Letztes Update am Di, 07.05.2019 14:51

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Konjunktur

EU senkt Wachstumsprognose: Österreich 2019 bei 1,5 Prozent

Die EU.Kommission nimmt ihre bisherig Vorhersage um 0,1 Punkte zurück. Die Behörde erwartet auch einen Einbruch in Deutschland. Die Wirtschaft in der Eurozone soll heuer mit 1,2 Prozent, die der gesamten EU um 1,4 Prozent wachsen.

Ein Gurnd für die Abkühlung der Konjunktur ist laut EU-Kommission auch die anhaltende Schwäche der verarbeitenden Industrie, insbesondere in Ländern mit Problemen in der Automobilbranche. (Symbolfoto)

© istockEin Gurnd für die Abkühlung der Konjunktur ist laut EU-Kommission auch die anhaltende Schwäche der verarbeitenden Industrie, insbesondere in Ländern mit Problemen in der Automobilbranche. (Symbolfoto)



Brüssel — Die EU-Kommission hat ihre Wachstumsprognose für Österreich, die Eurozone und die gesamte Europäische Union leicht gesenkt. Die Verlangsamung des Weltwirtschaftswachstums und des Welthandels drücke die Aussichten für 2019 und 2020, teilte die EU-Kommission am Dienstag in Brüssel in ihrer Frühjahrsprognose mit.

Die EU-Behörde erwartet für 2019 nur mehr ein Plus von 1,5 Prozent in Österreich, im Februar hatte die Kommission noch mit 1,6 Prozent gerechnet. Für 2020 hält die EU-Kommission unverändert ein Plus von 1,6 Prozent für Österreich aufrecht. Die Teuerung dürfe unter der Schwelle von zwei Prozent bleiben. In Österreich wird die Inflation 2019 1,8 Prozent und 2020 1,9 Prozent betragen.

Besserung in der zweiten Jahreshälfte

Das leicht abgeschwächte Wirtschaftswachstum in Österreich lässt sich auf schwierige Rahmenbedingungen bei wichtigen Handelspartnern zurückführen. Steigende Löhne stärken allerdings den Privatkonsum, weshalb die Kurve ab der zweiten Jahreshälfte wieder leicht nach oben gehen sollte.

Gedämpft wird das Wachstum vorerst aber durch die international generell abgebremste Wirtschaftsdynamik, was sich unter anderem auf die heimische Industrieproduktion niederschlägt sowie sinkende Exporte nach sich zieht. Auch der schwächelnde Automobilsektor in Deutschland spielt hier eine Rolle.

Ab dem zweiten Halbjahr sieht die EU-Kommission allerdings wieder einen leichten Aufschwung für Österreich. Für 2020 ist ein Wachstum von 1,6 Prozent prognostiziert. Wachstumstreiber Nummer eins bleibt der Privatkonsum, der schon gegen Ende 2019 zunehme. Gründe dafür seien Lohnzuwächse, mehr Beschäftigung und der von der Bundesregierung eingeführte „Familienbonus". Während die Ausrüstungsinvestitionen zurückgehen werden, erwartet Brüssel gut gefüllte Auftragsbücher am heimischen Bausektor.

In Sachen Budgetkennzahlen weist Brüssel Österreich sowohl für 2019 als auch 2020 einen leichten Überschuss von 0,3 bzw. 0,2 Prozent aus. Als Gründe werden u.a. Kürzungen bei Sozialausgaben und die erst im April auf den Weg gebrachte nationale Digitalsteuer genannt.

Italien mit 0,1 Prozent abgeschlagen

Die Wirtschaft der Eurozone soll heuer nur 1,2 Prozent wachsen, erwartet die EU-Kommission. Im Februar hatte sie noch 1,3 Prozent vorausgesagt. Für 2020 rechnet die Kommission mit 1,5 Prozent Wachstum im Euroraum — anstatt 1,6 Prozent in der Winterprognose. Für die gesamte EU sagt die EU-Kommission für 2019 ein Plus von 1,4 Prozent voraus und für 2020 von 1,6 Prozent — anstatt 1,5 und 1,7 Prozent im Februar.

Für Deutschland erwartet die EU-Kommission heuer nur mehr ein BIP-Wachstum von 0,5 Prozent — in der Winterprognose waren es noch 1,1 Prozent. Alle EU-Staaten können heuer und im nächsten Jahr weiterhin mit einem Plus rechnen. Am geringsten fällt es 2019 in Italien mit 0,1 Prozent aus (bisher 0,2 Prozent), für Frankreich sagt die EU-Behörde unverändert heuer 1,3 Prozent voraus.

Eine Rolle spiele auch die anhaltende Schwäche der verarbeitenden Industrie, insbesondere in Ländern mit Problemen in der Automobilbranche, erklärte die EU-Kommission. Abwärtsrisiken sieht die EU-Kommission auch durch eine mögliche Zuspitzung der Handelskonflikte und durch Schwächen in China. „In Europa sollten wir die Möglichkeit eines No-Deal-Brexit, politische Unsicherheit und die Gefahr, dass die Verquickung zwischen Banken und Staaten erneut zum Problem wird, aufmerksam im Auge behalten", sagte der für den Euro zuständige EU-Kommissionsvize Valdis Dombrovskis.

Protektionismus zu verhindern

EU-Wirtschaftskommissar Pierre Moscovici warnte, es gelte, einen Rückfall in den Protektionismus zu verhindern, der soziale und wirtschaftliche Spannungen in Europa nur verschärfen würde. Das Wirtschaftswachstum in Europa wird derzeit ausschließlich von der Binnenwirtschaft getragen, erklärte die Kommission. Zusammen mit steigenden Löhnen, niedriger Inflation und günstigen Finanzierungsbedingungen dürfte dies die Binnennachfrage beleben.

Trotz des verlangsamten Wachstums erwartet die EU-Kommission weiter sinkende Arbeitslosenzahlen. Die Rate wird laut der Prognose in der Eurozone 2019 auf 7,7 Prozent zurückgehen, 2020 auf 7,3 Prozent. Für die EU rechnet die EU-Kommission dagegen in den zwei Jahren mit 6,5 bzw. 6,2 Prozent. Für Österreich sagt die EU-Kommission für 2019 und 2020 Raten von jeweils 4,7 Prozent voraus, im März lag sie bei 4,8 Prozent. (APA, TT.com)

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