaffee-Anbau in Uganda: Nicht nur kaufen, auch helfen

Der Kaffeedienstleister café+co kauft Kaffeebohnen ohne Zwischenhändler direkt von Kleinbauern aus Uganda. Damit bleibt diesen mehr Geld, um ihre Lebenssituation zu verbessern.

Plantagenbesitzerin Mabla Nansima (r.) zeigt café+co-Sprecher Fritz Kaltenegger (M.) ihre Kaffeepflanzen.

© cafe+co/RGE-MediaPlantagenbesitzerin Mabla Nansima (r.) zeigt café+co-Sprecher Fritz Kaltenegger (M.) ihre Kaffeepflanzen.



Von Verena Langegger

Kampala – Kaffee wird in Uganda nicht getrunken, er wird exportiert. Er ist mit 22 Prozent neben Tee, Mais oder Fisch Ugandas meistexportiertes landwirtschaftliches Produkt. Insgesamt wurden 2017 weltweit 158,9 Millionen Säcke Kaffee (zu je 60 Kilogramm) erzeugt. Größter Kaffeelieferant weltweit ist Brasilien (32,4 Prozent), gefolgt von Vietnam (17,9 Prozent). Uganda steuert 3,2 Prozent zur Weltkaffeeernte bei und liegt damit auf Platz acht.

Bereits seit 2012 bezieht der Kaffeedienstleister café+co Kaffee aus Uganda. Die café+co International Holding AG ist Marktführer im Bereich Automaten-Catering und der führende Kaffeedienstleister in Zentral- und Osteuropa. Derzeit gibt es zwölf operative Tochtergesellschaften in Österreich und neun weiteren Ländern. Jährlich werden an den 72.000 Standorten mehr als eine halbe Milliarde Portionen Kaffee konsumiert. Pro Jahr werden 1700 Tonnen Kaffee benötigt.

Die Kaffeesorte Bulungi wächst im Schatten von Bananenstauden.
Die Kaffeesorte Bulungi wächst im Schatten von Bananenstauden.
- cafe+co/RGE-Media

Die Holding will aber nicht nur einfach Kaffee kaufen, sondern auch helfen – etwa in Uganda eine langfristige Wirtschaftspartnerschaft mit Kleinbauern aufzubauen. Denn die Verkaufseinnahmen gehen in dieser Wirtschaftsbeziehung direkt an die Bauern. „Durch den Direktimport gibt es keine Zwischenhändler, die Kaffeebauern werden fair entlohnt und die Kooperative kann dadurch in Entwicklungsprojekte investieren, um die Lebenssituation der Menschen zu verbessern“, erklärt der Sprecher von café+co, Fritz Kaltenegger.

270 km entfernt von der Hauptstadt Kampala im Hochland liegen die Kaffeeplantagen der Banyankole Kweterana Cooperative. Gegründet wurde sie 1956. Sie besteht aus rund 100 Genossenschaften mit 30 Bauern. Die Mitglieder der Genossenschaft freuen sich über den Besuch aus Europa, die Bauern tragen ihre besten Kleider, die Männer einen Anzug, die Frauen buntgemusterte lange Kleider. Es sind Kleinbauern, ihre Kaffeeplantagen sind 2000 bis 4000 Quadratmeter groß. Sie werden naturnah bewirtschaftet und gepflegt. Diese Felder bieten ihren Familien eine Lebensgrundlage. Von der Kooperative erhalten die Bauern zudem Tipps, wie sie ihre Kaffeeplantagen in Schuss halten. Außerdem erhalten sie von der Kooperative für ihren Kaffee einen besseren Preis, als sie ihn auf einem der Märkte bekommen würden.

