Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 25.05.2019


Luftfahrt

„Einheitlicher Luftraum würde Treibstoff sparen“

Martin Gauss, Chef der Air Baltic, wünscht sich keine Flüge im Zickzack-Kurs am europäischen Himmel, das würde auch Emissionen verringern.

Martin Gauss, CEO von Air Baltic, sieht die Zukunft im elektrischen Antrieb für Flugzeuge. Denn geflogen werde weiterhin viel.

© MCIMartin Gauss, CEO von Air Baltic, sieht die Zukunft im elektrischen Antrieb für Flugzeuge. Denn geflogen werde weiterhin viel.



Von Verena Langegger

Innsbruck – Ein Markenzeichen für seine steile Karriere sind unangenehme Entscheidungen. Als Martin Gauss CEO von Air Baltic wurde, bestellte er die neuen Flugzeuge für die Airline, die er wieder in die Gewinnzone führen sollte, nicht in Europa, sondern in Kanada. Bombardier sollte liefern, einfach „weil sie die besten Flugzeuge haben“, nicht Airbus, weil Airbus eben in Europa produziert. Diese Entscheidung brachte Gauss Besuch vom deutschen Botschafter und vom damaligen lettischen Ministerpräsidenten und heutigen EU-Kommissar Valdis Dombrovski – beide wollten ihn umstimmen.

Gauss blieb hart, der Airbus Bombardier CS 300 fliege mit 50 Prozent weniger Treibstoff und sei viermal leiser als vergleichbare Maschinen. Noch immer macht er sich Gedanken über die damals notwendige Entscheidung, Personal einzusparen. „Nach solchen Entscheidungen hofft man immer, dass es keine persönlichen Tragödien gibt“, sagt er. Gauss sollte aber mit seinem Plan, den er mit seinem Team für die Air Baltic seither umsetzt, Recht haben, die Fluglinie schreibt seit sechs Jahren schwarze Zahlen.

Unternehmerisch zu denken dürfte Gauss im Blut haben, das Wirtschaftsstudium ließ er sausen, um – wegen des Gehalts – Flugkapitän zu werden. Er war dann bei der Deutschen British Airways auch der „jüngste Kapitän“ und wechselte, weil er bei seinem Vorstellungsgespräch „wohl die richtigen Antworten“ gegeben hatte, bald ins Management. Oder auch weil er ein technisches Handbuch Zeichen für Zeichen in den Computer eingetippt (und sich so zum Experten gemacht) hatte, vermutet er.

In der Krise sieht er die Luftfahrt aktuell nicht, „die Mobilität wird sich aber nicht zurückentwickeln“. Die Verringerung der CO2-Emissionen sei aber eine Notwendigkeit, immerhin rechnet der Dachverband aller Fluggesellschaften IATTA mit einer Verdoppelung des Flugverkehrs in den kommenden 15 Jahren. Gauss sieht die Zukunft langfristig in Flugzeugen mit elektrischem Antrieb.

Zudem wünscht er sich einen einheitlichen europäischen Luftraum, denn derzeit müsse man – wegen des Luftfahrtmanagements mancher Staaten – im Zickzack-Kurs fliegen, was ebenfalls mehr Treibstoff verbrauche. Auch für die Sanierung der seit zwei Jahren insolventen italienischen Fluglinie Alitalia hat Gauss Ideen. Die Lufthansa solle doch die Alitalia übernehmen, diese hätte bereits bei AUA und Swiss „einen guten Job gemacht“. Einziges Problem in Italien seien die starken Gewerkschaften.




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