Letztes Update am Mi, 13.02.2019 12:46

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Steuern

Industrie will KÖSt-Senkung jetzt, Kreditnachfrage zurückgegangen

Heimische Wirtschaft finanziere sich überwiegend über Eigenkapital und Bankkredite, wobei Fremdkapital laut IV steuerlich bevorzugt behandelt werde.

Österreichische Unternehmen finanzieren sich zu einem Drittel durch Eigenkapital und zu einem Drittel über Bankkredite.

© istockÖsterreichische Unternehmen finanzieren sich zu einem Drittel durch Eigenkapital und zu einem Drittel über Bankkredite.



Wien – Die Industriellenvereinigung (IV) hat bereits bekannte Forderungen erneut aufs Tapet gebracht. Um die Unternehmen zu entlasten, plädiert die Interessensvertretung schon lange für eine Senkung der Körperschaftsteuer (KÖSt) im „spürbaren Ausmaß“.

Zur Untermauerung ihrer Forderung haben IV und Aktienforum beim Wirtschaftsforschungsinstitut Wifo eine Untersuchung in Auftrag gegeben, die Quellen der Unternehmensfinanzierung aufzeigt. Das Ergebnis: Österreichische Unternehmen finanzieren sich zu einem Drittel durch Eigenkapital und zu einem Drittel über Bankkredite, wobei die Finanzierung über Kredite seit der Finanzkrise 2008 abgenommen hat.

Das liege nicht an strengeren Vorschriften für Banken bei der Kreditvergabe, sondern es seien seitens der Unternehmen weniger Kredite nachgefragt worden, sagte Thomas Url vom Wifo. „Die Eigenfinanzierungskraft der Unternehmen ist sehr gut“, so Url.

Kapitalmarkt kaum nachgefragt

Weit abgeschlagen auf Platz drei liegt der Kapitalmarkt (Aktien, Anleihen usw.) als Finanzierungsquelle. Neue Finanzierungsformen wie Crowdfunding, Business Angels, Private Equity oder Venture Capital liegen mit unter 1 Prozent derzeit noch unter der Wahrnehmungsschwelle.

„Die österreichische Wirtschaft finanziert sich überwiegend über konventionelle Instrumente“, so Urls Resümee. Um einen Eigenkapitalaufbau zu ermöglichen, sei eine Entlastung in Sachen KÖSt unumgänglich, forderte auch der Präsident des Aktienforums, Robert Ottel. Zur Kapitalmarktbelebung seien darüber hinaus eine Steuerbefreiung für Aktiengewinne sowie die Wiedereinführung der Spekulationsfrist nötig.

Derzeit beträgt die Körperschaftssteuer für Unternehmen 25 Prozent. Vertretern der Wirtschaft ist das zu hoch. Die Regierung hat Maßnahmen zur Attraktivierung des Wirtschaftsstandortes erst für 2022 angekündigt.

Die IV wünscht sich die KÖSt-Senkung allerdings früher. Derzeit bevorzuge die steuerliche Behandlung die Fremd- vor der Eigenkapitalfinanzierung, da sich die Zinsen für Fremdkapital steuerlich absetzen ließen. Eine Senkung der Steuer auf Unternehmensgewinne würde die Eigenkapitalquote aus Sicht der Industriellenvereinigung stärken, Anreize für Investitionen schaffen sowie ausländische Direktinvestitionen ankurbeln. (APA)