Mabla Nansima führt ihre Kaffeeplantage äußerst erfolgreich. Sie konnte durch Verbesserungen die Qualität ihrer Bohnen steigern und dadurch ihren Ertrag vergrößern. Der Preis von Kaffee am Weltmarkt schwankt, im Dezember 2018 kostete ein Pfund der Sorte Arabica durchschnittlich 127,86 US-Cent. Dem Preis zugrunde liegt der gewichtete Durchschnittspreis, der für ein Pfund Kaffee an den Rohstoffbörsen in New York und Deutschland (Frankreich im Falle von Robusta) erzielt werden konnte.

Die Bohnen werden gepflückt.
Die Bohnen werden gepflückt.
- cafe+co/RGE-Media

Um die Lebenssituation der Kleinbauern zu verbessern, werden aber nicht nur Kaffeebohnen direkt von der Genossenschaft gekauft, in zehn Grundschulen der Kooperative werden zudem zehn Regenwassertanks aufgestellt, um in Zukunft das notwendige Wasser zur Verbesserung der Hygiene und zur Sicherung der Trinkwasserressourcen zu speichern. Unternehmenssprecher Kaltenegger sieht dies als weiteren Beitrag zur Entwicklung der Region.

Eingefädelt wurde die Zusammenarbeit von der Uganda Investment Authority. Diese fördert Investitionsprojekte, stellt Nutzflächen bereit und fördert ein wettbewerbsfähiges Geschäftsumfeld. Olivia Mugabe-Mitterer, selbst in Uganda in einer Nomadenfamilie aufgewachsen, stellt seit ca. sieben Jahren in ihrem Job als Uganda-Investment-Trade Officer wirtschaftliche und touristische Verbindungen zwischen Uganda und Österreich her. „Seit 20 Jahren ist das Land sicher, das ist gut für die Wirtschaft“, sagt sie. Deshalb versuche sie, in Österreich und Europa die Chancen, die es in Uganda gibt, aufzuzeigen. Sie versucht Joint Ventures einzufädeln und betreibt Marktentwicklung für hochwertige Produkte. Insgesamt betreut sie zusammen mit der Wirtschaftskammer an die 30 Firmen. Mit café+co arbeitet Mugabe-Mitterer schon länger zusammen. Sie freut sich, dass die neue Kaffeesorte Bulungi nun am Weg nach Europa ist. Am 20. Februar soll die neue Mischung vorgestellt werden. Geröstet wird der Rohkaffee aus Uganda bei der Wiener Kaffee-Manufaktur Naber. Derzeit sind die 60-Kilogramm-Säcke mit den grünen Kaffeebohnen noch auf ihrem Weg nach Wien. Von der Mbarara-Hochebene Ugandas geht es mit dem Lkw nach Mombasa, dann wird der Kaffee auf ein Frachtschiff verladen, das durch den Suezkanal nach Hamburg gelangt, von dort geht es wieder mit dem Lkw nach Wien.

Die Tiroler Tageszeitung war auf Einladung von café+co in Uganda.

Die Bewohner der Slums in Uganda verkaufen Produkte am Straßenrand. Ihr Einkommen liegt bei wenigen Dollar monatlich.
Die Bewohner der Slums in Uganda verkaufen Produkte am Straßenrand. Ihr Einkommen liegt bei wenigen Dollar monatlich.
- iStock

70 Prozent der Exporte gehen nach Europa

Kampala – Bis zu vier Millionen Ugander (von rund 42 Millionen Bewohnern) leben von Kaffeeanbau, -verarbeitung und -export. Damit steuerte der Kaffee in den letzten Jahren bis zu 25 Prozent zu den Exporteinnahmen bei.

Uganda produziert zu 80 Prozent die Sorte „Robusta“ und zu 20 Prozent „Arabica“-Kaffee. Das Robusta-Gebiet ist die Hochebene nördlich des Victoriasees auf rund 1000 Metern. Kaffee aus Uganda hat einen starken Eigengeschmack. Die afrikanischen Kaffeebohnen haben eine charakteristisch fruchtige Note.

Uganda ist nach Äthiopien der zweitgrößte Kaffee-Exporteur in Afrika. Erzeugt werden bis zu 2,5 Prozent der Welternte an Kaffee. (ver)