Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 15.06.2019


Wirtschaftspolitik

Milliarden für Alternativen zu Glyphosat

Der deutsche Bayer-Konzern investiert in Unkrautvernichter. EU-Rechtsexperte Obwexer hält ein Verbot für nicht umsetzbar.

Ein vollständiges Verbot des angeblich krebserregenden Mittels Glyphosat wird von der Umweltorganisation Greenpeace begrüßt.

© AFPEin vollständiges Verbot des angeblich krebserregenden Mittels Glyphosat wird von der Umweltorganisation Greenpeace begrüßt.



Wien, Leverkusen – Ein Verbot des umstrittenen Unkrautvernichters Glyphosat in Österreich ist von SPÖ und FPÖ geplant. Das gesetzliche Aus sei derzeit nicht umsetzbar, sagt der Europarechtsexperte Walter Obwexer. In der EU-Pflanzenschutzverordnung, die auch für Österreich gilt, ist der Einsatz von Glyphosat nämlich noch bis Ende 2022 erlaubt. Österreich solle versuchen, Anwendungsverbote durchzusetzen, sagte Obwexer.

Mit dieser Variante konnte Kärnten – das mit einem Totalverbot gescheitert ist – den Einsatz des angeblich krebserregenden Unkrautvernichters beschränken. So könnte etwa in der Nähe von sensiblen Bereichen wie Kindergärten, Krankenhäusern oder Wohngebieten der Einsatz verboten werden. Auch der private Gebrauch kann beschnitten werden. „Man muss sich überlegen: Scheitere ich mit einer Total-Version oder habe ich Erfolg mit einer Light-Variante?“, sagte Obwexer.

In Österreich ist der Einsatz von Glyphosat zuletzt zurückgegangen. 2018 wurden laut der Agentur für Ernährungssicherheit (AGES) rund 242 Tonnen verkauft, die Jahre davor waren es meist mehr als 300 Tonnen.

Der deutsche Pharma- und Agrarchemiekonzern Bayer hält zwar an dem Produkt fest, will aber Milliarden in Alternativen investieren. In den kommenden zehn Jahren sollen rund fünf Milliarden Euro in die Entwicklung zusätzlicher Methoden zur Unkrautbekämpfung gesteckt werden, teilte das Unternehmen mit. „Die Maßnahmen gehen auf Bedenken ein, die Bayer im Jahr nach der Akquisition von Monsanto erreicht haben.“

Konzernchef Werner Baumann war im Zusammenhang mit der Übernahme des US-Saatgutriesen Monsanto auf der Bayer-Hauptversammlung Ende April als erster amtierender Vorstandschef eines DAX-Konzerns von den Aktionären nicht entlastet worden. Die Rechtsstreitigkeiten rund um Glyphosat lasten schwer auf dem Aktienkurs des Traditionskonzerns. In der europäischen Politik läuft schon länger eine Debatte über den Ausstieg aus der Nutzung des umstrittenen Herbizids. (APA, Reuters, dpa, AFP)

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