Letztes Update am Di, 04.06.2019 10:12

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Steuerreform

Konsumsteuern belasten Geringverdiener deutlich stärker

Das obere Einkommensdrittel zahlt fast drei Viertel der Lohnsteuer. Indirekte Steuern belasten die niedrigen Einkommen deutlich stärker.

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Wien – Der in Steuerreformdebatten immer wieder zu hörende Hinweis, dass Geringverdiener keine Steuern zahlen, ist falsch. Das zeigt eine aktuelle Wifo-Studie über die Verteilungswirkung der Steuern in Österreich. Demnach zahlen untere Einkommensgruppen zwar deutlich weniger Lohnsteuer. Durch Konsumsteuern werden sie aber stärker belastet als finanziell bessergestellte Haushalte.

Die durchschnittliche Abgabenquote aller österreichischen Haushalte beträgt 34,3 Prozent (alle Zahlen aus 2015) – etwas mehr als Drittel des Haushaltseinkommens fließt also in Steuern und Sozialbeiträge. In Summe ist das Steuersystem auch tatsächlich progressiv: Wer mehr Geld zur Verfügung hat, zahlt also auch mehr in den Staatshaushalt ein, wie die von Christina Mayrhuber, Simon Loretz und Jürgen Bierbaumer-Polly am Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) errechneten Zahlen zeigen.

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Dass Geringverdiener keine Steuern zahlen würden, ist aber falsch. Um die Details zu berechnen, hat das Wifo die heimischen Haushalte nach der Höhe des Einkommens gereiht und in zehn gleich große Gruppen eingeteilt. Hier zeigt sich: Die best verdienenden Haushalte müssen etwa vier von zehn Euro (39,9 Prozent des Einkommens) zur Finanzierung des Sozialstaates und der Verwaltung abliefern, in der Mitte sind es drei von zehn Euro (31,3 Prozent) und das unterste Zehntel bezahlt von zehn verfügbaren Euro immer noch mehr als zwei (22,1 Prozent) an den Staat.

Besser gestellte Haushalte tragen Großteil der Steuerlast

Während die oberen Einkommen vor allem durch Lohnsteuern belastet werden, sind weiter unten die „indirekten Steuern“ besonders wichtig – also vor allem die bei jedem Einkauf fällige Mehrwertsteuer: Im obersten Zehntel fließen 17,3 Prozent der Haushaltseinkommen in die Lohnsteuer, im untersten 17,1 Prozent in indirekte Steuern. Die Lohnsteuer wirkt also progressiv, die indirekten Steuern regressiv.

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Die Wifo-Studie zeigt allerdings auch, dass finanziell bessergestellte Haushalte in Summe den Großteil der Steuerlast tragen: das Drittel der best verdienenden Haushalte bezahlt demnach 72,6 Prozent der Lohnsteuern, 59,3 Prozent der Sozialbeiträge und 45 Prozent der indirekten Steuern. (APA)