Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 11.04.2019


Digitalisierung

Ultraschnelles Netz nicht überall: Mit Glasfaser gegen „digitale Kluft“

Der Gemeindebund und Tech-Experten befürchten ein Stadt-Land-Gefälle beim ultraschnellen Netz.

n Tirol betreut die Breitbandserviceagentur die Gemeinden und koordiniert die Glasfaserversorgung.

© Getty Images/amana images RFn Tirol betreut die Breitbandserviceagentur die Gemeinden und koordiniert die Glasfaserversorgung.



Von Cornelia Ritzer

Wien – Heute ist es undenkbar, dass entlegende Ortschaften oder Höfe nicht an das Stromnetz angebunden sind. Der Ausbau einer leistungsfähigen Datenverbindung könnte aber vor dieser „letzten Meile“ Halt machen. Die großen Telekomkonzerne würden die Kosten scheuen, als Ersatz würden die Haushalte über bestehende Kupferleitungen mit Internet versorgt. „Diese genügen jedoch zukünftigen Anforderungen nicht“, sagt Heinz Pabisch, Vizepräsident von CMG (Computer Measurement Group). Die Forderung der NGO, die Glasfaser flächendeckend für alle will, lautet: „Wir brauchen den politischen Willen für Glasfaser bis zum letzten Haus.“ Kompromisse wie die Versorgung durch ein 5G-Mobilnetz würden nicht ausreichen. „In einem Glasfasernetz erreichen Datenraten, Latenzzeiten und besonders die Zuverlässigkeit Werte, die in einem Mobilfunknetz nicht realisierbar sind“, warnt Pabisch. Die Kosten für den Austausch des Kupfernetzes gegen Glasfaser werden auf 10 bis 12 Mrd. Euro geschätzt.

Unterstützt wird der Ruf nach einer modernen Netzinfrastruktur von den Gemeinden. „Das ist die zentrale Zukunftsfrage, damit die Menschen nicht noch mehr in Städte abwandern“, sagt Johannes Pressl, Vorsitzender im Arbeitskreis Digitalisierung im Gemeindebund. „Digitale medizinische Hilfen, autonome Fahrzeuge, moderne Betriebe, deren Maschinen in Echtzeit in alle Welt kommunizieren, und hochwertige Sicherheitssysteme – das alles muss am Land zu gleichen Bedingungen möglich sein“, appelliert er.

In Österreich wird der Regierungsfahrplan in der demnächst erscheinenden Breitbandstrategie 2030 geregelt. Der Gemeindebund regt als Maßnahme gegen die digitale Kluft zwischen ländlichem Raum und Ballungszentren einen Glasfaserfonds an – ähnlich dem Wasserwirtschaftsfonds zur Errichtung der Kanalisation und Wasserversorgungsanlagen. Die Refinanzierung könnte über Anschlussgebühren, laufende Betriebseinnahmen sowie Zinszuschüsse erfolgen. Von der RTR wünscht sich der Gemeindebund dafür entsprechende regulatorische Vorgaben, um die Investition in die Infrastruktur zu schützen und mehrfachen Überbau zu vermeiden.