Letztes Update am Mo, 11.02.2019 13:47

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tourismus

Hotellerie warnt vor illegalen Praktiken der Buchungsplattformen

Die Touristiker fordern eine österreichweite Registrierungspflicht für Airbnb. Die niedrigsten Preise und gleichzeitig hohe Kommissionen einzufordern, ist laut ÖHV in Österreich verboten.

Das System laufe darauf hinaus, dass Hoteliers auf anderen Plattformen nicht günstiger anbieten sollen als auf Booking.com.

© iStockDas System laufe darauf hinaus, dass Hoteliers auf anderen Plattformen nicht günstiger anbieten sollen als auf Booking.com.



Wien – Die Österreichische Hoteliervereinigung (ÖHV) warnt in einer Aussendung vor in Österreich verbotenen Geschäftspraktiken der Buchungsplattform booking.com. „Hotelnächtigungen haben ihren Marktwert. Werden sie über teure Portale gebucht, entstehen zusätzliche Kosten“, erklärt Dr. Markus Gratzer, Generalsekretär der ÖHV und verweist auf teils hohe Kommissionen, die Booking.com den Hotels verrechnet. Will die Plattform den Kunden dennoch Bestpreise anbieten, verkaufe sie Gästen unter dem Label ‚Booking.Basic‘ Kontingente für Reiseveranstalter – zu Konditionen für Reiseveranstalter: „Das wälzt das komplette Risiko auf den Gast über. Ist das Zimmer gebucht, gibt es kein Zurück mehr. Egal, was passiert“, betont Gratzer.

„Verlierer sind die Gäste“

Das System laufe darauf hinaus, dass Hoteliers auf anderen Plattformen nicht günstiger anbieten sollen als auf Booking.com. So sei einem Londoner Hotelier erklärt worden, er müsse seinen „Price Quality Score“ verbessern, um wieder über das reguläre Portal vertrieben zu werden anstatt über Booking.Basic. Der Score zeigt, ob Hotels Zimmer anderswo günstiger anbieten als auf Booking.com. „In Österreich widerspräche das allerdings dem Gesetz, so Gratzer.

Hotels schlechter ranken, weil sie anderswo billiger anbieten

Die niedrigsten Preise und gleichzeitig hohe Kommissionen einzufordern, sei in Österreich verboten. In Deutschland geschehe laut Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) genau das. Online-Plattformen reihen Hotels in Rankings zurück, wenn sie ihre Zimmer anderswo günstiger anbieten. „Das soll Wettbewerb verhindern, zum Nachteil der Gäste. In Österreich ist das dank ÖHV nicht möglich“, so Gratzer.

Immense wirtschaftliche Bedeutung

Das sei nicht nur für die Hotels und ihre Mitarbeiter wichtig, sondern für den gesamten Standort: Laut ZEW sind Vergleichsportale der Hotellerie sowohl nach der Anzahl an Visits und Vermittlungen als auch nach der Höhe der Umsätze von allen untersuchten Branchen mit Abstand die bedeutendsten in Deutschland. „In Österreich ist der Tourismus noch bedeutender als im Industrieland Deutschland, da sind gute Gesetze noch wichtiger“, betont Gratzer. Er hoffe, dass Tourismusministerin Elli Köstinger der zukünftigen Entwicklung im Online-Vertrieb bei der Erstellung der neuen Tourismus-Strategie entsprechend Platz einräumt.

Registrierungspflicht für Airbnb

Die Tourismusbranche schießt sich auch auf Buchungsplattformen wie Airbnb ein und verlangt eine Registrierungspflicht sowie schärfere Kontrollen bei den Steuerabgaben. „Dieser vollkommen unregulierte Markt wächst vor unseren Augen in einem Ausmaß, wo man als Verantwortungsträger nicht mehr wegschauen kann“, so Michaela Reitterer, Präsidentin der Österreichischen Hoteliervereinigung, per Aussendung.

Nachdem Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) am Wochenende eine Registrierungspflicht und eine Verschärfung des Nächtigungsabgabegesetzes verlangt hatten, ziehen die österreichische Hoteliervereinigung (ÖHV), der Fachverband für Hotellerie und die Tourismussparte der WKÖ nach. Im Land Salzburg gibt es seit zwei Monaten einen Vorschlag für schärfere Regeln.

Die ÖHV habe der Regierung bereits einen Gesetzesvorschlag unterbreitet, der Vermietern Rechtssicherheit garantieren, öffentliche Einnahmen generieren und einen Überblick über den Markt schaffen soll. Außerdem sollen bessere Voraussetzungen für die Kontrolle und Verfolgung von Steuervergehen im In- und Ausland geschaffen werden, schreibt Reitterer. (TT, APA)