Letztes Update am Fr, 15.03.2019 14:30

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Hintergrund

Trump droht erneut mit Zöllen, US-Wirtschaft als Verlierer

Der Sonderzoll auf Stahl und Aluminium schützt die US-Stahlproduzenten zwar kurzfristig, führt aber generell dazu, dass die stahlabhängige Industrie auf lange Sicht Schaden nimmt.

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Washington – US-Präsident Donald Trump hat von der EU Dialogbereitschaft im Handelskonflikt eingefordert, um Zölle abzuwenden. Falls die EU nicht mit den USA sprechen wolle, würden deren Produkte mit Zöllen belegt, drohte er am Donnerstag auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem irischen Regierungschef Leo Varadkar.

Trump hatte bereits vorigen Monat angekündigt, er wolle seine Entscheidung über die Einführung höherer Importzölle für Autos davon abhängig machen, ob ein Handelsabkommen mit der EU erzielt werde. Die EU steht zur Diskussion über Auto-Zölle bereit. Sie ist jedoch laut EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström nicht zum Abbau von Einfuhr-Zöllen auf landwirtschaftliche Produkte bereit.

Verlierer auf dem eigenen Markt

Indessen wird klar, dass US-Firmen durch Strafzölle auch kräftig unter Druck geraten. So kassieren die USA seit einem Jahr Strafzölle auf Stahl und Aluminium. Präsident Donald Trump führte die Sonderabgabe unter Berufung auf „Section 232“ (Abschnitt 232, Anm.) des Trade Expansion Act aus dem Jahr 1962 - Gefährdung der nationalen Sicherheit - ein. Damit schadet er aber zum Teil auch der eigenen Wirtschaft, so Experten der Boston Consulting Group.

Während die US-Stahlhersteller profitieren, leidet dem Unternehmensberater BCG zufolge die dortige metallverarbeitende Industrie, in der zehn- bis zwanzigmal mehr Mitarbeiter beschäftigt seien als in der Stahlindustrie: Höhere Stahlpreise drückten bei den Verarbeitern die Gewinne, schwächten die Konkurrenzfähigkeit und kosteten Jobs. Demgegenüber habe sich die Kapazitätsausnutzung der Stahlerzeuger des Landes 2018 aber von 75 auf 81 Prozent verbessert und damit das Ziel der US-Regierung sogar um einen Prozentpunkt übererfüllt, heißt es in einer aktuellen Studie, die seit heute, Freitag, vorliegt.

Negativ bewertet werden die protektionistischen Maßnahmen laut BCG auch vonseiten vieler Investoren, da diesen der Glaube an die Nachhaltigkeit der Zölle, die seit 1. Juni 2018 auch für Stahlimporte aus der EU gelten, fehle. Die Aktienkurse der amerikanischen Stahlriesen seien 2018 im Vergleich zum US-Börsenleitindex Dow Jones Industrial um mehr als 30 Prozent eingebrochen.

Schutzzölle in der EU

Damit ursprünglich für die USA gedachte Stahllieferungen nicht den europäischen Markt fluten, führte in weiterer Folge auch die EU eigene Schutzzölle auf weltweite Stahlimporte ein. Für 26 Kategorien von Stahlprodukten gilt nun ein Sonderzoll von 25 Prozent, wenn historische Importmengen überschritten werden. Zusätzlich verhängte die EU Strafzölle auf US-Vorzeigeprodukte wie Motorräder und Whiskey.

Die Maßnahme der EU, höhere Zölle auf Stahl zu verlangen, sei „das Mindestmaß, um eine Überschwemmung des europäischen Marktes zu verhindern“, betonte der Konzernchef des österreichischen Stahlriesen voestalpine, Wolfgang Eder, dieser Tage vor Journalisten in Wien. China, Indien und Brasilien suchten nach Ersatzmärkten. „Würde Europa nichts machen, wäre Europa globaler Drittmarkt, wo sich alle treffen würden.“ Man versuche, den „Spagat zwischen wirtschaftlicher Notwendigkeit und handelstechnischer Sinnhaftigkeit“ zu schaffen, so der CEO.

Nun drohen Zölle auf Autos

Probleme könnte aber vor allem deutsche Firmen bekommen, falls die US-Regierung ihre Strafzölle nach „Section 232“ auf die Autobranche ausweitete, heißt es in der Studie.

Derzeit erheben die USA einen Zoll von 2,5 Prozent auf Pkw und 25 Prozent auf Pick-ups aus der EU. Die EU wiederum verlangt 10 Prozent Zoll auf US-Autos. Trump droht aber seit Monaten mit Strafzöllen von bis zu 25 Prozent auf europäische Autos - das wäre ein schwerer Schlag für die deutsche Autoindustrie. Über den Umweg Deutschland könnte das indirekt auch die österreichische Kfz-Zulieferindustrie treffen, die eng mit den deutschen Autoherstellern verflochten ist weiter. (APA, TT.com)