Letztes Update am Mi, 29.05.2019 11:41

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Wirtschaftspolitik

Huawei wehrt sich gegen US-Bann: Das müssen Handybesitzer wissen

Die USA haben US-Firmen untersagt, mit Huawei Geschäfte zu machen. Google entzog dem chinesischen Smartphone-Bauer daraufhin die Android-Lizenz. Nun will Huawei gegen das US-Gesetz vorgehen, das Unternehmen von Aufträgen ausschließt.

Huawei wurde von den USA auf eine schwarze Liste gesetzt.

© AFPHuawei wurde von den USA auf eine schwarze Liste gesetzt.



Shenzhen — Der Handelsstreit zwischen den USA und China geht in die nächste Runde: Der chinesische Netzwerkausrüster und weltweit zweitgrößte Smartphone-Anbieter Huawei will nun das US-Gesetz, das Huawei aus Gründen der nationalen Sicherheit von Aufträgen ausschließt, für verfassungswidrig erklären lassen. Einen entsprechenden Antrag stellte das Unternehmen bei einem US-Gericht in Texas.

"Das Justizsystem ist die letzte Chance auf Gerechtigkeit", sagte Huawei-Vorstandsmitglied Song Liuping vor Journalisten am Sitz des Konzerns in Shenzhen. Huawei habe Vertrauen in die Unabhängigkeit und Integrität der US-Justiz. Die US-Regierung habe keinerlei Beweise für ihren Vorwurf geliefert, dass Huawei eine Sicherheitsbedrohung sei. "Es gibt keinen Revolver, keinen Rauch. Nur Spekulationen."

Klage am Dienstag eingereicht

Huawei reichte die Klage am Dienstag (US-Ortszeit) ein. Der Konzern will damit einen Richterspruch ohne Prozess erlangen. Bereits im März war der Konzern gerichtlich gegen das Verbot vorgegangen. Damals argumentierte Huawei, es sei nicht verfassungskonform, da der Kongress keine Beweise gegen Huawei habe vorlegen können.

Im staatlichen chinesischen Fernsehen kritisierte Song am Mittwoch, die US-Regierung wolle Huawei "vom amerikanischen Markt jagen". Vor den Journalisten sagte er: "Sie wollen, dass wir pleite gehen. Das ist nicht normal. Das hat man in der Geschichte fast noch nicht erlebt."

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Huawei weist Anschuldigungen zurück

Der US-Kongress hatte das Gesetz 2018 verabschiedet. Es verbietet US-Bundesbehörden, Produkte und Dienstleistungen von Huawei zu kaufen und mit Unternehmen zusammenzuarbeiten, die Kunden von Huawei sind. Grund ist der Verdacht, dass Huawei die Ausrüstung zu Spionagezwecken missbrauchen könnte. Das Unternehmen hat dies stets zurückgewiesen.

Das Handelsministerium setzte Huawei zudem wegen mutmaßlicher Umgehung der Iran-Sanktionen auf die schwarze Liste von Unternehmen, an die US-Firmen nur mit behördlicher Erlaubnis Technologieprodukte verkaufen dürfen. Anschließend blieb dem US-Unternehmen Google quasi nichts anderes übrig, als dem chinesischen Unternehmen die Android-Lizenz zu entziehen.

Sollte es keine baldige Einigung im Handelsstreit geben, hat das massive Auswirkungen auf Handybesitzer weltweit. Google ist für Huawei nämlich ein wichtiger Partner, weil bei dem Internet-Riesen das Mobil-Betriebssystem Android entwickelt wird, mit dem auch die Smartphones des chinesischen Konzerns laufen. Die nächste Generation der Huawei-Handys dürfte also keinen Zugang zu Google-Apps (beispielsweise Gmail, Google Play Store, Google Maps) mehr haben. Der US-Bann könnte auch das Ende von WhatsApp, YouTube und Instagram auf Huawei-Geräten bedeuten. Diese Apps gehören alle (zu) Facebook - und Facebook ist ein US-Unternehmen. Wie die Auswirkungen genau aussehen werden, ist derzeit allerdings unbekannt.

Weiterhin Updates für bestehende Modelle

Huawei hat versichert, für bestehende Modelle (also jene, die derzeit im Verkauf und auf Lager sind), weiterhin Updates zur Verfügung zu stellen. Auch der Zugang zu Google-Apps (inklusive Play Store) soll bei diesen Modellen weiter gegeben sein. Dass diese Modelle dann aber Updates zum neuen Android Q bekommen, ist unwahrscheinlich.

Da es derzeit an Informationen mangelt und unklar ist, ob bzw. wann sich der Streit zwischen den USA und China wieder legt, sind Huawei-Kunden auf der ganzen Welt verunsichert. Während Konsumentenschützer vereinzelt schon vom Kauf von Huawei-Geräten abraten, stellen sich Technikfans weltweit hinter den Konzern. Das chinesische Unternehmen selbst ist derzeit im Internet bemüht, seine Schäfchen am Davonrennen zu hindern. Huawei beruhigt, wo es nur geht und verweist auf künftige Ankündigungen.

Wie die Londoner Tageszeitung Evening Standard online berichtet, sind folgende Handymodelle von Huawei nicht von den Einschränkungen betroffen:

Nicht vom Bann betroffen:

  • Huawei P30: P30 Pro, P30, P30 Lite
  • Huawei P Smart
  • Huawei Mate 20: Mate 20 Pro, Mate 20, Mate 20 Lite, Mate 20 X
  • Huawei P20: P20 Pro, P20, P20 Lite
  • Huawei Mate 10: Mate 10 Pro, Mate 10, Mate 10 Lite
  • Huawei P10: P10 Plus, P10, P10 Lite

Sollte der US-Bann bestehen bleiben, dürfte Huawei ein eigenes und Google-unabhängiges Betriebssystem veröffentlichen. Angeblich arbeitet das Unternehmen bereits seit 2012 an dem System namens "HongMeng". Es könnte bereits Ende des Jahres einsatzbereit sein. (TT.com/reh)