Letztes Update am Do, 11.04.2019 15:14

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Einkommen

OECD-Studie: Mittelschicht in Industrieländern schrumpft

Einkommensentwicklung und Wohnkosten sind laut OECD für den Rückgang der Mittelschicht verantwortlich. Der Anteil der Haushalte mit mittlerem Einkommen ist in Österreich aber höher als im Schnitt.

Etwa ein Drittel ihres Einkommens muss die Mittelschicht für die Wohnkosten aufwenden, 1995 war es lediglich ein Viertel.

© iStockEtwa ein Drittel ihres Einkommens muss die Mittelschicht für die Wohnkosten aufwenden, 1995 war es lediglich ein Viertel.



Berlin, Wien – Die Mittelschicht in den Industriestaaten schrumpft einer Studie der OECD zufolge. Ihr Anteil sei von 64 Prozent in den 1980er-Jahren auf aktuell 61 Prozent gesunken, wie die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) unter Berufung auf die am Mittwoch veröffentlichte Untersuchung in ihren 36 Mitgliedsstaaten mitteilte.

Als Mittelklasse definiert sie Haushalte mit einem Einkommen, das zwischen 75 und 200 Prozent des jeweiligen nationalen Medians liegt. In Österreich ist ihr Anteil laut der Studie mit 67 Prozent überdurchschnittlich groß.

Automatisierung bedroht auch Mittelschicht

„Die Regierungen müssen auf die Sorgen der Menschen hören und den Lebensstandard der Mittelschicht schützen und fördern“, forderte OECD-Generalsekretär Angel Gurria. So sollten Arbeitseinkommen weniger, Einkünfte aus Kapital, Eigentum und Erbschaften dagegen stärker besteuert werden. Die OECD hält ein Gegensteuern auch deshalb für geboten, da die Automatisierung etwa jeden sechsten Mittelschichts-Arbeitsplatz bedrohe. Dies trifft auch auf Österreich zu.

68 Prozent der Babyboomer - zu denen die Jahrgänge zwischen 1942 und 1964 gezählt werden - gehörten der Mittelschicht an, als sie in ihren Zwanzigern waren. Bei den sogenannten Millennials, die zwischen 1983 und 2002 geboren wurden, sind es hingegen nur 60 Prozent. „Die Generation der Millennials findet sich deutlich seltener in der Mittelschicht wieder als vorherige Generationen“, fasste die OECD zusammen.

Wohnkosten machen Mittelschicht zu schaffen

Die OECD macht dafür die Einkommensentwicklung verantwortlich. So sei das Durchschnittseinkommen der Mittelschicht in den vergangenen drei Jahrzehnten um ein Drittel langsamer gestiegen als das der reichsten zehn Prozent. Zudem seien die Wohnkosten kräftig gestiegen: Etwa ein Drittel ihres Einkommens muss die Mittelschicht dafür aufwenden, 1995 war es lediglich ein Viertel. In Österreich, das einen vergleichsweise geringen Wert aufweist, stieg der Anteil der OECD zufolge von 22 (2005) auf 27 Prozent (2015). Für das Jahrzehnt zuvor wurde nur eine Steigerung von einem Prozent ausgewiesen.

Auch die Kosten für Bildung und Gesundheitsfürsorge legten in den Industriestaaten deutlich zu. 47 Prozent der befragten Mittelschichts-Haushalte haben laut OECD Probleme damit, mit dem eigenen Einkommen über die Runden zu kommen. In Österreich sind es zumindest nur 28 Prozent. (APA, Reuters)