Letztes Update am Di, 12.03.2019 10:33

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Fachkräftemangel

Jeder fünfte Mittelständler in Österreich beschäftigt Flüchtlinge

Wegen des akuten Fachkräftemangels verlieren bereits 40 Prozent der mittelständischen Unternehmen Umsätze. Fast jeder fünfte von ihnen beschäftigt bereits Flüchtlinge.

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© Thomas BöhmSymbolfoto.



Wien – Der Fachkräftemangel belastet Österreichs mittelständische Unternehmen, 40 Prozent der Befragten verlieren deswegen Umsätze, geht aus einer Studie des Beraters EY hervor. Fast jeder fünfte Mittelständler beschäftigt der Umfrage zufolge bereits Flüchtlinge, weitere 42 Prozent würden Flüchtlinge beschäftigten. Ein großer Teil spricht sich für ein Bleiberecht für Asylwerber in Lehre aus.

52 Prozent waren dafür, dass Asylwerber eine Stelle in Österreich annehmen dürfen, weitere 25 Prozent waren eher dafür. Auf die Frage, ob Asylwerber, die eine Lehrstelle haben, das Bleiberecht in Österreich bekommen sollen antworteten 45 Prozent mit „ja“ und 25 Prozent mit „eher ja“. 26 Prozent waren dagegen, die restlichen 4 Prozent gaben „eher nein“ an, wie aus der aktuellen Studie „Fachkräftemangel im österreichischen Mittelstand“ hervorgeht, für die österreichweit 900 mittelständische Unternehmen im Dezember 2018 und im Jänner 2019 befragt wurden.

22 Prozent der Tiroler Mittelständlich beschäftigen Flüchtlinge

Fast ein Fünftel (19 Prozent) beschäftigt Flüchtlinge. Der Anteil ist in Vorarlberg mit 44 Prozent am höchsten. Dahinter folgen Tirol (22 Prozent), Oberösterreich (21 Prozent) sowie Wien und Salzburg (je 20 Prozent). Weniger sind es im Süden des Landes: 7 Prozent der steirischen Unternehmen und 11 Prozent der Kärntner Betriebe beschäftigen Flüchtlinge. Im Burgenland liegt der Anteil bei 14 Prozent, in Niederösterreich bei 13 Prozent. Nach Branchen betrachtet beschäftigt ein Drittel (32 Prozent) der Mittelständler im Gesundheitsbereich Flüchtlinge, im Tourismus ein Viertel (26 Prozent) und in der Industrie 22 Prozent.

Als größte Hürden für die Einstellung von Flüchtlingen sehen die Unternehmen laut EY-Pressemitteilung mangelnde Deutschkenntnisse (80 Prozent), die unklare Rechtslage während laufender Asylverfahren (54 Prozent), mangelnde Qualifikationen (49 Prozent) und fehlende Planungssicherheit (47 Prozent).

Fachkräftemangel immer bedrohlicher

Der Fachkräftemangel werde für den österreichischen Mittelstand immer bedrohlicher und dämpfe das Wachstum massiv, so EY. Der Anteil der Unternehmen, die ihn als Gefahr für die Entwicklung des eigenen Betriebs sehen, sei von 59 auf 69 Prozent gestiegen. Rund 32 Prozent hätten angegeben, die Belegschaft in den kommenden sechs Monaten aufstocken zu wollen (nach 35 Prozent im Jänner 2018). 6 Prozent gingen von sinkenden Mitarbeiterzahlen aus. Große Probleme bei der Rekrutierung von Fachkräften gäben seit 2018 gleichbleibend 30 Prozent an, 2015 seien es noch 15 Prozent gewesen. Weitere 53 Prozent hätten angegeben, dass ihnen die Suche nach qualifizierten Mitarbeitern „eher schwer“ fällt.

Probleme bei der Fachkräftesuche hätten Unternehmen in ganz Österreich, es gebe aber ein regionales Gefälle: Während die Situation in den östlichen Bundesländern noch vergleichsweise gut sei, kämpften der Westen und Süden Österreichs mit den größten Problemen. Am kritischsten sei der Fachkräftemangel momentan bei Unternehmen in Vorarlberg, wo 35 Prozent „große“ und 57 Prozent „eher große“ Probleme hätten. Am besten sei die Situation noch in Wien – allerdings klagen im bevölkerungsreichsten Bundesland immer noch 17 Prozent über „große“ und weitere 53 Prozent über „eher große“ Schwierigkeiten bei der Fachkräfterekrutierung.

Vor allem Produktion betroffen

Zahlreiche Firmen müssen deswegen Stellen unbesetzt lassen. Betroffen sei vor allem die Produktion – jedes vierte Unternehmen (24 Prozent) lasse Positionen unbesetzt. Im Marketing oder Vertrieb seien es 14 Prozent, im Bereich IT/EDV 12 Prozent. Am stärksten betroffen seien die Immobilienbranche und die Industrieunternehmen – in diesen Branchen falle es neun von zehn Unternehmen eher oder sehr schwer, ausreichend qualifizierte Mitarbeiter zu finden.

„Es gibt innerhalb Österreichs keine Branche und keinen Ort mehr, der vom Fachkräftemangel verschont bleibt“, so Erich Lehner, Managing Partner bei EY Österreich. „Die Unternehmen müssen erfinderischer werden, um wirklich auch jedes Potenzial zu nutzen.“

Der leer gefegte Arbeitsmarkt koste die Unternehmen insgesamt viel Geld: 40 Prozent beklagten Umsatzeinbußen wegen des Fachkräftemangels. 5 Prozent würden dadurch sogar mehr als 5 Prozent ihres Jahresumsatzes verlieren. Besonders gravierend seine die Folgen in der Immobilienbranche sowie im Bereich Transport und Verkehr.

Das neue Gesetz zur Arbeitszeitflexibilisierung sehen 24 Prozent uneingeschränkt positiv und 26 Prozent eher positiv. Kritisch stehen ihr nur 10 Prozent gegenüber. (APA)