Letztes Update am Mo, 29.04.2019 16:10

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Forschung

Forschungsrat: „Österreich wird Innovationsziele nicht erreichen“

Ein Bericht zur wissenschaftlichen und technologischen Leistungsfähigkeit Österreichs konstatiert hohen Input, aber mangelnden Output.

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Wien – Die Regierung hat sich 2011 das Ziel gesetzt, bis 2020 in die Gruppe der führenden Innovationsländer vorzustoßen. Seither sei vieles in diesem Bereich geschehen, konstatiert der Forschungsrat (RFT) in seinem neuen „Bericht zur wissenschaftlichen und technologischen Leistungsfähigkeit Österreichs“. Doch der Abstand zur Spitzengruppe sei gleich geblieben, Österreich werde sein Ziel nicht erreichen.

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Seit 2012 bewertet der Forschungsrat auf Wunsch der Regierung jährlich die Performance Österreichs anhand von 74 Indikatoren unter anderem in den Bereichen Bildung, Forschung, Innovation, Gründungsdynamik oder Forschungsfinanzierung. In seinem aktuellen, am Montag in Wien präsentierten Bericht zeigt das Beratungsgremium nun, dass Österreich nur in einem Drittel dieser Indikatoren sein Ziel erreichen wird, bei zwei Drittel agiert das Land unter dem Niveau der Innovations-Leader.

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„Man muss auch Tore schießen“

„Wir werden das Ziel, Innovationsführer zu werden, nicht erreichen und nicht einmal in die Gruppe der Innovations-Leader - die meisten davon kleine Länder - vorgedrungen sein“, sagte Forschungsratschef Hannes Androsch und verwies allerdings auf die hohe Forschungsquote von 3,19 Prozent. Dieser Anteil der Forschungsausgaben am BIP sei der zweithöchste in Europa hinter Schweden. Doch der hohe Input ist nur eine Seite der Medaille, das Problem sei, dass Österreich beim „Output seine Topposition nicht halten kann“. Vielmehr erreiche das Land – so wie schon 2011 – nur Rang zehn im European Innovation Scoreboard (EIS), in dem die Innovationsperformance der EU-Ländern gemessen wird. Nach zwischenzeitlicher Verbesserung ist man in dem Ranking wieder zurückgefallen. „Es reicht nicht, eine gute Mannschaft aufzustellen, man muss auch Tore schießen“, so der Geschäftsführer der RFT-Geschäftsstelle, Ludovit Garzik.

Dass Österreich nicht zu den Innovations-Führern gehöre sei Faktum, der Rat empfehle deshalb aber nicht, mehr Geld in die Forschung zu stecken, so der stellvertretende RFT-Vorsitzende Markus Hengstschläger. Vielmehr müsse man „fragen, ob das Geld richtig ankommt und eingesetzt wird“, es brauche „eine gezieltere und klarere Output-Analyse“.

Klar ist für Hengstschläger unter anderem, dass im Bereich Grundlagenforschung mehr Geld im Wettbewerb vergeben werden müsse, dieser Anteil sei im Vergleich zu den führenden Forschungsnationen nicht hoch genug. Zudem müssten Ausgliederungen und Start-ups besser gefördert werden, die Voraussetzungen seien hier „nicht ideal“, verwies er auf Bürokratismus und mangelndes Risikokapital. Zudem habe die Forschung in Österreich nicht das notwendige gesellschaftliche Image.

Regierung verschiebt Forschungsgipfel

Kritisiert wurde von Androsch auch die Verschiebung des geplanten Forschungsgipfels auf den Herbst. Der Grund für die Verschiebung des Forschungsgipfels der Bundesregierung liegt nach Meinung des Vorsitzenden des Forschungsrats am Finanzminister. „Der wird sich querlegen“. Das habe er schon im Herbst vorhergesagt, betonte Androsch. Hintergrund ist für den Ex-SPÖ-Finanzminister die „in sich nicht schlüssige Budgetvorschau“.

Das geplante Forschungsfinanzierungsgesetz habe bereits Wissenschaftsminister Johannes Hahn (ÖVP) 2009 angekündigt, es stehe im Programm der aktuellen Regierung und sei vom Ministerrat im Vorjahr abgesegnet worden. „Es wird aber zu keinem Gesetz, wenn man nur davon redet“, so Androsch der auch monierte, dass man „für alles Mögliche Geld habe, aber für Zukunftsaufgaben zu wenig“.

„Keine Fortschritte bei wichtigen Punkten“

Man habe „signifikante Fortschritte“ erzielt, „aber wichtige Punkte konnten noch nicht erfolgreich abgeschlossen werden“, hieß es dazu aus dem Büro von Bildungsminister Heinz Faßmann. Infrastrukturminister Norbert Hofer (FPÖ) bestätigte, dass budgetäre Überlegungen Hintergrund der Verschiebung sind. Im Hinblick auf die aktuelle Erstellung des Budgets sei vorgeschlagen worden, „den Gipfel dann zu machen, wenn auch die konkreten Zahlen auf dem Tisch liegen“, so Hofer am Montag am Rande einer Pressekonferenz.

Zu den Initiativen, die die Regierung in ihrem Koalitionsprogramm hat und die sie bei dem Gipfel präsentieren wollte, zählen u.a. ein Forschungsfinanzierungsgesetz, das Planungssicherheit vor allem für die Förderagenturen bringen soll, eine Exzellenzinitiative für den Bereich Grundlagenforschung sowie die Eckpunkte einer neuen Forschungsstrategie der Bundesregierung bis 2030. Ein entsprechender Grundsatzbeschluss dafür wurde von der Regierung bei einem Ministerrat im August 2018 gefasst. (APA, TT.com)