Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 04.04.2019


Tirol

30.000 Tiroler sind auf dem Weg in die Überschuldung

Im Vorjahr waren die 4088 Klienten der Schuldenberatung mit durchschnittlich knapp 85.000 Euro verschuldet.

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Von Max Strozzi

Innsbruck – 4088 Tiroler wurden im vergangenen Jahr von der Schuldenberatung Tirol betreut. „Das bedeutet eine neue Höchstmarke“, sagt Thomas Pachl, Leiter der Schuldenberatung. Grund dafür ist die 2017 noch unter der SPÖ/ÖVP-Regierung erfolgte Reform des Insolvenzrechts, die überschuldeten Menschen einen Neustart erleichtert. „Das hat einen regelrechten Ansturm auf die Schuldenberatung ausgelöst“, so Pachl. Entsprechend ist die Zahl der Schuldenregulierungen via Schuldenberatung im Vorjahr um 80 % auf 720 gestiegen. Die Insolvenzreform sei „eine große soziale Leistung der damaligen Regierung“ gewesen. „Damit hat man vielen Menschen geholfen“, sagt Pachl.

Der Leidensweg, ehe man in der Schuldenberatung landet, ist für Betroffene oft ein langer. „Die ‚Verschuldungskarriere‘ vom Kredit bis zur Schuldenberatung dauert fünf bis zehn Jahre“, weiß Pachl. Rechne man also die aktuell rund 4000 Klienten bei der Schuldenberatung auf die nächsten Jahre hoch, ergäben sich derzeit 20.000 Personen, die auf dem Weg in die Schuldenfalle sind. Hinzu kämen, so Pachl, jene, die nicht in die Schuldenberatung kommen, sondern etwa durch Schwarzarbeit versuchen, den Schuldenberg abzutragen. „Auch wenn es nur hochgerechnet ist: Ich würde sagen, dass etwa 30.000 Menschen in Tirol auf dem Weg zur Überschuldung oder bereits überschuldet sind“, sagt Pachl.

Im Vorjahr waren die 4088 Klienten der Schuldenberatung mit durchschnittlich knapp 85.000 Euro verschuldet. Hauptursachen der Überschuldung waren nach wie vor der Jobverlust, eine gescheiterte Selbstständigkeit und das Konsumverhalten. Wobei Ex-Selbstständige im Schnitt mit knapp 150.000 Euro höher verschuldet sind als Nicht-Selbstständige (knapp 60.000 Euro).

Heuer rechnet Pachl mit einem Rückgang der Schuldenberatungs-Klienten auf ein „normales Niveau“ von etwa 3300 bis 3500 Personen.