Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 07.03.2019


Exklusiv

Anlegerhotels rücken erneut in den Fokus

Schnäppchen-Urlaub rückt Thema Investorenhotel wieder ins Zentrum. Kritik Richtung ÖVP und an Billig-Angeboten geförderter Hotels.

Das Geschäftsmodell von Investoren-Wohnungen, die über einen Hotelbetreiber an Touristen vermietet werden, sorgen für Kritik.

© Getty Images/iStockphotoDas Geschäftsmodell von Investoren-Wohnungen, die über einen Hotelbetreiber an Touristen vermietet werden, sorgen für Kritik.



Von Max Strozzi

Innsbruck – Das Schnäppchen-Angebot eines Vaya-Großresorts in Fieberbrunn, das als umstrittenes Investoren-Modell geführt wird, schlägt Wellen. Hotellerie-Obmann und ÖVP-LA Mario Gerber sieht dadurch die heimische Hotellerie unter Druck gesetzt und fordert ein Ende von Investoren-Großprojekten. Solche Modelle, bei denen sich – meist ausländische – Investoren in neu errichteten Großanlagen Wohnungen kaufen und sie einem Hotelbetrieb zur Urlaubervermietung überlassen, seien in Tirol „völlig aus dem Ruder gelaufen“.

Tirols NEOS-Chef Dominik Oberhofer bezeichnet Gerbers Kritik als „scheinheilig“. Oberhofer: „Wenn Kollege Gerber die Dumpingangebote verschiedener Diskont-Reiseveranstalter kritisiert, muss er als ÖVP-Tourismussprecher auch die Verantwortung für die gescheiterte Förderungspolitik im Tourismus übernehmen.“ Oberhofer bezieht sich auf Hotels, die mit Landesmitteln gefördert wurden und ebenfalls mit Schnäppchen-Angeboten werben würden. So habe das 375-Betten-Hotel Goldried in Matrei in Osttirol im Jahr 2017 aus dem Impulspaket 601.000 Euro Landesförderung für eine neue Wellnessanlage erhalten. „Im Hofer-Reiseprospekt findet sich auch ein Angebot von eben diesem geförderten Hotel: Eine Woche für zwei Erwachsene und zwei Kinder inkl. Halbpension werden für 34,92 Euro pro Kopf pro Nacht angeboten“, so Oberhofer. Auch für die internationale Explorer-Hotelkette wären beinahe 439.000 Euro an Landesmitteln geflossen, wenn es seine Partei nicht öffentlich gemacht hätte, betont er.

Liste-Fritz-Vize Markus Sint ortet bei Gerber späte Einsicht. „Wenn sich der oberste Tourismuslobbyist und ÖVP-Landtagsabgeordnete Mario Gerber schockiert darüber zeigt, dass das Konzept der Investorenmodelle völlig aus dem Ruder läuft, ist das eine reichlich späte und unglaubwürdige Erkenntnis“, so Sint. Touristiker hätten selbst im Zusammenspiel mit der ÖVP-Politik diese Investorenmodelle gefordert und möglich gemacht. „Dazu sind noch einige ÖVP-Bürgermeister gekommen, die solchen Investorenmodellen die notwendige Widmung erteilt haben, und eine ÖVP-dominierte Landesregierung, die sie gewähren ließ“, kritisiert Sint. Investorenmodelle würden nicht dem Tourismus nutzen, seien reine Kapitalanlagen.

„Den Bürgermeistern fehlt oftmals das Gespür für den Tourismus“, meint FP-LA Alexander Gamper. Die Gemeinden hätten alle Möglichkeiten, gegen Investorenmodelle vorzugehen. „Nur fehlt es ihnen an Mut und am Weitblick der entscheidenden Organe.“

Die Osttiroler SP-LA Elisabeth Blanik plädiert für eine regional differenzierte Betrachtung. Sie könne die Mahnungen nachvollziehen, „aber wir haben Regionen, die sich unterschiedlich entwickelt haben“.




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